Vertrauenssache
Besser informiert mit Wertpapieren handeln
Investiert man in Eigenregie Geld in Wertpapiere, braucht man eine solide Wissensgrundlage. Dafür gibt es online gute Quellen. Unsere Übersicht hilft, sicher an der Börse zu handeln, Fallstricke zu vermeiden und unseriöse Absichten zu erkennen.
Private Investitionen in Aktien und Fonds erleben derzeit einen Boom. Das kommt nicht von ungefähr: Mit Wertpapieren kann man auf lange Sicht erheblich mehr Rendite erzielen als mit den derzeitigen Niedrig- oder gar Minuszinsen auf Sparbücher, Tagesgeld- und Festgeldkonten. Die Online-Angebote insbesondere von Direktbanken und auf den Wertpapierhandel spezialisierten sogenannten „Neobrokern“ haben Einstieg und Handel deutlich vereinfacht. Sie bieten Depots und Orders auch meist zu deutlich niedrigeren Entgelten an als klassische Filialbanken. Nicht zuletzt hatten viele Menschen während der Corona-Pandemie Zeit (und bei reduziertem Konsum genug Überschüsse), um sich mit dem Thema Geldanlage intensiver auseinanderzusetzen.
Dabei zeigt sich: Die historischen Wachstumsraten von Aktienindizes wie DAX oder Dow Jones vor Inflation und Steuern liegen zwischen sechs bis über zehn Prozent pro Jahr, wenn man Zeiträume zwischen zehn und zwanzig Jahren betrachtet. Doch wo solche satten Gewinne locken, drohen auch Risiken. Gute Information hilft, letztere zu verkleinern. Folgt man schlechtem Rat, kann das finanziell verheerende Konsequenzen haben. Das Netz ist voll von beidem. Unser Überblick gibt eine erste Orientierung.
Zinseszins nutzen
Geldvermehrung fängt mit den einfachen Dingen an. Die genannten sechs bis zehn Prozent pro Jahr übertreffen bereits für sich genommen die Verzinsung klassischer Sparprodukte deutlich. Doch solche Zinsen spielen erst über den Zinseszinseffekt ihre wahre Stärke aus. Bei Anlagen in Aktien oder Fonds – einschließlich der börsengehandelten, passiv verwalteten Indexfonds (ETF, „Exchange Traded Funds“) – bedeutet das, dass man erzielte Erträge auch wieder investieren sollte. Bei ETFs wählt man daher am besten solche aus, die Erträge wieder anlegen („thesaurierend“) und eine niedrige Kostenquote („TER“, „Total Expense Ratio“) haben.
Je höher das Anfangskapital und der Zinssatz, umso schneller wirkt sich der Effekt auf Anlagen aus. Mit der Seite Zinsen-berechnen.de kann man Beispiele mit selbst gewählten Variablen wie Laufzeit oder Kurszuwachs durchgehen und bekommt ein Gefühl für die Entwicklung über unterschiedlich lange Zeiträume. Nutzt man dafür die oben genannten historischen Wachstumsraten als Grundlage, bekommt man eine weitere Hilfestellung, um Finanzangebote sachlich zu bewerten.
Doch Vorsicht: Höhere Zinssätze gehen allgemein mit höherem Risiko einher. Finanzanlagen, die weniger Ertrag bieten, sollten also sicherer sein als die Anlage in einen Index. Dass das in vielen Fällen nicht so ist, können Sie leicht bei Ihrer Bank überprüfen: An vielen Fonds und Hybridangeboten wie Zertifikaten – also Schuldverschreibungen, deren Wertentwicklung abhängig von der Wertentwicklung anderer Finanzprodukte ist – in Kombination mit Festgeld oder ähnlichen Komponenten verdient vor allem der Finanzberater. Auf der anderen Seite sollten Sie natürlich umso skeptischer sein, wenn Ihnen höhere Erträge in Aussicht gestellt werden. Solche Angebote sollten Sie sehr genau prüfen. „Historische“ Belege über zwölf Monate sind dabei keine Seltenheit, der Anbieter sucht sich hier meist einen passenden Zeitraum aus. Nachhaltig sind diese Ertragswerte aber zumeist nicht.
