zurück zum Artikel

US-Regierung sucht Informanten

Richard Sietmann

In der neuen Sicherheitsstrategie von US-PrÀsident George Bush spielen PlÀne zum Schutz kritischer Infrastrukturen wie des Internet und der Einsatz informeller Mitarbeiter eine wichtige Rolle.

US-PrĂ€sident George W. Bush betonte bei der Vorstellung seiner Nationalen Strategie fĂŒr den Heimatschutz [1], dass eine bessere Koordination der Sicherheitsbehörden nötig sei. Zwar sollen Geheimdienste CIA und NSA sowie die Bundespolizei FBI dem neuen Ministerium fĂŒr "Homeland Security" [2] nicht unterstellt werden, doch strebt der PrĂ€sident unter anderem eine engere Vernetzung der Datenbanken an. Zugleich will er die Freigabe "sensibler" Informationen aus Behörden und Firmen durch neue gesetzliche Regelungen verhindern. Das "Homeland-Security"-Konzept leitete Bush am gestrigen Dienstag dem Kongress zu; dazu gehört auch die Einrichtung des Ministeriums fĂŒr innere Sicherheit, das mit knapp 170.000 Mitarbeitern eine der grĂ¶ĂŸten Regierungsbehörden des Landes werden soll.

Bush will die gesamte Infrastruktur der USA noch einmal auf Schwachstellen ĂŒberprĂŒfen lassen. Daraus resultieren soll ein Plan zum Schutz der kritischen Infrastrukturen. Zu denen zĂ€hlt das Bush-Konzept neben Autobahnen, Pipelines und der Landwirtschaft auch das Internet, zentrale Datenbanken sowie die Stromversorgung.

Als Teil des Homeland-Security-Strategiekonzepts setzt das US-Justizministerium zudem im Kampf gegen den Terrorismus auf Tipps freiwilliger Informanten. Gedacht ist bei der Operation TIPS [3] (Terrorism Information and Prevention System) vor allem an BrieftrĂ€ger, LKW- und Busfahrer, Mitarbeiter von Versorgungseinrichtungen und Zustelldiensten, deren Funktion ihnen Einblicke in private Wohnungen, GeschĂ€ftsaktivitĂ€ten sowie den GĂŒter- und Personenverkehr verschafft. FĂŒr die im August startende Pilotphase rechnet das US-Justizministerium bereits mit einer Million Informanten in zehn ausgewĂ€hlten StĂ€dten, die dann VerdĂ€chtige und VerdĂ€chtiges an eine zentrale Hotline-Nummer melden sollen, wo Mitarbeiter den Fall an die jeweils zustĂ€ndige Ermittlungsbehörde weiterleiten.

"Die Regierung will anscheinend ein Programm einfĂŒhren, das örtliche Kabel-, Gas- und Elektrotechniker zu regierungsamtlichen Voyeuren befördert", kritisiert die American Civil Liberties Union (ACLU [4]) in einer ersten Stellungnahme das Vorhaben. Die ACLU befĂŒrchtet vor allem, dass Hinweise der informellen Mitarbeiter zu vermehrten Wohnungsdurchsuchungen fĂŒhrt -- die seit der Verabschiedung des Patriot Act [5] nach dem 11. September auch ohne richterlichen Durchsuchungsbeschluss und ohne Benachrichtigung des Betroffenen zulĂ€ssig sind.

Siehe dazu auch in Telepolis:

(Richard Sietmann) / (jk [7])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-63532

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.whitehouse.gov/homeland/book/index.html
[2] http://www.whitehouse.gov/deptofhomeland/
[3] http://www.whitehouse.gov/homeland/book/sect6.pdf
[4] http://www.aclu.org/
[5] https://www.heise.de/news/Patriot-Act-findet-im-Senat-ueberwaeltigende-Zustimmung-48926.html
[6] http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/12915/1.html
[7] mailto:jk@heise.de