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Streik beim EuropÀischen Patentamt beschlossen

Christian Kirsch
EuropĂ€isches Patentamt in MĂŒnchen

91 Prozent der Teilnehmer an einer Urabstimmung haben fĂŒr einen eintĂ€gigen Warnstreik beim EuropĂ€ischen Patentamt gestimmt. Der Streiktermin könnte mit einer Sitzung des Verwaltungsrats zusammenfallen.

Das zwischen der Leitung des EuropĂ€schen Patentamts (EPO) und einer Mini-Gewerkschaft geschlossene Abkommen [1] hat das VerhĂ€ltnis zur weit grĂ¶ĂŸeren Arbeitnehmerorganisation SUEPO nicht verbessert. Sie hat die 6000 Mitglieder des EPO jetzt ĂŒber einen Warnstreik abstimmen lassen: Von den fast 4100 Teilnehmern sprachen sich 3700 (91 Prozent) fĂŒr den Ausstand aus. Das Patentamt hatte Ende 2015 zwei SUEPO-FĂŒhrer disziplinarisch belangt und im Januar 2016 entlassen [2].

Da der EPO-PrĂ€sident BenoĂźt Battistelli mindestens fĂŒnf Arbeitstage vor einem Streik darĂŒber informiert sein muss, könnten die Mitarbeiter Mitte kommender Woche die Arbeit niederlegen. Zu diesem Zeitpunkt wird sich der Verwaltungsrat des Amts (AC) treffen, sodass die Vertreter der 38 LĂ€nder, die das EPO tragen, direkt mit protestierenden Mitarbeitern konfrontiert wĂŒrden.

In einem GesprĂ€ch mit dem Bayerischen Rundfunk erklĂ€rte Friedrich Rödler, ehemals AC-Mitglied, [3] warum das hilfreich sein könnte: "Der Verwaltungsrat ist bei seinen BeschlĂŒssen auf jene Informationen angewiesen, die er selbst vom PrĂ€sidenten des Amtes erhĂ€lt. Über andere Informationen verfĂŒgt er nicht." Immerhin scheint das Gremium inzwischen etwas unruhiger zu werden. So hatte sich der AC-Vorsitzende Jesper Kongstad kĂŒrzlich beklagt, mit Battistelli sei kein Dialog ĂŒber eine Verbesserung der Beziehungen zur Gewerkschaft möglich [4]. In einem Entwurf fĂŒr die anstehende AC-Sitzung verlangte Kongstadt, Battistelli solle die Diszplinarmaßnahmen gegen die SUEPO-FĂŒhrung bis zur KlĂ€rung durch eine externe Untersuchung aussetzen.

Im EPO schwelt seit Jahren ein Konflikt um die Arbeitsbedingungen. Battistelli hat es sich zum Ziel gesetzt, die ProduktivitĂ€t der Behörde zu erhöhen. Nach Auffassung der SUEPO fĂŒhre das zu schlechter geprĂŒften und damit möglicherweise nichtigen Patenten. Die EPO-Mitarbeiter können sich nicht an deutsche Arbeitsgerichte wenden, da die Behörde eine zwischenstaatliche Organisation ist, die keinem nationalen Recht unterliegt. Rechtsmittel können sie nur bei der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in Genf einlegen. Die ILO hat sich bereits ĂŒber die wachsende Klageflut aus dem EPO beschwert [5]. (ck [6])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-3131275

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/news/PR-Gag-Europaeisches-Patentamt-will-Gewerkschaft-anerkennen-3126857.html
  2. https://www.heise.de/news/Europaeisches-Patentamt-feuert-Gewerkschaftsfuehrung-3072675.html
  3. http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/kontrovers/europaeisches-patentamt-mitarbeiter-albtraum-story-100.html
  4. http://ipkitten.blogspot.de/2016/02/battistelli-falls-out-with-board-28.html
  5. http://www.ilo.org/wcmsp5/groups/public/---ed_norm/---relconf/documents/meetingdocument/wcms_413819.pdf
  6. mailto:ck@ix.de