Weizenbaum kontra Chat-Kultur
Der Computerwissenschaftler Joseph Weizenbaum hat den Einsatz von digitalen Medien an den Schulen scharf kritisiert.
Der Computerwissenschaftler Joseph Weizenbaum hat den Einsatz von digitalen Medien an den Schulen scharf kritisiert. Dadurch komme es zum Verlust von Sprache und Leitbildern, erklÀrte er im Rahmen einer Veranstaltung des gestern zu Ende gegangenen 29. Evangelischen Kirchentags in Frankfurt. Die "Comic-Sprache" der Chat-Kultur werde auf Dauer festgeschrieben. "Das Internet", so Weizenbaum, "wird das Buch nie ersetzen".
In einem heute erschienenen Interview mit der Basler Zeitung [1] beklagt Weizenbaum, dass Kinder mit ihren Computern mehr Zeit verbringen als mit BĂŒchern. Da baue sich eine Katastrophe auf. Man habe eine ganze Generation von Schulkindern als Versuchstiere rekrutiert. Die allerhöchste PrioritĂ€t mĂŒsse die Sprache haben. Zumindest in den USA sei es gerade die Sprache, die weggeworfen werde. Am Massachusetts Institute of Technology (MIT), einer der fĂŒhrenden UniversitĂ€ten der Welt, könne ein Drittel der Studenten keine Seite Englisch schreiben, ohne grobe Fehler zu machen. Ebenfalls ein Drittel der amerikanischen Jugend könne zwar Comic-Books und StraĂenschilder lesen, verstehe aber eine kleine Stellenanzeige nicht und könne sich erst recht nicht darauf bewerben. Weizenbaum: "Das ist eine Tragödie und eine Katastrophe, die wir aufhalten mĂŒssen. Langsam wird es dafĂŒr zu spĂ€t. Die Zeit lĂ€uft uns davon."
Der in Berlin geborene 77-jÀhrige Computerpionier Joseph Weizenbaum wirkt seit 1963 am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Er arbeitete Ende der 60er Jahre an der Entwicklung des Arpanet mit, dem militÀrischen VorlÀufer des heutigen Internet. (fm [2])
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