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Mehr Dampf fĂŒrs Funknetz

| Dr. Michael Meyer, Dr. Christian Hoymann

Um fĂŒr Anforderungen an die KapazitĂ€t der Mobilfunknetze gerĂŒstet zu sein, entwickeln Hersteller und Netzbetreiber die Netztechniken laufend weiter. LTE Advanced soll die Datenrate in wenigen Jahren auf ĂŒber 1 GBit/s beschleunigen.

Mehr Dampf fĂŒrs Funknetz

Betreiber von Mobilfunknetzen befinden sich in stĂ€ndigem Wettlauf mit immer weiter steigenden AnsprĂŒchen, denn kein noch so leistungsfĂ€higes Netz erfĂŒllt die Anforderungen auf Dauer. Doch die Urheber haben beispielsweise schon UMTS von vornherein so konzipiert, dass es sich in weitem Rahmen erweitern lĂ€sst, etwa mittels HSPA.

Auch die noch junge LTE-Mobilfunktechnik ist so beschaffen, dass sie sich weiterentwickeln lĂ€sst. Das Third Generation Partnership Project (3GPP) hat LTE im Jahr 2008 spezifiziert und weil das Standardisierungsgremium alle seine Spezifikationen nummeriert, heißt die erste fĂŒr LTE definierte „Release 8“. Darauf grĂŒnden die LTE-Netzelemente und -endgerĂ€te, die mittlerweile in Deutschland und anderen LĂ€ndern auf den Markt kommen.

LTE unterscheidet sich von UMTS erheblich. FĂŒr den Nutzer am ehesten spĂŒrbar sind die höheren Datenraten und die kĂŒrzeren Signallaufzeiten. Die Laufzeiten auf der Strecke vom Teilnehmer zur Basisstation sind derart gering, dass je nach Netztopologie Ende-zu-Ende-Antwortzeiten von 20 bis 30 ms erreichbar sind. LTE eignet sich daher noch besser als UMTS mit HSPA+ fĂŒr zeitlich anspruchsvolle Anwendungen wie Echtzeitspiele. Und mit der oft verwendeten Konfiguration von je zwei Sende- und Empfangsantennen lassen sich bei guter SignalqualitĂ€t auf IP-Ebene in der Spitze rund 170 MBit/s zum Teilnehmer ĂŒbertragen. Grundlagen und erste Erfahrungen zur aktuell in Deutschland eingesetzten Technik haben wir beschrieben [1, 2].

Auf dieser Basis setzt nun die kĂŒrzlich fertiggestellte Spezifikation „LTE Release 10“ auf. Ausgangspunkt der Entwicklung war der Anforderungskatalog der ITU fĂŒr eine 4G-Mobilfunktechnologie.

Jeder Mobilfunkstandard der vierten Generation (4G) muss diese Anforderungen erfĂŒllen (siehe Tabelle). Neben diesen hat das 3GPP allerdings auch noch eigene, teilweise erheblich höhere Anforderungen. Der Katalog ist auch unter dem Arbeitstitel „IMT-Advanced“ bekannt (International Mobile Telecommunications – Advanced). Davon abgeleitet wird „LTE Release 10“ hĂ€ufig auch als LTE-Advanced bezeichnet.

Anforderungen an LTE-Advanced
ITU 3GPP
Spitzendatenraten - Downlink 1 GBit/s, Uplink 500 MBit/s
Spektrale Bandbreite 40 MHz bis zu 100 MHz
Nutzdatenlatenz 10 ms 10 ms
Kontrolllatenz 100 ms 50 ms
Spektrale Effizienz
Downlink 15 Bit/s/Hz 30 Bit/s/Hz
Uplink 6,75 Bit/s/Hz 15 Bit/s/Hz

Im Zentrum der Anstrengungen stand, LTE zu einer Gigabit-Technologie zu entwickeln. In Empfangsrichtung, also vom Netz zum Teilnehmer (Downlink), sollte LTE Advanced Spitzenraten ĂŒber 1 GBit/s liefern, in Senderichtung (Uplink) mehr als 500 MBit/s. Zwei weitere Eckwerte zeigen zugleich auf, ĂŒber welche technischen Mittel diese Spitzenraten erreicht werden sollten – ĂŒber grĂ¶ĂŸere spektrale Bandbreite und erhöhte spektrale Effizienz. Die Zielwerte sollte Release 10 mit einer Funkbandbreite von 100 MHz und einer spektralen Effizienz von 30 Bit/s/Hz im Downlink sowie 15 Bit/s/Hz im Uplink erreichen.