Ähnlich ist die Sache bei Dividenden gelagert. Je höher die Dividende, desto größer im Allgemeinen das Risiko. Dividenden in Höhe von zehn Prozent oder mehr kommen oft zustande, weil der Firmenwert aus gutem Grund stark gesunken ist. So etwas ist oft ein Hinweis darauf, dass das Dividendenversprechen in Zukunft vielleicht nicht mehr gehalten werden kann. Eine gesunde Dividende, die wieder angelegt wird, ist aber Grundlage für den Zinseszinseffekt, wenn man in Einzelwerte investiert.
Portfolioentwicklung simulieren
Wie sich einzelne Werte und Kombinationen in der Vergangenheit geschlagen haben, kann man zum Beispiel mithilfe des kostenlosen englischsprachigen Portfolio Visualizer überprüfen. Solche „Backtest“ genannten Rückblicke bieten die Depotbanken üblicherweise nicht an. Ihre Chart-Tools visualisieren zwar die Entwicklung, das aber nur für Einzelwerte und ohne wichtige Zusatzinfos. Dazu zählt etwa die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate über einen gewählten Zeitraum und unter Berücksichtigung des Zinseszinses („CAGR“, „Compound Annual Growth Rate“). Aufschlussreich sind auch der maximale Verlust während der betrachteten Laufzeit („Max. Drawdown“) und die Sharpe-Ratio. Letztere spiegelt das Rendite/Risiko-Profil der Anlage wider.
Portfolio Visualizer gibt zudem die Korrelation zum Dow Jones mit Werten von 0 bis 1 an. Der sehr niedrige Wert für den Gold-Preis (0,05) erklärt schnell, warum Experten oft eine Beimischung des Edelmetalls als antizyklische Komponente für Depots empfehlen: 0 wäre ein komplett entgegengesetzter Verlauf, 1 vollständige Korrelation. Der Clou am Portfolio Visualizer ist aber, dass diese Werte für ganze Modellportfolios kombiniert werden können. Mit ein wenig Handarbeit kann man sich so ein Portfolio zusammenstellen, das den gewünschten Größenordnungen bei Rendite und Volatilität nahe kommt. Außerdem gibt die Seite eine jahresweise Übersicht über erzielte Geldzuflüsse wie Dividendenzahlungen aus. Abhängig von der persönlichen Situation kann es ja auch durchaus sinnvoll sein, sich diese auszahlen zu lassen, anstatt sie in den Zinseszinseffekt zu reinvestieren.
Leider kennt der Portfolio Visualizer nur eine begrenzte Wertpapiermenge, die insbesondere viele ETFs und europäische Fonds außen vor lässt. Eine Alternative für ETFs ist das englischsprachige Backtest des belgischen Start-ups Curvo. Hier kann man sich im Browser auch den kürzesten Anlagehorizont berechnen lassen, der für alle Zeitperioden im Gewinn lag. Interessant ist zudem die Berechnung der optimalen Portfolio-Zusammenstellung („Efficient Frontier“). Damit das Tool verlässliche Ergebnisse liefert, sollte man als Startdatum das Jahr wählen, in dem der letzte Portfoliobestandteil auf den Markt kam („Inception Date“). Aber Achtung: Da die meisten ETFs relativ jung sind, haben Backtests nur sehr begrenzte Aussagekraft über Marktphasen hinweg.
Allgemein gilt zudem, dass Backtests immer nur Hinweise auf vergangene Szenarien liefern. Sie sind daher keine Garantie für die Zukunft. Insbesondere sollte man dies dann beherzigen, wenn es um komplizierte Anlagestrategien mit diversen Signalgebern geht: Solche Signale können beispielsweise bestimmte Konstellationen der Aktien-, Renten- und Rohstoffmärkte sein. Diese haben einen natürlichen Bias, weil sie auf Grundlage historischer Daten erstellt werden. Daher können sie in der Zukunft auch kläglich scheitern, weil ein Großteil des Marktes – auf dem sich viele schlaue Teilnehmer herumtreiben – darauf reagiert.
Kennzahlen und Termine
Wem einzelne Indizes als Anlageinstrumente zu langweilig sind oder wer beharrlich eine Überrendite anstrebt, der nimmt die Auswahl von Wertpapieren in eigene Hände. An der Stelle sei noch einmal darauf hingewiesen, dass dies nicht so einfach und erfolgversprechend ist, wie es klingt. Simulationen mit Zufallskäufen haben gezeigt, dass dieses Prinzip in der Wertpapierauswahl meist deutlich erfolgreicher war als informierte Entscheidungen.
