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Yahoo: "Es wird Jahre dauern ..."

Daniel AJ Sokolov

Yahoos Chefin Marissa Mayer bat die AktionĂ€re mal wieder um Geduld. Sie setzt fĂŒr das erhoffte Wiedererstarken Yahoos auf fĂŒnf Bereiche: Mobile Dienste; Videos; Tumblr, digitale Zeitschriften; Werbung, die zwischen anderen Inhalten versteckt wird.

Marissa Mayer

Yahoo-Chefin Marissa Mayer bat mal wieder um Geduld: "Es wird Jahre dauern, die Firma zu dem Wachstum zu bringen, das wir gerne hÀtten."

Yahoo hat im vierten Quartal 2013 [1] 1,266 Milliarden US-Dollar umgesetzt, im Gesamtjahr 2013 waren es 4,680 Milliarden. Das ist ein RĂŒckgang von jeweils sechs Prozent im Jahresabstand. Auch nach Abzug der an Partner gezahlten Provisionen (Traffic Acquisition Cost, TAC), bleibt ein UmsatzrĂŒckgang von zwei respektive einem Prozent. Zum Vergleich: 2008 belief sich der Umsatz noch auf mehr als 7,2 Milliarden Dollar.

Der Gewinn aus dem GeschÀftsbetrieb ist im vierten Quartal 2013 um acht Prozent auf 174 Millionen Dollar gefallen. 70 Millionen davon stammen aber aus dem Verkauf von Patenten. Ohne diesen Einmaleffekt wÀre der QuartalsgeschÀftsgewinn fast um die HÀlfte eingebrochen.

FĂŒr das Gesamtjahr weist Yahoo einen GeschĂ€ftsgewinn von 590 Millionen aus, ein Zuwachs von vier Prozent. In diesem Wert sind 80 Millionen aus PatentverkĂ€ufen enthalten. Ohne diesen Erlös hĂ€tte es einen RĂŒckgang von zehn Prozent gesetzt.

Konsequenz: Vor zwei Wochen wurde der erst 15 Monaten zuvor von Google als Chief Operating Officer geholte Henrique De Castro gefeuert. "Henrique hat nicht gepasst, und das ist eine sehr bedauerliche Schlussfolgerung", sagte Yahoo-Chefin Marissa Mayer in einer Konferenzschaltung [2] mit Finanzanalysten am Dienstagabend. Als diese nachhakten, verweigerte sie nĂ€here AuskĂŒnfte: "Aus Respekt fĂŒr Henrique möchte ich die Vergangenheit und seine Leistung lieber nicht kommentieren."

Finanziell dĂŒrfte es sich fĂŒr De Castro gerechnet haben. Equilar, eine auf Managerentlohnung spezialisierte Firma, schĂ€tzt sein GesamtsalĂ€r auf mehr als 109 Millionen Dollar [3] (knapp 80 Millionen Euro). Seine Position wird ĂŒbrigens nicht nachbesetzt.

Yahoos grĂ¶ĂŸter Umsatzbringer ist der Verkauf von Anzeigen. Dieses GeschĂ€ft schrumpft schon lĂ€nger, 2013 konnte Yahoo den RĂŒckgang aber fast stoppen. Das gelang jedoch nur durch deutliche Preissenkungen, sodass der Umsatz dieses Bereichs weiter rĂŒcklĂ€ufig war.

Positiv entwickelt sich hingegen das GeschĂ€ft mit bezahlten Klicks in den von Microsoft gelieferten Suchergebnissen. Der Zuwachs hat den Preisverfall deutlich ĂŒbertroffen. Dieses Segment hat nun schon das achte Quartal in Folge mehr umgesetzt, als jeweils ein Jahr davor.

Sonstige Einnahmequellen legten in den ersten drei Quartalen zu, fielen im vierten Quartal aber wieder hinter den Vorjahresumsatz zurĂŒck. In geographischer Hinsicht konnte sich Yahoo auf den Amerika-Kontinenten stabilisieren. Diese waren im vierten Quartal bereits fĂŒr mehr als drei Viertel des Umsatzes (nach Abzug der TAC) verantwortlich; denn im Rest der Welt geht es fĂŒr das Unternehmen weiter bergab.