Hingegen wurden die Latenzanforderungen gegenĂŒber LTE Release 8 nicht weiter erhöht; sie liegen ohnehin im Bereich, den die ITU fordert. Allerdings achtete das 3GPP sehr darauf, die Erweiterungen abwĂ€rtskompatibel umzusetzen, denn nur so können bereits im Markt befindliche EndgerĂ€te, die gemĂ€ĂŸ Release 8 gebaut sind, weiter betrieben werden.

Das 3GPP hat verschiedene Verfahren geprĂŒft, um diese Anforderungen zu erfĂŒllen. Es blieben letzlich vier Erweiterungen ĂŒbrig, die man fĂŒr LTE Release 10 herangezogen hat: die TrĂ€gerbĂŒndelung, erweiterte Mehrantennenkonzepte, Relay-Verfahren sowie umfassende Techniken fĂŒr den Betrieb von heterogenen Netzen. Letzteres gewĂ€hrleistet, dass Basisstationen mit großer und mit kleiner Sendeleistung weitgehend reibungslos nebeneinander arbeiten. Alle vier Punkte erlĂ€utern wir im Folgenden ausfĂŒhrlich.

LTE Release 8 nagelt die Breite der TrĂ€ger auf maximal 20 MHz fest. Um die GerĂ€te, die gemĂ€ĂŸ Release 8 arbeiten, nicht abzuhĂ€ngen, durfte Release 10 also nicht die Breite eines einzelnen TrĂ€gers einfach auf 100 MHz erhöhen. Stattdessen erreicht Release 10 die Vorgabe ĂŒber die BĂŒndelung von bis zu fĂŒnf 20-MHz-TrĂ€gern. Sie werden als KomponententrĂ€ger bezeichnet. Weil die Datenrate im gewĂ€hlten Umfeld aus Modulation, Protokollen und Systemkonstanten mit der Bandbreite annĂ€hernd linear zunimmt, lĂ€sst sich so die Datenrate etwa auf 1 GBit/s verfĂŒnffachen.

LTE-GerĂ€te, die gemĂ€ĂŸ Release 10 funken, können zwei bis fĂŒnf TrĂ€ger bĂŒndeln, und zwar nicht nur, wenn sie im selben Band spektral getrennt sind, sondern selbst dann, wenn sie in verschiedenen BĂ€ndern liegen.

LTE-GerĂ€te, die gemĂ€ĂŸ Release 10 funken, können zwei bis fĂŒnf TrĂ€ger bĂŒndeln, und zwar nicht nur, wenn sie im selben Band spektral getrennt sind, sondern selbst dann, wenn sie in verschiedenen BĂ€ndern liegen.

Die TrĂ€gerbĂŒndelung wurde fĂŒr verschiedene Frequenzszenarien spezifiziert. Im einfachsten Fall lassen sich benachbarte TrĂ€ger innerhalb eines Frequenzbands bĂŒndeln. Man kann jedoch auch TrĂ€ger bĂŒndeln, die spektral getrennt im gleichen oder sogar in verschiedenen BĂ€ndern liegen.

Letzteres ist aufgrund der gegenwĂ€rtigen Frequenzzuteilungen fĂŒr die deutschen Netzbetreiber besonders nĂŒtzlich, weil sie typischerweise Frequenzen in den drei BĂ€ndern bei 800 MHz, 2 GHz und 2,6 GHz erstanden haben. So kann man zum Beispiel ein fragmentiertes Spektrum von 10 MHz im 800-MHz-Band und 20 MHz im 2,6-GHz-Band zu insgesamt 30 MHz zusammenfassen. Der Netzbetreiber verfĂŒgt also weiterhin ĂŒber dieselben FunkbĂ€nder, kann Kunden aber erheblich höhere Datenraten anbieten als ohne die BĂŒndelung. Weltweit sind jedoch weit mehr und auch komplexere Bandkombinationen gebrĂ€uchlich. Um die Spezifikation und die Technik ĂŒbersichtlich zu halten, hat das 3GPP aber nicht sĂ€mtliche Variationen berĂŒcksichtigt, sondern nur die wichtigsten.

