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Smart Metering: Ein chronisches Pilotprojekt

Ein wichtiger Baustein der Energiewende sind intelligente ElektrogerÀte, die Last aus dem Netz nehmen. Doch die nötigen smarten StromzÀhler lassen immer noch auf sich warten.

Waschmaschinen, die automatisch anspringen, wenn der Strom gĂŒnstig, ist. Ferngesteuerte Heizungen und Tankstellen fĂŒr Elektroautos, die gleichzeitig als Stromspeicher fungieren. Der Fantasie der Firmen sind kaum Grenzen gesetzt, wenn es um Anwendungsbeispiele geht, die den Nutzen der Energiewende fĂŒr den Verbraucher beschreiben. Bislang ist das jedoch in den allermeisten FĂ€llen noch ferne Zukunftsmusik.

Das Problem: Intelligente, digitale StromzÀhler, die helfen, den Verbrauch zu steuern, sind in Deutschland im Gegensatz zu anderen europÀischen LÀndern noch Mangelware. Zwar ist deren Einbau seit 2010 in Neubauten und grundsanierten GebÀuden Pflicht [1]. Bis 2022 sollen nach der Vorgabe der EU 80 Prozent der Verbraucher mit intelligenten Messsystemen ausgestattet werden. Doch auf klare Vorgaben warten die beteiligten Firmen inzwischen seit Jahren.

Nur in Pilotprojekten wie zum Beispiel in MĂŒlheim an der Ruhr, wo der Stromversorger RWE "Smart Meter" getestet hat, verfĂŒgen alle 100.000 Haushalte ĂŒber intelligente StromzĂ€hler. "Der Rechtsrahmen fehlt in einer endgĂŒltigen AusprĂ€gung", erklĂ€rt Helmut Edelmann von der Wirtschaftsberatung Ernst & Young.

SchlĂŒsseltechnologie der Energiewende

Dabei gelten sogenannte Smart Meter als eine der SchlĂŒsseltechnologien der Energiewende [2]: Die intelligenten StromzĂ€hler sollen helfen, den Energieverbrauch genau abzubilden und gegebenenfalls sogar zu steuern, je nach dem wie groß das Angebot an produziertem Wind- oder Sonnenstrom gerade ist. Auf diese Weise können Versorger die Stromproduktion auf den tatsĂ€chlichen Bedarf abstimmen und Schwankungen in ihren Netzen managen. Tankstellen fĂŒr Elektroautos oder Nachtspeicherheizungen sollen beispielsweise als Energiespeicher dienen. Die Verbraucher sollen davon profitieren, dass ihre Stromtarife flexibel angepasst werden können.

Doch wĂ€hrend andere europĂ€ische LĂ€nder wie Schweden, Italien oder die Niederlande lĂ€ngst mit dem Ausbau begonnen haben, hinkt Deutschland noch hinterher. Zwar wurden Anforderungen zum Datenschutz [3] schon 2012 definiert, aber erst seit vergangenem Sommer liegt eine vom Wirtschaftsministerium bestellte Kosten-Nutzen-Analyse [4] fĂŒr den Rollout von Smart Metern in Deutschland der Wirtschaftsberatung Ernst & Young vor. Was nun noch fehlt, sind Verordnungen, die Details sowie Ablauf des Ausbaus regeln und klĂ€ren, wer die Kosten trĂ€gt.

Und wer bezahlt das?

Finanzierungsmöglichkeiten fĂŒr die in Diskussion befindliche Ausbau-Varianten wĂŒrden derzeit auf Arbeitsebene sondiert, erklĂ€rt eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums. Ernst & Young schlĂ€gt in seiner Analyse einen mehrstufigen Rollout vor. Die Kosten sollen verteilt werden: Die Nutzer intelligenter Messsysteme wĂŒrden mit bis zu 72 Euro pro Jahr deutlich mehr belastet als Verbrauchsstellen ohne Smart Meter mit acht Euro pro Jahr.

Die beteiligten Unternehmen hoffen, dass das Verordnungspaket [5] noch in diesem Jahr verabschiedet wird. So steht es im Koalitionsvertrag. Hersteller wie Landis+Gyr warten dringend auf grĂŒnes Licht. WĂ€hrend die Firma in Großbritannien bereits AuftrĂ€ge fĂŒr Millionen Smart Meter erhalten hat, seien in Deutschland nur Millionen Euro investiert worden, sagt Landis+Gyr-Chef Peter Heuell. "Es wĂ€re gut, wenn der Markt sich endlich in Bewegung setzen wĂŒrde", so Frank Schmidt, Leiter des GeschĂ€ftsfeldes Energie bei der Deutschen Telekom. Firmen wie der Bonner Telekommunikationsriese, aber auch Accenture oder Siemens, wollen ins GeschĂ€ft mit IT-Beratung und Abrechnung einsteigen.

Dass der Ausbau mit den Verordnungen dann sofort 2015 beginnen werde, bezweifelt Helmut Edelmann. "Der Rollout startet frĂŒhestens am 1. Januar 2016", ist seine Prognose. Denn die Smart-Meter-Hersteller ließen sich zwar derzeit ihre GerĂ€te vom zustĂ€ndigen Bundesamt fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zertifizieren, diese mĂŒssen dann aber auch erst einmal gebaut werden. Auch die Netzagentur hat noch ein Wörtchen mitzureden.

Bis Verbraucher in den vollen Genuss variabler Tarife kommen, dĂŒrfte es deshalb noch dauern: Versorger wie RWE und EnBW wollen die Sprechern zufolge erst anbieten, wenn auch endlich die Technik steht. "Es muss erstmal ein Messsystem da sein", sagt ein EnBW-Sprecher. (pmz [6])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-2173271

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/eeg_2009/gesamt.pdf
[2] http://www.bmwi.de/DE/Themen/Energie/Erneuerbare-Energien/eeg-reform.html
[3] https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/SmartMeter/smartmeter_node.html
[4] http://www.bmwi.de/BMWi/Redaktion/PDF/Publikationen/Studien/kosten-nutzen-analyse-fuer-flaechendeckenden-einsatz-intelligenterzaehler,property=pdf,bereich=bmwi2012,sprache=de,rwb=true.pdf
[5] http://www.bmwi.de/BMWi/Redaktion/PDF/Gesetz/entwurf-eines-gesetzes-grundlegenden-reform-eeg,property=pdf,bereich=bmwi2012,sprache=de,rwb=true.pdf
[6] mailto:pmz@ct.de