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Twitter: Kaum neue User, aber doppelter Umsatz

Daniel AJ Sokolov
Twitter am Handy

79 Prozent des Gesamtumsatzes lukriert Twitter aus Werbung auf mobilen EndgerÀten.

(Bild: dpa, Andrew Gombert)

Twitter konnte seine Nutzerschar im vierten Quartal 2014 nur um vier Millionen erweitern. Schuld daran seien Bugs in iOS 8, meint das Twitter-Management. Finanziell kann sich Twitter berappeln, die Aktie legte deutlich zu.

288 Millionen Twitter-Konten wurden im Dezember 2014 mindestens einmal genutzt. Das sind lediglich vier Millionen mehr, als drei Monate zuvor. Das geht aus den Ergebnissen des vierten Quartals 2014 hervor, die Twitter Donnerstagabend veröffentlicht [1] hat. Twitters Userzuwachs ist also praktisch zum Stillstand gekommen. Schuld daran soll Apple sein. Die Twitter-Aktie hat im nachbörslichen Handel dennoch gut neun Prozent zugelegt, denn die finanziellen Resultate und Twitters Prognosen sind ĂŒberraschend freundlich.

Twitter GeschĂ€ftsentwicklung (in US-Dollar, gerundet) Q4 2014 Q4 2013 ∆
Umsatz 469 Mio. 243 Mio. +97%
Davon Werbeeinahmen 432 Mio. 220 Mio. +97%
Nettoergebnis -125 Mio. -511 Mio. -76%
Monthly Active Users (in Mio. Nutzer)
288
241
+20%

Der Quartalsumsatz hat sich im Jahresabstand auf 479 Millionen US-Dollar knapp verdoppelt. Twitter konnte fĂŒr seine Werbeschaltungen höhere Preise verlangen, und hĂ€tte den Angaben zu Folge sogar noch mehr verkaufen können. 79 Prozent des Umsatzes generiert Twitter mit Werbung auf mobilen EndgerĂ€ten, weitere elf Prozent aus anderer Werbung.

Die restlichen zehn Prozent stammen vor allem aus der Lizenzierung der von den Twitter-Nutzern erzeugten Daten. Im Oktober schloss Twitter einen solchen Vertrag mit IBM [2]. Und Donnerstagabend bestÀtigte Twitter-CEO-Dick Costolo auch Twitters Deal mit Google [3], nannte aber keine Einzelheiten.

Derweil ist der Nettoverlust von 511 Millionen auf 125 Millionen Dollar zurĂŒckgegangen. Dieser RĂŒckgang ist nicht ĂŒberraschend. Denn beim Börsengang im vierten Quartal 2013 mussten frĂŒher zugeteilte Aktienoptionen verbucht werden. Der Nettoverlust ist aber auch gegenĂŒber dem unmittelbaren Vorquartal (Q3 2014 [4]), um 50 Millionen gesunken.

Twitter-Chef Dick Costolo

CEO Dick Costolo will mehr Geld mit Twitter-Lesern verdienen, die sich nicht einloggen.

(Bild: Twitter)

Könnte man Aktienzuteilungen, Steuern, Zinsen und Abschreibungen ignorieren, hĂ€tte das Unternehmen im vierten Quartal 141 Millionen Dollar verdient. Diese Kennzahl heißt Adjusted EBITDA. Vor einem Jahr gab das Unternehmen an, langfristig eine Adjusted-EBITDA-Marge von 30 bis 35 Prozent anzustreben. Nachdem die 30-Prozent-Marke nun knapp erreicht ist, wurde die langfristige Prognose Donnerstagabend auf 40 bis 45 Prozent erhöht.

Im gesamten Jahr 2014 hat Twitter 1,4 Milliarden Dollar umgesetzt (+111%) und dabei 578 Millionen Dollar Nettoverlust produziert. Dabei kostete das Aktienprogramm 632 Millionen Dollar. Das Barvermögen ist von 2,2 auf 3,6 Milliarden Dollar angewachsen.

WÀhrend Facebook im vierten Quartal 2014 160 Millionen monatlich aktive User zulegen [5] konnte, waren es bei Twitter gerade einmal vier Millionen. Schuld daran sind laut Twitter-Management zwei Faktoren: Saisonale Schwankungen und Apple. Das im September vergangenen Jahres veröffentliche iPhone-Betriebssystem iOS 8 [6] sei zunÀchst fehlerbehaftet gewesen.

Bugs in iOS 8 hĂ€tten Twitter vier Millionen User gekostet. TatsĂ€chlich gingen beim Update Zugriffs-Autorisierung fĂŒr Twitter-Apps verloren. Manche User machten sich dann nicht die MĂŒhe, sich erneut anzumelden. Bis Jahresende sank die Zahl dieser "verlorenen Schafe" auf eine Million.

Die weiteren drei Millionen sind einer Änderung im Safari-Browser geschuldet. Dessen Reader ruft im Unterschied zur iOS-7-Version nicht automatisch Twitter-Inhalte ab. Solche automatischen Zugriffe verbucht Twitter als UseraktivitĂ€t. Deren Ausbleiben hat nun die Bilanz geschmĂ€lert.

Im laufenden Quartal aber soll der Zustrom neuer Nutzer wieder anschwellen. Twitter rechnet mit zirka 14 Millionen zusĂ€tzlichen monatlich aktiven Usern. Deren Gesamtzahl wĂŒrde damit erstmals 300 Millionen ĂŒberschreiten.

Der Umsatz soll auf etwa 440 bis 450 Millionen Dollar steigen, das Adjusted EBITDA 89 bis 94 Millionen Dollar erreichen. Die Aktienzuteilungen werden auf dem Papier 160 bis 170 Millionen Dollar kosten. FĂŒr das Gesamtjahr erwartet Twitter Einnahmen von 2,3 bis 2,35 Milliarden Dollar was ein Zuwachs von etwa zwei Dritteln wĂ€re. Das Adjusted EBITDA soll stĂ€rker steigen und 500 bis 650 Millionen Dollar erreichen.

Das Aktienprogramm wird nur leicht teurer und erreicht 700 bis 750 Millionen Dollar. Das sind aber immer noch mindestens 30 Prozent des prognostizierten Umsatzes. Im vierten Quartal und auch im Gesamtjahr 2014 war die buchhalterischen Kosten des Aktienprogramms höher als der Nettoverlust. Anders ausgedrĂŒckt: Ohne Aktienzuteilungen an die Mitarbeiter wĂ€re Twitter profitabel.

Aber das ist eine MilchmĂ€dchenrechnung. Denn ohne das Aktienprogramm mĂŒsste Twitter deutlich höhere GehĂ€lter zahlen, was sich dann auf die Barschaft auswirken wĂŒrde. So aber wird nur der Unternehmensanteil der bestehenden AktionĂ€re geschmĂ€lert. (ds [7])


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Links in diesem Artikel:
[1] https://investor.twitterinc.com/releasedetail.cfm?ReleaseID=894844
[2] https://www.heise.de/news/IBM-und-Twitter-werden-Partner-in-der-Datenanalyse-2438453.html
[3] https://www.heise.de/news/Twitter-oeffnet-sich-wohl-wieder-fuer-Google-2541103.html
[4] https://www.heise.de/news/Quartalsverlust-bei-Twitter-nur-noch-knapp-verdreifacht-2435446.html
[5] https://www.heise.de/news/Facebook-1-39-Milliarden-Nutzer-2-72-Milliarden-US-Dollar-Ausgaben-2531471.html
[6] https://www.heise.de/news/iOS-8-oeffnet-sich-2394825.html
[7] mailto:ds@heise.de