Ein netzseitig betriebener Scheduler verteilt bei LTE die Daten auf die KomponententrÀger in den BÀndern A und B und legt dabei die Modulations- und Kodierstufe, die Antennenkonstellation und die OFDM-Ressourcen fest.

Ein netzseitig betriebener Scheduler verteilt bei LTE die Daten auf die KomponententrÀger in den BÀndern A und B und legt dabei die Modulations- und Kodierstufe, die Antennenkonstellation und die OFDM-Ressourcen fest.

Bei der TrĂ€gerbĂŒndelung wird jeder einzelne KomponententrĂ€ger wie in Release 8 betrieben, sodass LTE-EndgerĂ€te der ersten Generation keinen Unterschied merken. Um den Energieverbrauch und auch die KomplexitĂ€t in ökonomischen Grenzen zu halten, spezifiziert Release 10 einen primĂ€ren KomponententrĂ€ger, den jedes EndgerĂ€t verfolgt. Sollte nun wĂ€hrend der Verbindung der Bedarf an Datenrate zunehmen, können bereits zuvor konfigurierte sekundĂ€re KomponententrĂ€ger dynamisch hinzugeschaltet werden. DafĂŒr setzt 3GPP eine schnelle Signalisierung ein, die auf der Medium Access Control Protokollschicht (MAC-Schicht) beruht. So lĂ€sst sich ein sekundĂ€rer KomponententrĂ€ger in wenigen Millisekunden aktivieren.

Wie im Bild dargestellt, können Datenströme flexibel auf die zur VerfĂŒgung stehenden KomponententrĂ€ger verteilt werden. FĂŒr jeden KomponententrĂ€ger ist eine MAC-Instanz zustĂ€ndig. Ein netzseitig betriebener, zentraler Scheduler trifft basierend auf PufferfĂŒllstĂ€nden, KanalzustĂ€nden und QoS-Parametern die Entscheidung, welche und wie viele Daten ĂŒbertragen werden. DafĂŒr legt er die Modulations- und Kodierstufe, die Antennenkonstellation und die OFDM-Resourcen fest [1]. Letztlich verteilt also der Scheduler die Daten auf die KomponententrĂ€ger.

Entsprechend dieser Entscheidung stellt der Radio Link Control Layer (RLC) die Daten den einzelnen MAC-Instanzen zur VerfĂŒgung. Im EmpfĂ€nger lĂ€uft der Prozess analog zum Sender, nur umgekehrt: Korrekt empfangene Daten fließen vom MAC-Layer zu den entsprechenden RLC-Instanzen, die sie zusammenfassen und an die nĂ€chste Protokollschicht hinaufreichen. Daten, die der MAC-Layer trotz Fehlerkorrektur (HARQ) nicht korrekt ĂŒbergeben kann, werden mittels des ARQ-Protokolls im RLC-Layer erneut angefordert, bis sie schliesslich ebenfalls korrekt vorliegen.

Im Normalfall werden Kontrolldaten auf dem gleichem TrĂ€ger wie die Nutzdaten versendet. Es ist jedoch auch ein Cross-Carrier-Betrieb möglich, bei dem Kontrolldaten auf einem separaten TrĂ€ger versendet werden. Die Anzahl der KomponententrĂ€ger lĂ€sst sich fĂŒr den Uplink und den Downlink getrennt konfigurieren.

Der Cross-Carrier-Betrieb kann nĂŒtzlich sein, wenn der Netzbetreiber gezwungen ist, die Nutzdaten in einem nur mĂ€ĂŸig geeigneten Teil des Spektrums zu ĂŒbertragen. Wenn wenigstens die Signalisierung in einem robusten Teil des Spektrums ablĂ€uft, steigt unterm Strich die ZuverlĂ€ssigkeit der Verbindung. Ein solches Szenario kann man sich fĂŒr den 2,6-GHz-Bereich und den 800-MHz-Bereich vorstellen. Dabei könnten Kontrolldaten ausschließlich im robusten 800-MHz-Band ĂŒbertragen werden, Nutzdaten jedoch in beiden BĂ€ndern.

