Telekom bringt die Geldbörse aufs Smartphone
Die Telekom will die Geldbörse mit Bargeld und Karten komplett auf das Smartphone holen. Bezahlt wird unter anderem kontaktlos per NFC-Nahfunktechnik. Im Rahmen einer Kooperation mit Mastercard geben die Bonner zudem eine Kreditkarte heraus.
Die Deutsche Telekom [1] will den EuropĂ€ern ans Portemonnaie: Die klassische Geldbörse mit Bargeld und verschiedenen Bezahlkarten wird ausgemustert und wandert als Anwendung nach dem Willen des Bonner Konzerns ins Smartphone. Zum Bezahlen hĂ€lt der Kunde sein Handy kurz an ein LesegerĂ€t, und die Transaktion wird ĂŒber die Nahfunktechnik NFC (Near Field Communication) abgewickelt. Bisher lĂ€uft nur rund 1 Prozent der BezahlvorgĂ€nge so ĂŒber Funk, bis 2016 sollen nach SchĂ€tzung der Telekom schon 30 Prozent kontaktlos abgewickelt werden. Bis die Vision des weltweiten, kontaktlosen "Mobile Payment" Wirklichkeit ist, wird es also noch ein bisschen dauern.
"Wir reden jetzt seit rund zehn Jahren ĂŒber das mobile Bezahlen mit dem Handy", erklĂ€rt Telekom-Manager Thomas Kiessling: "Jetzt entsteht der Markt." Und von dem will die Telekom ein nicht zu kleines StĂŒck abhaben. "Wir haben die Ambition, einer der gröĂten europĂ€ischen Zahlungsdienstleister zu werden", sagt Telekom-Chef RenĂ© Obermann. Noch ist der Markt mit zahlreichen Insellösungen etwas unĂŒbersichtlich, doch am Ende will sich die Telekom als einer von wenigen groĂen Anbietern etabliert haben.
(Bild:Â DTAG)
Den Anfang macht die Telekom mit einer eigenen Mobile-Payment-Plattform und einer strategischen Kooperation mit dem Kreditkartenanbieter Mastercard, in deren Rahmen die Bonner eine eigene Kreditkarte anbieten werden. Bei der weitgehend selbst entwickelten digitalen Geldbörse sieht der Konzern seine StÀrken in den mit der eigenen Payment-Tochter Click and Buy [2] gesammelten Erfahrungen und seiner PrÀsenz auf zahlreichen europÀischen MÀrkten. Auch beim Thema Vertrauen und Sicherheit [3] möchte die Telekom im Konkurrenzvergleich punkten.
Dennoch wird es die Telekom mit bekannten Namen zu tun haben: Google steht mit dem Ă€hnlichen und in den USA bereits eingefĂŒhrten Bezahlsystem Wallet [4] auf dem Sprung nach Europa. Microsoft rĂŒstet die kommende Version [5] seines Smartphone-Betriebssystems Windows Phone mit einer digitalen Geldbörse aus. Auch mit Apple wird zu rechnen sein: Aus der GerĂŒchtekĂŒche ist zu hören, das nĂ€chste iPhone komme mit NFC-Chip [6]. Zudem gibt es die Banken und Sparkassen, die sich selbst mit NFC-Payment beschĂ€ftigen und den neuen Wettbewerbern das Feld sicher nicht so einfach ĂŒberlassen.
In der digitalen Geldbörse der Telekom sollen Kunden ihre Kredit- und Maestrokarten sowie Karten von Punktesammelsystemen oder Rabattcoupons erfassen und verwalten können. Auch fĂŒr den Fahrscheinkauf oder Eintrittskarten eignet sich das System. Der Smartphone-Besitzer soll dabei auch tĂ€gliche Limits setzen oder andere Einstellungen vornehmen können, etwa ob er Transaktionen per SMS bestĂ€tigt haben möchte. Die Anwendung soll es nach Möglichkeit fĂŒr alle etablierten Smartphone-Betriebssysteme geben â ob das klappt und wie sich mögliche Kollisionen mit den PlĂ€nen von Google, Apple oder Microsoft auswirken, ist völlig offen. Mehr als den Hinweis auf laufende GesprĂ€che lĂ€sst sich die Telekom dazu nicht entlocken.