Trotzdem gibt es Erfahrungswerte bei Aktien, an die sich Investoren halten können. Die Chart-Analyse (Chart: grafische Darstellung des Kursverlaufs über einen bestimmten Zeitraum) etwa funktioniert rein auf Handelsmustern und Indikatoren, die wertvolle Ein- und Ausstiegssignale geben können. Wenn eine Aktie einen verlässlichen Boden – also den niedrigsten Stand nach einem bedeutenden Kursverlust – im Chart ausgebildet hat, dann ist ein Investment meist mit geringem Risiko behaftet.
Ähnliches gilt, wenn der kurzfristige gleitende Durchschnitt den langfristigen von unten schneidet, sprich: der 20- oder 50-Tage-Durchschnittskurs den über 200 Tage. Auch Finanzkennzahlen liefern wertvolle Anhaltspunkte. Value-Investoren, die stärker auf den realwirtschaftlichen Gegenwert ihrer Anlage achten, benutzen dazu beispielsweise oft den freien Cashflow (FCF), den Buchwert oder das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) im historischen Vergleich. Haben sich diese gut entwickelt, prüfen sie einen Einstieg.
KGV-Werte und Charts stellt üblicherweise die Depotbank zur Verfügung. Ansehnliche kostenlose Übersichten bieten unter anderem die Comdirect (unter „Informer“, auch für Nicht-Kunden) und Onvista sowie Yahoo Finance (für Werte, die an den US-amerikanischen Börsen gehandelt werden). Dazu sucht man einfach nach dem gewünschten Wert. Fastgraphs oder YCharts (beide englischsprachig) bieten die kostenlose Nutzung hingegen nur für einen Testzeitraum und mit eingeschränktem Funktionsumfang, danach erheben sie eine monatliche Gebühr. Sie glänzen dafür aber mit gut aufbereiteten Analysen und Screening-Tools. Tiefergehende Finanzkennzahlen wie den FCF oder die Schuldenlast müssen Sie üblicherweise in den Geschäftsberichten der Aktiengesellschaften selbst suchen. Diese finden Sie auf den Webseiten der Unternehmen, in die Sie investieren wollen, im Bereich „Investoren“.
An gleicher Stelle sind auch alle wichtigen Veröffentlichungsdaten – etwa zu bevorstehenden Quartalsergebnissen oder einer Investorenveranstaltung – in einem Finanzkalender verfügbar. Yahoo Finance führt Quartalsergebnis-Veröffentlichungen für alle US-Werte praktischerweise in einem eigenen Kalender. Einen Dividenden-Kalender für deutsche Werte führt Boersengefluester.de. Für US-Werte sind die Dividenden-Seiten („dividend history“) von nasdaq.com verlässlich, die nicht nur vergangene Auszahlungen aufzeigen, sondern auch den nächsten Termin.
Der Wirtschaftskalender von DailyFX informiert detailliert über weltweite Finanzereignisse, die das Zeug haben, die Märkte zu beeinflussen. Eine gewisse Umsicht ist auf dieser Präsenz angebracht, denn DailyFX gehört zur IG Group, einem britischen Anbieter von Finanzderivaten. Ein Beispiel für marktbewegende Ereignisse sind etwa die wöchentlichen Bestandsdaten der U.S. Energy Information Administration, die die Ölpreise abseits der von den OPEC+ verfügten Maßnahmen wesentlich beeinflussen. Der zugehörige Bericht erscheint meist im Laufe des Mittwochs.
Analysen und Analysten
Spätestens beim Lesen von Finanzberichten merkt man, dass die sorgsame Auswahl von Wertpapieren viel Arbeit macht. Wer sich diese erleichtern will, kann zum Beispiel den Tipps von professionellen Finanzanalysten folgen, die für große Banken und unabhängige Rating-Agenturen tätig sind. Der angesehene Research-Spezialist Morningstar, mit dessen Bewertungen viele Fondsanbieter hausieren gehen, stellt seine Ratings und diverse Tools online kostenlos zur Verfügung. Morningstar erklärt zudem die Bewertungsmethodik im Detail. Unter anderem setzt das Unternehmen stark auf Fundamentalanalyse, also die Bewertung betriebswirtschaftlicher Kennzahlen, denen die bereits genannten Value-Investoren folgen.