Schon in der ersten LTE-Version stellte die Mehrantennentechnik ein Kernelement zur Erhöhung der Übertragungrate dar. Damit lĂ€sst sich zum Beispiel das Beamforming nutzen, also das Mobilfunksignal gezielt in Richtung des empfangenen EndgerĂ€tes bĂŒndeln. Alternativ dazu kann AntennendiversitĂ€t eingesetzt werden, bei der der Sender jedes modulierte Symbol doppelt ĂŒbertrĂ€gt. Jede Version wird dabei anders phasengewichtet und der EmpfĂ€nger empfĂ€ngt so verschiedene Versionen. Durch nachgeschaltete Signalverarbeitung lĂ€sst sich dann das Optimum aus dem Signalgemisch herausholen und die Robustheit der Übertragung steigern.

Daneben besteht die Möglichkeit, die Antennen zu nutzen, um mit Hilfe des rÀumlichen Vielfachzugriffs MIMO (Multiple Input Multiple Output) mehrere rÀumlich getrennte Signale gleichzeitig zu senden. Dadurch lÀsst sich die Datenrate drastisch erhöhen. Die Signale können dabei zu einem (Single-User MIMO) oder zu mehreren EndgerÀten (Multi-User MIMO) gesendet werden. Release 8 spezifiziert bis zu vier Sendeantennen an der Basisstation, mit denen im rÀumlichen Vielfachzugriff bis zu vier Mobilfunksignale zu einem einzelnen EndgerÀt gesendet werden können.

Anders als LTE Release 8 nutzt Release 10 die MIMO-Technik aber auch im Uplink, also vom Teilnehmer zur Basisstation. KĂŒnftige EndgerĂ€te wie Mobilfunk-Router oder Laptops können also mit bis zu vier LTE-Sendeantennen ausgestattet werden und bis zu vier Datenströme gleichzeitig senden, wĂ€hrend aktuelle LTE-GerĂ€te mit nur einer Antenne lediglich einen Stream senden.

Das technische Potenzial dieses Verfahrens zeigte Ericsson auf dem Mobile World Congress 2010 in Barcelona. Damals gelang dem Netzwerkzulieferer weltweit erstmals eine Übertragungsgeschwindigkeit von 1 GBit/s ĂŒber LTE. Entsprechend spezifiziert Release 10 nun Basisstationen mit bis zu acht Sendeantennen. Damit lassen sich bis zu acht Datenströme (spatial Streams) gleichzeitig senden.

Vorausgesetzt, die Funkbedingungen erlauben diese Betriebsmodi, verdoppelt LTE Release 10 also die Spitzendatenrate auf der Downstream-Strecke und vervierfacht sie auf der Upstream-Strecke. Die TrĂ€gerbĂŒndelung und die erweiterten MIMO-Konzepte verhelfen LTE dazu, 1 GBit/s im Downlink und 500 MBit/s im Uplink zu ĂŒbertragen.

Weit wichtiger als neue Höchstgeschwindigkeiten unter Optimalbedingungen ist fĂŒr den Endnutzer allerdings eine gute Leistung unter regulĂ€ren Bedingungen. Erste Maßnahmen dafĂŒr nutzt bereits LTE Release 8, indem es hohe Datenraten auch am Zellrand liefert und die Abdeckung der Mobilfunknetze generell verbessert. Release 10 fĂŒhrt diese Bestrebungen mit zwei weiteren ErgĂ€nzungen fort.

Um die Netzabdeckung an ZellrÀndern oder in Abschattungsgebieten zu verbessern, wurde ein netzseitiges Relay-Verfahren spezifiziert. Dabei bildet eine Relay-Station einen Netzknoten, der ein Mobilfunksignal des Senders empfÀngt, dekodiert und in verbesserter QualitÀt zum EmpfÀnger weiterschickt.

