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SchlussplÀdoyers im Manning-Prozess enden

Verteidigung und Staatsanwaltschaft haben ihre SchlussplĂ€doyers im Prozess gegen den Whistleblowers Bradley Manning beendet. Das fĂŒr Mitte kommender Woche erwartete Urteil könnte einen PrĂ€zedenzfall schaffen.

Das Schicksal des Whistleblowers Bradley Manning liegt in den HĂ€nden von Richterin Denise Lind. Im MilitĂ€rprozess [1] gegen den Obergefreiten endeten am gestrigen Freitag die SchlussplĂ€doyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Bis Mitte kommender Woche soll Lind entscheiden, in welchen der 21 Anklagepunkte der 25-JĂ€hrige schuldig ist. Danach wird das Strafmaß fĂŒr Manning festgelegt, der bereits gestanden hat, Hunderttausende streng vertrauliche Dokumente an die EnthĂŒllungsplattform Wikileaks weitergegeben zu haben.

Dass Manning hinter Gitter kommt, gilt als sicher. Ende Februar hatte er sich in zehn der schwĂ€cheren Anklagepunkte als schuldig bekannt. Mit diesem TeilgestĂ€ndnis hatte er gehofft, einen Vergleich mit einer Haftstrafe von höchstens 20 Jahren erzielen zu können. Doch vergangene Woche weigerte sich Lind, den besonders schweren Vorwurf der "UnterstĂŒtzung des Feindes" (aiding the enemy) fallen zu lassen. Damit könnte Manning lebenslange Haft drohen.

FĂŒr weitere Whistleblower könnte Linds Urteil einen PrĂ€zedenzfall schaffen, darunter Wikileaks-Chef Julian Assange und Computerspezialist Edward Snowden, der die NSA-Spionageprogramme enthĂŒllte. Zudem könnte es sich auf den investigativen Journalismus auswirken. Wikileaks sei fĂŒr den Feind im Internet ebenso verfĂŒgbar wie fĂŒr die "New York Times", den "Guardian" oder den "Spiegel", sagte Verteidiger David Coombs. Ein Schuldspruch könnte bedeuten, dass schon beim Kontakt zu einem online verfĂŒgbaren Nachrichtenmedium der Tatbestand "UnterstĂŒtzung des Feindes" erfĂŒllt sein. (rek [2])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-1925041

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Prozess-Auftakt-gegen-Whistleblower-Bradley-Manning-1875649.html
[2] mailto:rek@ct.de