Als Reingewinn des vierten Quartals weist Yahoo 348 Millionen Dollar aus, was ein Zuwachs von 29 Prozent ist. Doch dieser Zuwachs stammt fast zur GÀnze aus den Minderheitsbeteiligungen an der Alibaba-Gruppe sowie Yahoo Japan. Diese Firmen haben ihrerseits mehr Geld verdient, was Yahoos Reingewinn gesteigert hat. WÀre deren Gewinn gleich geblieben und hÀtte Yahoo keine Patente verkauft, wÀre der Reingewinn um ein Viertel abgesackt.

FĂŒr das Gesamtjahr 2013 ist die Lage noch schwieriger zu durchschauen. 2013 hat Yahoo netto 1,366 Milliarden Dollar verdient, ein RĂŒckgang von 65 Prozent. Denn 2012 hatte Yahoo in einem komplexen Deal einen Teil seiner Alibaba-Aktien an Alibaba verkauft und daraus unterm Strich 4,3 Milliarden Dollar eingenommen, zuzĂŒglich Zinsen aus dem aufgelaufenen Barvermögen. So ein Geldregen lĂ€sst sich natĂŒrlich nicht wiederholen, auch wenn Yahoo 2012 ein Vielfaches an Steuern zu zahlen hatte.

Ein Vergleich mit 2011, als Yahoo 1,05 Milliarden netto verdient hat, ergibt einen Zuwachs von etwa 360 Millionen Dollar im Abstand von zwei Jahren. Zieht man auch hier die PatentverkÀufe und die besseren Ergebnisse von Alibaba und Yahoo Japan ab, war der Reingewinn 2013 um 185 Millionen oder 18 Prozent niedriger, als 2011.

"Es wird Jahre dauern, die Firma zu dem Wachstum zu bringen, das wir gerne hĂ€tten", bat Marissa Mayer am Dienstagabend wieder einmal um Zeit. Die AktionĂ€re sind das schon gewohnt, die Yahoo-Aktie verlor im nachbörslichen Handel nur 2,4 Prozent an Wert. Mit 37,29 Dollar war sie fast doppelt so teuer wie vor einem Jahr. Diesen Preis hat Yahoo im Laufe des Jahres 2013 aber auch durch AktienrĂŒckkĂ€ufe im Ausmaß von 3,3 Milliarden Dollar gestĂŒtzt.

Eine Prognose fĂŒr das Jahr 2014 gibt es diesmal nicht. BegrĂŒndung: Es sei nicht möglich, den Wendepunkt vorherzusagen. Im laufenden Quartal kommt dieser Wendepunkt jedenfalls nicht; denn fĂŒr dieses Quartal gibt es eine Vorschau, und sie sieht Ă€hnliche UmsĂ€tze wie im ersten Quartal 2013 vor. Das EBITDA (Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen) soll indes deutlich zurĂŒckgehen.

2013 hat Yahoo ĂŒber 30 Produkte eingestampft, nachdem Ende 2012 schon der gesamten Betrieb in Korea eingestellt worden war. Bei schlechten Ergebnissen wird Mayer wohl nicht zögern, weitere Dienste einzustellen. Andererseits hat Yahoo 2013 etwa zwei Dutzend kleinere Unternehmen ĂŒbernommen. Weiter ZukĂ€ufe sind zu erwarten.

Strategisch setzt Mayer auf fĂŒnf Bereiche: Mobile Dienste, die Vermarktung von Videos, das soziale Netzwerk Tumblr, die Produktion digitaler Zeitschriften, und schließlich Werbung, die zwischen anderen Inhalten versteckt wird ("stream-ads"). Besonders froh zeigte sie sich ĂŒber die Verdoppelung des Mobil-Umsatzes. In absoluten Zahlen leistet dieser GeschĂ€ftszweig aber noch keinen nennenswerten Beitrag. (jk [4])


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[1] https://www.heise.de/news/Yahoo-Chefin-Marissa-Mayer-kann-Werbeschwund-nicht-stoppen-2099361.html
[2] http://finance.yahoo.com/topics/yahoo-q4-full-year-2013-earnings
[3] http://www.businessinsider.com/henrique-de-castros-compensation-2014-1
[4] mailto:jk@heise.de