Mit Funk-Relays lĂ€sst sich die Reichweite von Basisstationen einfach erhöhen. Anders als Basisstationen mĂŒssen die Zwischenstationen nĂ€mlich nicht aufwendig per Kabel oder per Richtfunk an das Kernnetz angekoppelt werden.

Mit Funk-Relays lĂ€sst sich die Reichweite von Basisstationen einfach erhöhen. Anders als Basisstationen mĂŒssen die Zwischenstationen nĂ€mlich nicht aufwendig per Kabel oder per Richtfunk an das Kernnetz angekoppelt werden.

Mit solchen Zwischenstationen lĂ€sst sich die Reichweite von Basisstationen deutlich erhöhen und damit die Netzdeckung einfach verbessern – denn anders als die Basisstationen mĂŒssen die Zwischenstationen nicht aufwendig per Kabel oder per Richtfunk an das Kernnetz angekoppelt werden; es genĂŒgt, sie mit guter Anbindung zur Basisstation aufzustellen.

Relay-Stationen lassen sich aber auch innerhalb des Abdeckungsbereichs einer Basisstation aufstellen. Dadurch lÀsst sich die QualitÀt der Versorgung steigern. Um das Potenzial von Relay-Stationen auszuschöpfen, muss der Netzplaner solche Stationen dichter an die zu versorgenden EndgerÀte platzieren. Zugleich sollte die Funkverbindung zur Basisstation sehr gut sein und die versorgende Basisstation muss KonnektivitÀt zu herkömmlichen Terminals bieten.

TeilnehmergerĂ€te kommunizieren mit der nur mittelbar erreichbaren Basisstation wie gewöhnlich – bis darauf, dass bei dieser vermittelten Kommunikation die Signallaufzeiten geringfĂŒgig zunehmen. Die Vermittlung bringt aber eine bessere Anbindung im Vergleich zur direkten Verbindung mit der Basisstation.

LTE Release 10 spezifiziert Relay-Stationen sowohl auf der AufwÀrtsstrecke als auch auf der AbwÀrtsstrecke zwischen Basisstationen und EndgerÀten. Aus Sicht eines EndgerÀtes ist das Relay unsichtbar. Es versorgt jedoch wie eine normale Basisstation seine eigene Zelle, in der die LTE-Funkstandards unverÀndert eingesetzt werden. Im Prinzip stellt eine Relay-Station also eine Basisstation dar, die drahtlos per LTE am Mobilfunk-Kernnetz angekoppelt ist.

Relay und Basisstation kommunizieren ebenfalls per LTE miteinander. Dabei lassen sich zwei Arten unterscheiden: Outband-Relaying und Inband-Relaying.

Das Inband-Relay kommuniziert mit der Basisstation ĂŒber den gleichen TrĂ€ger wie mit EndgerĂ€ten. Dabei verhindert ein Zeitmultiplexverfahren wechselseitige Störungen. Deshalb schaltet das Relay stĂ€ndig zwischen Sende- und Empfangsbetrieb hin und her – zuerst empfĂ€ngt es auf der AbwĂ€rtsstrecke Daten von der Basisstation und dann sendet es diese zum EndgerĂ€t weiter. Ebenso alternierend arbeitet es auf der AufwĂ€rtsstrecke.

Das Zeitmultiplexverfahren zog einige Modifikationen des LTE-Funkstandards nach sich, die allerdings nur Basis- und Relay-Stationen betreffen. Zum Beispiel mĂŒssen Kontrolldaten auf einem eigenen Kanal gesendet und Schutzzeiten zum Umschalten zwischen dem Sende- und Empfangsbetrieb eingehalten werden.

