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Verbraucherzentrale mahnt Media MĂ€rkte wegen Rabattaktion ab [Update]

Torge Löding

Berichten von Verbrauchern zufolge hat der Elektronik-Kaufmarkt seine Preise rechtzeitig zur Rabattaktion am 3. 1. angehoben.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv [1]) hat Media-Markt-Niederlassungen im Saarland und in Baden-WĂŒrttemberg wegen irrefĂŒhrender Preiswerbung abgemahnt. "Beschwerden von Verbrauchern legen nahe, dass Media MĂ€rkte im Vorfeld der Werbeaktion Am 3.1. zahlt Deutschland keine Mehrwertsteuer den Preis fĂŒr einige Produkte hochgesetzt haben", erklĂ€rte vzbv-Jurist Egbert Groote. Auch die Wettbewerbszentrale habe bereits juristische Schritte gegen den Elektroriesen eingeleitet, heißt es in einer vzbz-Mitteilung.

Der vzbv hatte anlĂ€sslich der Werbeaktionen der beiden Konzern [2]schwestern Media Markt [3] und Saturn [4] ("100 Produkte zum Einkaufspreis") die Verbraucher aufgerufen, dem vzbv und den Verbraucherzentralen FĂ€lle mitzuteilen, bei denen Produkte am Aktionstag teurer oder nicht viel preisgĂŒnstiger angeboten wurden als an den vorangegangenen Tagen. Daraufhin hatten sich viele verĂ€rgerte Kunden bei den Verbraucherzentralen vor allem ĂŒber Media MĂ€rkte beschwert. Die meisten Kunden Ă€rgerten sich darĂŒber, dass der ausgezeichnete Preis der gewĂŒnschten Produkte am Aktionstag deutlich höher lag als an den Tagen zuvor. "Laut Wettbewerbsrecht ist es unzulĂ€ssig, mit besonderen Preisherabsetzungen zu werben, wenn tatsĂ€chlich keine oder nur unerhebliche Preissenkungen stattgefunden haben", betonte Egbert Groote.

Auch heise online liegen eine ganze Reihe solcher Beispiele vor, bei denen Leser sich in den letzten Dezembertagen Preise von Media-Markt-Produkten notiert hatten und dann verblĂŒfft feststellen mussten, dass diese am Aktionstag um 16 Prozent und mehr hochgesetzt worden waren. Von einem besonders krassen Fall berichtet der vzbv: Ein Kunde staunte, als er am 3.1.2005 eine Digitalkamera erwerben wollte, die er am 29.12.2004 im gleichen Markt noch 70 Euro gĂŒnstiger ausgezeichnet (299 statt nunmehr 369 Euro) gesehen hatte. Der Kunde hatte bei seinem ersten Besuch am 29.12.2004 ein Foto von dem Angebot gemacht und sprach darauf mit einem VerkĂ€ufer, der sich zum gleichen Thema bereits mit einem anderen Kunden unterhielt. Der VerkĂ€ufer behauptete zunĂ€chst, die Preise wĂ€ren normal, der Preis vom 29.12.2004 wĂ€re ein Vorweihnachtssonderpreis. Als der VerkĂ€ufer jedoch das Foto sah, bat er die beiden Kunden zur Seite und erklĂ€rte, die Kunden hĂ€tten ja dann vielleicht doch Recht. Daraufhin erhielten die Kunden die Digitalkamera fĂŒr 299 Euro abzĂŒglich 16 Prozent Rabatt. Der VerkĂ€ufer bat die Kunden, dies nicht weiter publik zu machen.

Vor dem Hintergrund immer aggressiverer Werbeformen empfehlen die Verbraucherzentralen den Verbrauchern, sich durch Rabattaktionen nicht verleiten zu lassen. "Allein durch fortwĂ€hrende Almosen holen die Unternehmen die Ausgaben fĂŒr ihre millionenschwere Werbung sicher nicht rein", meint der vzbv. Oft gehe es den Handelsriesen um den Ausbau von Marktanteilen. Mehr Marktanteil bedeute gleichzeitig auch mehr Preismacht. Leidtragende seien vor allem die Klein- und MittelstĂ€ndler; am Ende wĂŒrde sich weniger Wettbewerb auch zu Lasten der Verbraucher auswirken. Mit Sorge sieht der vzbv die Gefahr eines ausschließlichen Preiswettbewerbs und fordert die Wiederbelebung des Wettbewerbs um QualitĂ€t und Service.

Bernhard Taubenberger, Sprecher von Media Markt und Saturn, wies die VorwĂŒrfe gegenĂŒber heise online zurĂŒck. "Die Preise aller Produkte waren in allen Media-MĂ€rkten am Aktionstag um 16 Prozent reduziert und eine systematische Hochzeichnung der Preise hat es im Vorfeld nicht gegeben", versicherte er. Bei bundesweit 197 MĂ€rkten mit je einem durchschnittlichen Sortiment von 30.000 bis 40.000 Produkten sei es aber auch nicht auszuschließen, dass es den vereinzelt Beispiele von Preishochzeichnungen in den letzten Dezembertagen gegeben habe. So sei der Preis eines Camcorders im Media Markt Homborg zwischen dem 28.12. und dem 03.01. von 299 Euro auf 349 Euro gestiegen. "Hintergrund ist, dass das GerĂ€t zu Weihnachten in einer bundesweiten Werbeaktion mit dem niedrigeren Preis beworben worden war. Also wurde der Preis in Homburg fĂŒr die Zeit der Werbung herabgesetzt", sagte Taubenberger. Jeder Kunde, der ein Ă€hnliches Beispiel vorzubringen habe solle sich an seinen örtlichen Media Markt wenden, dann werde es geprĂŒft, versprach er.

Die Sonderaktion hat sich fĂŒr die Media MĂ€rkte zweifelsfrei gelohnt. "Wir hatten volle Zufahrtsstraßen, volle ParkplĂ€tze und volle MĂ€rkte", bilanzierte der Konzernsprecher. (tol [5])


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Links in diesem Artikel:
[1] http://www.vzbv.de/go/
[2] http://www.metrogroup.de/
[3] http://www.mediamarkt.de/
[4] http://www.saturn.de/
[5] mailto:tol@heise.de