Studie: TV-Sendern steht ein radikaler Wandel bei Nutzung bevor
(Bild: metamorworks/Shutterstock.com)
Medienforscher erwarten einen Zuschauerschwund beim klassischen Fernsehen: Eine Studie sieht Netflix als MaĂ aller Dinge. Die ARD Ă€uĂert Zweifel daran.
Den TV-Sendern steht laut einer Studie ein wachsender Schwund bei ihren Zuschauerzahlen bevor. Nur noch etwa die HĂ€lfte der Sehzeit (54 Prozent) verbringen Zuschauer demnach heute mit linearem Fernsehen, ergab eine Studie der Beratungsgesellschaft Roland Berger und der WestfĂ€lischen Wilhelms-UniversitĂ€t MĂŒnster. Die Entwicklung vom linearen TV zum Streaming werde sich in den kommenden Jahren deutlich fortsetzen, prognostizieren die Autoren der Studie.
ARD stellt methodische Standards infrage
Netflix habe in Sachen Sehzeit bereits die fĂŒhrende Position eingenommen â und zwar nicht nur im Streaming-Markt [1]. Dabei sehen sie die klassischen TV-Sender schlecht gerĂŒstet. Die ARD warf der Roland-Berger-Studie [2] handwerkliche MĂ€ngel vor. "Wesentliche Aspekte der zugrundeliegenden Untersuchung werden nicht transparent gemacht", sagte ein Sprecher auf Anfrage. Dies gelte etwa fĂŒr die methodischen Standards zur Erhebung von Reichweiten und Zeitbudgets.
(Bild:Â Roland Berger)
Auch die "sehr kurze Feldzeit von nur zwei Wochen fĂŒr 1571 FĂ€lle" lasse "an der ReprĂ€sentativitĂ€t der Erhebung zweifeln", so die ARD. Weiterer Kritikpunkt: "Die Studie beansprucht nur fĂŒr die Gruppe der 16- bis 69-JĂ€hrigen GĂŒltigkeit. Ob sie zumindest fĂŒr diese Gruppe reprĂ€sentativ ist, kann aufgrund der fehlenden Angaben gar nicht beurteilt werden."
Anschluss bereits verloren
Der Studie zufolge widmet das Gesamtpublikum 10,3 Prozent seines Zeitbudgets Netflix. Auf den PlÀtzen danach folgen mit ihren linearen und nichtlinearen Angeboten RTL (10,0 Prozent), ZDF (9,8 Prozent) und ARD (8,8 Prozent), vor Amazon mit 8,7 Prozent.
Mit ihren eigenen Streaming-Angeboten hĂ€tten die TV-Sender in Sachen AttraktivitĂ€t bereits jetzt "den Anschluss verloren", sagte Niko Herborg, Medienexperte bei Roland Berger. Die Autoren der Studie gehen davon aus, dass den Sendern in den kommenden zehn Jahren rund ein Drittel der Zuschauerzeit und damit zwischen 4,5 und 8,8 Milliarden Euro Werbeeinnahmen entgehen werden. In den vergangenen zehn Jahren hĂ€tten die beiden groĂen privaten TV-HĂ€user WerbeumsĂ€tze in Höhe von gut 50 Milliarden Euro erwirtschaftet.
(Bild:Â Roland Berger)
Wie die Studie ergab entfÀllt unter allen Zuschauern aktuell 54 Prozent des Zeitbudgets auf lineares Fernsehen, 12 Prozent auf Pay-TV-Angebote, 24 Prozent auf kostenpflichtiges Streaming und 11 Prozent auf kostenfreies Streaming. Unter den jungen Zuschauern liegt der Anteil am Streaming bereits bei fast 60 Prozent.
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(kbe [4])
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