Wenn eine Basisstation mit der Relay-Station ĂŒber einen separaten TrĂ€ger kommuniziert, spricht man vom Outband-Relaying. Die Relay-Station benutzt dann einen weiteren TrĂ€ger zur Kommunikation mit den EndgerĂ€ten. Unterschiedliche Frequenzen auf den beiden Übertragungsstrecken verhindern wechselseitige Störungen. Außerdem sind die Übertragungen voneinander unabhĂ€ngig und das Relay sendet und empfĂ€ngt gleichzeitig. Wegen der doppelten Ausstrahlung ist die Latenz aber auch bei diesem Verfahren leicht erhöht gegenĂŒber der Relay-losen Übertragung. Ein Vorteil dieses Ansatzes ist jedoch, dass der LTE-Funkstandard beim Outband-Relaying zwischen Basis- und Relay-Stationen unverĂ€ndert eingesetzt werden kann.

Es ist abzusehen, dass das Datenvolumen in mobilen Breitbandnetzen noch weiter zunehmen wird. Um Datenstau zu vermeiden, muss die KapazitĂ€t der Netze also weiter erhöht werden. Das geht eigentlich sehr effektiv, indem man Mobilfunkzellen etwas dichter aufstellt. Jedoch verteilen sich EndgerĂ€te oft nicht gleichmĂ€ĂŸig auf die abgedeckte FlĂ€che. In CafĂ©s oder Bahnhöfen konzentrieren sich oft sehr viele Nutzer, die gleichzeitig auf engem Raum auf mobile Breitbanddienste zugreifen. An solchen Orten kann es sinnvoll sein, Basisstationen aufzustellen, die mit einer vergleichsweise geringen Sendeleistung nur diese stark frequentierten Bereiche versorgen.

Wird ein Mobilfunknetz mit Netzelementen verdichtet, die mit geringerer Leistung senden als konventionelle Basisstationen, so erhÀlt man einen Verbund von Makro-, Pico- und Femtozellen (siehe Bild). Eine solche Infrastruktur wird als heterogenes Netz bezeichnet.

Ein Mobilfunknetz, das Basisstationen mit unterschiedlicher Sendeleistung kombiniert, wird als heterogenes Netz bezeichnet. Damit es eine höhere KapazitÀt liefert als ein homogenes Netz, bedarf es spezieller Tricks.

Ein Mobilfunknetz, das Basisstationen mit unterschiedlicher Sendeleistung kombiniert, wird als heterogenes Netz bezeichnet. Damit es eine höhere KapazitÀt liefert als ein homogenes Netz, bedarf es spezieller Tricks.

Konventionelle Makro-Basisstationen senden mit bis zu 40 W Leistung, Pico-Basisstationen senden mit nur wenigen Watt. Die Femto-Basisstationen, die der Teilnehmer Àhnlich wie WLAN-Router selbst aufstellt und dessen Zugriffsrechte er auch selbst konfiguriert, senden mit noch geringerer Leistung; die Anbindung erfolgt via DSL [3].

Man kann ein Netz aber nicht beliebig verdichten, weil mit Zunahme der Zellen auch die gegenseitigen Störungen durch Signalinterferenzen zunehmen. Dagegen helfen verschiedene Strategien. Eine der einfachsten besteht darin, potenziell störende Zellen in separaten FrequenzbĂ€ndern zu betreiben. Die sind jedoch nicht beliebig verfĂŒgbar.

Eine elegantere Methode nutzt zwei Effekte, die der geringeren Sendeleistung von Pico- oder Femto-Zellen geschuldet sind: Die kleinen Stationen stellt man so auf, dass sie gerade den von den Nutzern verwendeten Bereich besser ausleuchten als eine laut sendende, aber zu weit entfernte Makro-Station. Außerdem nutzt man aus, dass die Störreichweite geringer ausfĂ€llt und kann so dieselbe Frequenz auf gleicher FlĂ€che hĂ€ufiger verwenden.

Allerdings lassen sich so nicht alle Störungen zwischen den Knoten vermeiden, sodass man bei GSM- und UMTS-Netzen schnell an die Grenzen dieser zweiten Methode stĂ¶ĂŸt.

Die sind bei LTE jedoch nicht so eng, denn mittels der OFDM-Technik lĂ€sst sich die Funkressource ĂŒber UntertrĂ€ger fein granulieren. So kann man die Signale von benachbarten Zellen in Frequenz oder Zeit voneinander trennen. Beispielsweise kann eine potenziell störende Basisstation solche UntertrĂ€ger meiden, ĂŒber die in einer Nachbarzelle kritische Informationen ĂŒbertragen werden. Solche FĂ€lle berĂŒcksichtigt eine durchdachte Netzplanung, indem sie den Betrieb solcher Basisstationen koordiniert.