Aber Vorsicht: Nicht jeder Analyst ist so transparent – und auch nicht unbedingt so erfolgreich. Um Fehlgriffe vermeiden zu helfen, kann man sich am Konsensus orientieren, also der Mehrheitsmeinung zu einzelnen Werten. Eine praktische Übersicht mit Kurszielen und Voten für deutsche Werte bietet der Onlineauftritt des Publikumsmagazins Der Aktionär. Man findet sie auf den Überblickseiten zu einzelnen Wertpapieren unter dem Punkt „Analysten-Kursziele“.
TipRanks hingegen zeigt für einzelne Analysten, wie erfolgreich ihre Voten in der Vergangenheit waren. Die in Israel ansässigen Betreiber führen eine Rangliste der erfolgreichsten Profis – ein Ratgeber, der hingegen nur in der Hälfte der Fälle richtig liegt, weiß es offensichtlich auch nicht besser als ein Laie. Ereignisse wie die Corona-Pandemie können solche Erfolgsquoten natürlich verzerren, nichtsdestotrotz sind sie aufschlussreich und helfen, den richtigen Leuten zu vertrauen. Kleiner Wermutstropfen: TipRanks ist auf den US-amerikanischen, kanadischen und britischen Wertpapiermarkt beschränkt.
In dieselbe Richtung wie Analystenratings zielt die Strategie, nach sogenannten Insider-Käufen Ausschau zu halten. Zugrunde liegt der Gedanke, dass eine Führungskraft (insbesondere ein Vorstand oder Aufsichtsrat), welche die Aktien der eigenen Firma erwirbt, mehr wissen muss als der Markt. Größere Käufe haben viel Gewicht. Da solche Transaktionen meldepflichtig sind, können Sie sie zum Beispiel bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) unter „Publikationen & Daten/Datenbanken/Eigengeschäfte von Führungskräften“ finden. nasdaq.com oder der Finanzdienstleister Fidelity (beide englischsprachig) führen Transaktionen US-amerikanischer Firmen auf und stellen Käufe ins Verhältnis zu Verkäufen.
Guter Rat
Die BaFin weist unter „Publikationen und Daten/Aktuelles/Alle Meldungen“ (mit Filterfunktion) übrigens auch auf schwarze Schafe in der Finanzbranche hin. Die Meldungen kann man als Newsletter abonnieren. Zudem führt die BaFin valide Finanzberater in einer Unternehmensdatenbank („Publikationen und Daten/Datenbanken/Unternehmensdatenbank“). An gleicher Stelle findet man übrigens auch die Prospekte für Wertpapiere. Wer auf welche Firmen „short“ wettet, also darauf, dass die Aktien fallen werden, verrät der Bundesanzeiger im Menü unter „Netto-Leerverkaufspositionen“. Üblicherweise sind solche Aktien mit größeren Verlustrisiken behaftet. Dass ihr Kurs dennoch in die andere Richtung marschieren kann, hat die Reddit-Gamestop-Manie Anfang dieses Jahres gezeigt.
Wer sich ganz von Arbeit befreien will, greift auf renommierte Börsenbriefe wie Bernecker, die Wirtschaftswoche oder Platow Börse zurück. Diese sind kostenpflichtig, mehrere hundert Euro im Jahr an Entgelten sind keine Seltenheit. Die Erfolge können aber üblicherweise an schon lange laufenden Musterdepots transparent überprüft werden. Platow beispielsweise gibt aktuell für das Musterdepot eine Rendite seit Start (1996) in Höhe von gut 3842 Prozent an. Das Konzept an sich können Sie mit dem DWS Concept Platow auch als Nicht-Kunde an der Börse erwerben. Vorsicht ist angebracht, wenn eine Publikation mehrere Musterdepots parallel führt oder diese immer wieder neu initiiert.
Kostenlose Tipps kann man sich aber auch im Netz holen. The Motley Fool gehört zu den US-amerikanischen Pendants der deutschen Börsenbriefe und macht viele Inhalte kostenfrei und umgänglich formuliert verfügbar – bis hin zu eigenen Mitschriften von Quartalsergebnis-Konferenzen. Seit einiger Zeit gibt es auch eine deutschsprachige Variante. Das Unternehmen ist zugleich ein Beispiel dafür, dass man immer mehrere Quellen konsultieren sollte: Das Schwesterunternehmen Motley Fool Asset Management verwaltet mehrere, wenn auch vergleichsweise kleine Fonds, was unter Umständen zu Interessenkonflikten führen kann.
