c't 9/2021
S. 78
Test & Beratung
Smartes Türschloss

Billig-Schließe

Die elektronischen Schlösser von Airbnk kosten nicht viel und­ ­ermöglichen das Versenden temporärer Schlüssel.

Sicherheitstechnik ist Vertrauenssache – und zum Kauf eines elektronischen Türschlosses via AliExpress braucht es neben etwas Mut vor allem Geduld. Im Einkaufswagen landete das M300 von Airbnk (70 Euro), ein Bluetooth-Schloss für Bolzenschlösser amerikanischer oder skandinavischer Machart, die auch hierzulande vermehrt zum Einsatz kommen. In Gestalt des M500 liefert der Hersteller aber auch eine Variante mit europäischen Schließzylinder aus, die für 80 Euro zu haben ist.

Zum Schloss gibt es unterschiedliches Zubehör: Wir bestellten den Finger­abdrucksender F100 (25 Euro) und die Bridge W100 (20 Euro). Letztere schlägt eine Brücke von Bluetooth zum 2,4-GHz-WLAN und ermöglicht das Entsperren der Tür via Cloud von unterwegs.

Die mechanische Installation des M300 geht gut von der Hand. Der Packung liegen Adapter für unterschiedliche Türvarianten bei. Der Motorantrieb, der den mechanischen Drehknauf an der Tür­innenseite ersetzt, wird mit den Schrauben des bestehenden Schlosses befestigt, zusätzliche Bohrungen im Türblatt sind nicht nötig. Das M300 misst 9,4 Zentimeter im Durchmesser – bei Fülltüren sollte man vor dem Kauf sicherstellen, dass der Rahmen breit genug ist. Im Lieferumfang enthalten ist ein Türrahmenmagnet. Ist er montiert, erkennt das Schloss, ob die Tür gerade geöffnet ist.

Die Energie bezieht der Motorantrieb aus vier AA-Batterien, die unter der magnetisch haftenden Frontplatte des M300 leicht zugänglich untergebracht sind. Ist alles richtig montiert, lässt sich das Schloss von innen durch einen Dreh um 90 Grad manuell bedienen. Von außen bleibt die Tür unverändert.

In der kostenlosen Airbnk-App für iOS oder Android muss man ein Nutzerkonto unter Angabe der Handy-Nummer an­legen. Sie wird für das Zusenden eines Authentifizierungscodes per SMS genutzt. Nach dem Einscannen eines QR-Codes am M300 erkennt die App das Schloss automatisch. Ebenso flott integrierte sie den Fingerabdrucksensor und die Wi-Fi-­Bridge. Die englischsprachige App ist schlicht gehalten. Das Schloss kann man darin über eine Wischbewegung ent­riegeln.

Das Zugangsrecht lässt sich vom Hauptnutzer temporär an Gäste übertragen, wofür man deren Handy-Nummer in der App eingibt – nicht umsonst erinnert das Airbnk-Logo an das des Dienstleisters Airbnb. Gäste müssen ebenfalls einen Account anlegen, danach taucht der Schlüssel mit Angabe seines Gültigkeitszeitraums in ihrer App auf. Das M300 reagierte im Test problemlos auf die Schlüssel unterschiedlicher Smartphones. Ein zugeteilter Key lässt sich wie beim Hotel vom Gast retournieren. Beim virtuellen Auschecken erlischt der Schlüssel automatisch.

Der Fingerabdrucksensor F100 kann bis zu 20 Nutzer speichern, allerdings ist er nur mit einem kleinen Akku ausgestattet und nicht wetterfest. Mit aktiver Wi-Fi-Bridge W100 gelang die Öffnung auch per Cloud, in bestehende Smart-Home-Szenarien lässt sich das Airbnk-Schloss mangels API oder IFTTT-­Zugang allerdings nicht einbinden. