"Computer-Gangster" sollen Superstar-Wahl manipuliert haben

"Chaos bei den Superstars!" Mit dieser Schlagzeile sorgte die Bild-Zeitung heute für Wirbel. Angeblich soll die Publikumswahl des "Superstars" bei RTL manipuliert worden sein.

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Von
  • Holger Bleich

"Chaos bei den Superstars!" Mit diesem Aufmacher hat die Bild-Zeitung heute für Wirbel gesorgt. Angeblich traf bei der Bildzeitung ein "Bekennerschreiben" ein, in dem eine Gruppe namens "Illuminatix Crew" behauptet, die Televoting-Abstimmung zur Sendung Deutschland sucht den Superstar zu ihren Gunsten beeinflusst zu haben. Wer nun genau der Günstling der Manipulation sein könnte, ließen die selbst ernannten Hacker freilich im Dunkeln, genau wie ihre Identität.

In Wahrheit ist dieses "Bekennerschreiben" eine E-Mail, deren Absender nicht mehr ermittelbar ist. Sie wurde, wie etwa beim Versenden von E-Mail-Spam üblich, anonymisiert. Die E-Mail ging bereits am Montag Abend an Sammeladressen verschiedener Medien, so auch an die Online-Redaktion der Bild-Zeitung.

Am vergangenen Samstag Abend war in der RTL-Show zur Publikums-Abstimmung über die Kandidaten aufgerufen worden. Wer abstimmen wollte, konnte eine 0137-T-Vote-Nummer der Deutschen Telekom anrufen. Zur Überraschung vieler Beobachter flog die bisherige Favoritin Gracia aus dem Rennen. Sofort machten Manipulationsvorwürfe die Runde. Genau in diese Kerbe schlug nun auch die E-Mail der angeblichen Illuminaten.

Bisher deutet einiges darauf hin, dass sich hier jemand einen Scherz erlaubt hat, um Aufmerksamkeit zu erregen. Laut der E-Mail könne man "demnächst in einer großen deutschen Computer-Zeitschrift nachlesen", wie die Manipulation technisch ablief. Ein Abdruck der "entsprechenden Unterlagen" sei von besagter Zeitschrift bereits zugesagt.

Die Bild-Zeitung hat dennoch bereits eine Theorie. Ein Computer wähle im Sekundentakt immer die gleiche Televoting-Nummer und sorge so dafür, dass die Leitung für andere Anrufer blockiert sei. So könne "der Computer-Gangster die Quoten eines Teilnehmers beliebig in die Höhe treiben". Zur Untermauerung zitierte die Zeitung heute einen Computer-Bild-Redakteur mit den Worten: "Ja, mit einem so genannten War-Dialer, einem aggressiven Einwählsystem, können Abstimmungen beeinflusst werden."

Im Cracker-Jargon bezeichnet der Begriff "War-Dialer" allerdings eher Software, die automatisch einen großen Block von Telefonnummern nacheinander anruft, um zu prüfen, ob etwa in Firmen-Telefonnetzen an irgendeinem Anschluss ein Modem antwortet -- darüber versuchen Cracker dann, in das Firmennetz einzubrechen. Für eine T-Vote-Manipulation würde aber schon ein simpler Wählautomat, konfiguriert auf Wahlwiederholung, genügen.

Insgesamt scheint ein derartiger Manipulationsversuch unwahrscheinlich. Gemessen an der Gesamtzahl der Beteiligten müssten tausende Wahlwiederholungen ausgelöst werden, um das Gesamtergebnis zu beeinflussen. Das würde dann für die Illuminatixe ziemlich teuer, denn immerhin kostet jede Einwahl 49 Cent. Zudem würde eine solche Wahlwiederholung in Protokolldateien registriert werden.

Im Gespräch mit heise online schloss Telekom-Sprecher Frank Domagala kategorisch aus, dass ein Manipulationsversuch stattgefunden hat. "Wir haben die Einwahlprotokolle überprüft und keine signifikante Häufung von einwählenden Rufnummern festgestellt", erläuterte er -- die Illuminatixe hätten also schon mehrere hundert verschiedene abgehende Rufnummern benutzen müssen, damit deren Wählverhalten nicht auffällt. Außerdem habe die Telekom überprüft, ob irgendein Eingriff ins Telefonnetz der Telekom passiert sei. Auch das könne man mittlerweile definitiv ausschließen. Natürlich sei es für jeden möglich, mehrere Stimmen abzugeben. Domagala wies darauf hin, dass T-Vote-Abstimmungen keinen repräsentativen Charakter hätten und dies auch nie behauptet wurde.

In die gleiche Richtung geht ein Schreiben des Telekom-Sprechers Stephan Broszio, das dieser an RTL schickte. Darin erklärt er: "Eine Beeinflussung von bestimmten Auswahlkennungen zugunsten von anderen ist nicht möglich. Die Anrufe verteilen sich immer im Verhältnis der Anrufversuche zu jeder Kennung, für alle Kennungen steht gemeinsam die Gesamtkapazität zur Verfügung." Dieser Erklärung zufolge muss die angedeutete Methode der "Illuminatix Crew" stark angezweifelt werden. (hob)