Tiefer und breiter gehende Beiträge und Einsichten zum US-Markt liefert das englischsprachige TheStreet. Zu den Autoren zählt beispielsweise Jim Cramer, der durch seine etwas skurrile Art und die „Mad Money“-Show auf CNBC bekannt ist. Zahlreiche weitere Profis steuern regelmäßig technische Analysen bei. Lesenswert sind auch die Artikel der Dow Jones Consumer Media Group, die mit dem Wall Street Journal, dem renommierten Barron‘s und MarketWatch eine große Auswahl bietet.
Wichtiger Randaspekt: Beachten Sie bei Anlagetipps aus dem Ausland immer steuerliche Aspekte. So kann beispielsweise die Quellensteuer Dividendenerträge erheblich schmälern. Welche Anrechnungssätze aktuell gelten, verrät das Bundeszentralamt für Steuern unter „Privatpersonen/Kapitalerträge/Ausländische Quellensteuer“. Besondere (steuerliche) Vorsicht ist bei Empfehlungen von US-Unternehmen mit Rechtsform (Master) Limited Partnership, kurz (M)LP, geboten – steuerfreie Erträge wie dort mitunter suggeriert gibt es in Deutschland üblicherweise nicht mehr.
Hilfreich, um einen Überblick über mehrere Quellen hinweg zu behalten, sind außerdem zahlreiche Finanzplattformen, die mehr oder weniger viele Inhalte selbst beisteuern. finanznachrichten.de etwa ist ein Aggregator, der eben solche News an einer Stelle zusammenführt. Dazu gehören nicht nur Depeschen der Nachrichtenagenturen Bloomberg oder Reuters, sondern auch Meldungen von anderen Finanzseiten wie Motley Fool.
Ist man sich der Fallstricke bewusst (siehe Kasten auf S. 127), kann man alle passenden Nachrichten an einer Stelle verfolgen, indem man sich dafür auf einer Seite wie finanznachrichten.de ein Musterdepot anlegt. Das hilft vor allem dann, wenn der eigene Broker seine Kunden in Sachen News vernachlässigt. Die Comdirect beispielsweise liefert zu ausländischen Werten kaum Nachrichten oder Analysen. Das ist aus Kundensicht ein klares Manko – dafür wird man allerdings nicht durch Werbenachrichten genervt.
Auf Nachrichten mit übergeordneter Relevanz beschränkt sich die Börsenzeitung, die auch lesenswerte Marktanalysen liefert. Hörenswert ist ihr wöchentlicher Podcast „7 Tage Märkte“, in dem auf aktuelle Themen genauer eingegangen wird. Zum Daily-Newsletter der Consorsbank, der außer ausgesuchten Neuigkeiten zu Märkten, Rohstoffen und Einzelwerten auch Analystenratings und einen Börsenausblick umfasst, können sich auch Nicht-Kunden anmelden.
Gemeinsam schlauer
Foren und Communities können – kritisches Lesen und Beachtung der Hinweise im Kasten vorausgesetzt – gute Komplementärquellen sein. Ein sehr ergiebiges Sammelbecken für unterschiedliche Meinungen ist zum Beispiel die englischsprachige Börsen-Community Seeking Alpha. Die Betreiber belohnen die Autoren monetär für hohe Leserzahlen. Daher finden sich nicht nur Freizeitanleger, sondern auch professionelle Anlageberater und Finanzanalysten ein, die auf eine zufriedene Leserschaft setzen und lesenswerte Einsichten teilen. Die Seite verfolgt ein Freemium-Modell und grüßt nach wenigen gelesenen Artikeln mit einer Paywall, ähnlich wie dies auch andere englischsprachige Anbieter wie etwa Barron’s machen.
Hilfe zu konkreten Fragestellungen findet man in den Online-Foren der Depotbanken. Insbesondere bei Steuerthemen zu Aktien, ETFs oder Fonds, die im Netz oft schwer aufzuspüren sind, kann man dort einen Versuch starten. Häufig findet sich ein Profi, der gern weiterhilft – oder jemand, der dasselbe Problem auch schon hatte und seine Erfahrungen teilt. Die Community achtet dann üblicherweise darauf, dass es mit den Antworten seine Richtigkeit hat. Gute Erfahrungen haben wir unter anderem in der Comdirect-Community gemacht, die Registrierung dort ist kostenfrei und ohne Kontobeziehung möglich. Ein bisschen „blättern“ kann sich durchaus lohnen, etwa wenn es um handfeste Tipps zu Spezialfragen wie Ersparnissen mithilfe von Discount-Zertifikaten geht.