Daneben mĂŒssen die Netzplaner berĂŒcksichtigen, dass bei heterogenen Netzen der Algorithmus fĂŒr den netzseitig ausgelösten Zellenwechsel eines Handys (Handover) in die Irre gefĂŒhrt werden kann. Um eine gute Verbindung zu gewĂ€hrleisten, versucht das Handy nĂ€mlich grundsĂ€tzlich den Kontakt zu der Basisstation zu halten, die von ihm aus gesehen am besten erreichbar ist. In einem homogenen Netz aus Makrozellen ist das in der Regel die örtlich nĂ€chste und das Netz löst den Handover aufgrund der vom Handy rĂŒckgemeldeten Empfangspegel etwa in der Mitte zwischen zwei Makro-Stationen aus.

Wenn sich das Handy nun aus der Pico-Zelle herausbewegt und dabei ein starkes Signal einer Makro-Zelle empfĂ€ngt, erscheint die Makro-Zelle viel attraktiver und das Netz neigt dazu, das Handover zu frĂŒh auszulösen. Das möchten Netzplaner verhindern, weil dadurch die wirksame FlĂ€chendeckung der Pico-Zelle schrumpft und ihre KapazitĂ€t brachliegt. Das lĂ€sst sich einfach unterbinden, indem man fĂŒr das Handover der Pico-Zellen einen Offset festlegt, der die Pico-Zelle scheinbar grĂ¶ĂŸer macht.

ZusĂ€tzlich greift die Netzplanung gezielt in das Funkressourcen-Management ein, um die starke Störstrahlung der Makro-Zelle zu dĂ€mpfen – beispielsweise, indem sie die UntertrĂ€geraufteilung anpasst. Unterm Strich hĂ€lt das Netz die Teilnehmer so lĂ€nger in der Pico-Zelle, entlastet die Makro-Station und erhöht die GesamtkapazitĂ€t.

Die erste LTE-Version, auf der die in Deutschland im Aufbau befindliche Netztechnologie basiert, stellt bereits eine sehr gute Alternative zu drahtgebundenen BreitbandzugĂ€ngen dar. Um fĂŒr kommende Anforderungen gerĂŒstet zu sein, planen NetzwerkausrĂŒster, EndgerĂ€te-Hersteller und Netzbetreiber aber bereits jetzt mit der Gigabit-Technik LTE Release 10. Sie dĂŒrfte im Laufe der nĂ€chsten Jahre in den Mobilfunknetzen Einzug halten.

Die Entwicklung ist mit Release 10 allerdings noch lĂ€ngst nicht zuende; der Standardisierungsprozess geht laufend weiter. Inzwischen tĂŒfteln Spezialisten LTE Release 11 aus. Auch diese LTE-Version wird wieder zahlreiche Verbesserungen enthalten. Ersten Anzeichen nach wird es noch intensiver um heterogene Netze und kooperierende Basisstationen gehen – also um Verfahren, die die Datenraten unter mĂ€ĂŸigen Sende- und Empfangsbedingungen noch weiter verbessern.

Dr. Michael Meyer und Dr. Christian Hoymann sind im Bereich Forschung bei Ericsson tÀtig.

  1. Dr. Michael Meyer, Breitband-Mobilfunk [1], LTE setzt neue MaßstĂ€be, heise mobil 2011
  2. Urs Mansmann, Das Ende der weißen Flecken, FlĂ€chendeckend schnelle Internet-ZugĂ€nge per LTE, c’t 13/11, S. 116
  3. Philipp Thier, Arbeitsteilung [2], Wie Femto-Zellen die Mobilfunknetzabdeckung verbessern, heise mobil 2011

(dz [3])


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/ratgeber/LTE-setzt-neue-Massstaebe-1901601.html
[2] https://www.heise.de/ratgeber/Wie-Femto-Zellen-die-Mobilfunknetzabdeckung-verbessern-1901381.html
[3] mailto:dz@ct.de