In Polen geht es noch in diesem Jahr los, in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2013 mit dem Start zu rechnen. Welche Kartenanbieter und Banken sich dann schon an dem System beteiligen, war noch nicht zu erfahren. Die Sparkassen zumindest sind dem Thema NFC gegenĂŒber aufgeschlossen, testen gerade eigene Karten [7] und haben Google bisher die kalte Schulter gezeigt [8]. Die Telekom spricht nach eigenen Angaben mit möglichen Partnern und rechnet damit, dass zur MarkteinfĂŒhrung schon einige an Bord sind. Der Netzbetreiber will erste SIM-Karten mit einem Secure Element fĂŒr die kritischen Zahlungsdaten fĂŒr das Bezahlsystem noch in diesem Jahr ausgeben.
Ăber NFC wird dann die Transaktion zwischen den auf der SIM-Karte sicher gespeicherten Karteninformationen und dem Terminal beim HĂ€ndler abgewickelt. Dabei kann die Telekom auch auf das von Partner Mastercard betriebene Paypass [9] zurĂŒckgreifen, das NFC-Terminals schon an einigen Verkaufsstellen im Einsatz [10] hat. DarĂŒber hinaus will die Telekom den Vertrieb von NFC-tauglichen LesegrĂ€ten fĂŒr den Handel unterstĂŒtzen.
Noch haben lĂ€ngst nicht alle Smartphones einen NFC-Chip. Bei der Telekom wird es wohl zunĂ€chst nur vier geeignete Smartphones geben. Allerdings wird sich NFC als Standardtechnik in Handys durchsetzen und bald deutlich weiter verbreitet sein, zahlreiche Hersteller haben NFC-Handys angekĂŒndigt. FĂŒr Smartphones ohne NFC bringt die Telekom zudem einen NFC-Aufkleber heraus, der auf die RĂŒckseite des Smartphones geklebt wird und die gleiche Funktionen wie ein interner Chip erfĂŒllt.
(Bild:Â DTAG)
Auch zur ĂberbrĂŒckung [11] der Hardware-LĂŒcke beginnt die Telekom noch in diesem Jahr mit der Herausgabe einer eigenen Mastercard-Kreditkarte mit NFC-Chip. Dank der E-Money-Lizenz der Tochter Click and Buy kann die Telekom die Karte selbst herausgeben und das Konto bei Click and Buy fĂŒhren â damit verdient die Telekom auch an den TransaktionsgebĂŒhren. DarĂŒber hinaus kann die Telekom an Provisionen verdienen, die beim Einsatz der mobilen Geldbörse fĂŒr den Kauf von Fahrscheinen, Eintrittskarten oder Parkscheinen gezahlt werden.
Nun darf spekuliert werden, was die digitale T-Geldbörse fĂŒr das gemeinsam mit den Netzbetreibern Vodafone und O2 ausgelobte Handy-Payment-Projekt [12] namens Mpass bedeutet, zu dem die Telekom im Herbst 2011 hinzugestoĂen [13] war. Dazu hieĂ am Montag in Berlin bei der Vorstellung des Vorhabens [14], dass Mpass als nationale Initiative weiter verfolgt werde, wĂ€hrend das mobile Portemonnaie ein eher paneuropĂ€isches Projekt sei. (vbr [15])
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[1] http://www.telekom.com
[2] http://www.clickandbuy.com
[3] https://www.heise.de/news/Kreditkartenklau-per-Smartphone-1611874.html
[4] https://www.heise.de/news/Googles-elektronische-Geldboerse-geht-in-den-Regelbetrieb-1346087.html
[5] https://www.heise.de/news/loeschen-1622604.html
[6] https://www.heise.de/news/Bericht-NFC-Chip-in-iPhone-Prototyp-1625692.html
[7] https://www.heise.de/news/Sparkassen-fuehren-NFC-Payment-ein-1403383.html
[8] https://www.heise.de/news/Sparkassen-lehnen-Googles-Bezahl-System-Wallet-ab-1349524.html
[9] https://www.heise.de/news/Mastercard-stellt-virtuelle-Geldboerse-vor-1570216.html
[10] http://www.mastercard.com/de/privatkunden/products/products_paypass.html
[11] https://www.heise.de/news/NFC-Kreditkarten-bereiten-den-Boden-fuer-Handy-Zahlsysteme-1586330.html
[12] https://www.heise.de/news/Deutsche-Netzbetreiber-wollen-Handypayment-voranbringen-1323466.html
[13] https://www.heise.de/news/Telekom-macht-beim-mobilen-Bezahlsystem-mpass-mit-1141040.html
[14] https://www.heise.de/news/Telekom-und-Mastercard-kooperieren-beim-Bezahlen-per-NFC-1630188.html
[15] mailto:vbr@heise.de
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