Einen etwas anderen Weg geht wikifolio.com. An der selbst ernannten Social-Trading-Plattform sind unter anderem der Handelsblatt-Konzern und die Banker von Lang & Schwarz beteiligt. Sie ermöglicht jedem, Musterdepots online anzulegen und auf deren Entwicklung besicherte Zertifikate herauszugeben. Mit anderen Worten: Man kann in die Musterdepots anderer Anleger investieren und von deren Erfolg profitieren. Dafür wird der Herausgeber am Erfolg seiner Follower beteiligt. Dass das Konzept Hand und Fuß hat, zeigt nicht nur das investierte Kapital, das für jedes Musterdepot ersichtlich ist, sondern auch die steigende Abdeckung in der Fachwelt. So bildet etwa die Publikumszeitschrift Börse Online ihr Nebenwerte-Musterdepot als Wikifolio ab, und das Platow-Team hat für seinen Zertifikate-Ableger ein Dach-Wikifolio „Best Trader Selection“ gebastelt.
Einstiegshilfen
Hat man noch überhaupt kein Depot und beim Lesen dieses Artikels Gefallen an dem Gedanken gefunden: So viele Broker es gibt, so viele Entgeltmodelle existieren auch. Die Kostenzusammensetzung kann komplex sein. Die meisten Broker bieten beispielsweise Vergünstigungen beim Handel über bestimmte Plattformen und mit bestimmten Handelspartnern.
Günstige Preise haben oft Haken: TradeRepublic bietet Ausführungen für pauschal einen Euro, Sparpläne sind sogar kostenlos. Dafür ist die Zahl der verfügbaren Handelsplätze eingeschränkt. Bei SmartBroker handelt man kostenlos über die gettex-Plattform oder für einen Euro über Lang & Schwarz – pauschalen Kosten steht dabei möglicherweise ein schlechterer Ausführungskurs als auf Xetra oder Tradegate gegenüber. Ebenso fallen Depotgebühren ins Gewicht, die sich oft durch (kostenpflichtige) Sparplanausführungen vermeiden lassen.
Wer flexibel ist, kann auch immer mal wieder von Depotwechselaktionen profitieren: einerseits, um eventuell bessere Konditionen mitzunehmen oder die Konkurrenz zu testen, andererseits auch, um im Rahmen einer Aktion dafür einen prozentualen Anteil des Depotvolumens als Provision einzustreichen (üblicherweise 0,5 Prozent). Nachteile entstehen einem dabei nicht, die Banken dürfen keine Wechselgebühr verlangen. Wer Werte an ausländischen Börsen erworben hat, sollte sich jedoch vor dem Wechsel über möglicherweise anfallende Kosten informieren. Depotvergleiche finden Sie etwa auf biallo.de, Finanztip oder (meist kostenpflichtig) bei der Stiftung Warentest.
Wem das alles noch zu undurchsichtig ist, der kann sich ein Musterdepot anlegen und der Börse eine Weile ohne Kapitaleinsatz folgen. In etwas realitätsnäherer Form ist das auch in zahlreichen Börsenspielen möglich, etwa dem von flatex und UBS gesponserten Trading Masters. Die dortige Akademie bietet ein umfangreiches Grundlagentraining.
Viele Broker veranstalten ebenfalls regelmäßig Online-Seminare. Auch die Börse Stuttgart offeriert solche Veranstaltungen im „Anlegerclub“. Aktuell zwei Mal jährlich findet zudem der Börsentag München mit zahlreichen Fachvorträgen online statt. Die medial präsente Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) organisiert kostenlose Anlegerforen. Extra für Einsteiger hält die Börse Frankfurt eine Übersicht bereit. Vielfältige Webinare auch für Fortgeschrittene teilt sie auf ihrem YouTube-Kanal.
Kontrolle ist besser
Wer Geld in Wertpapieren anlegen und die damit verbundenen Chancen erkennen und Risiken reduzieren möchte, braucht vertrauenswürdige Informationsquellen. Unsere Auswahl zeigt: Die findet man im Netz neben etlichen schwarzen Schafen durchaus. Perfekt ist zwar niemand, aber es gibt viele gute Anlaufstellen. (mon@ct.de)
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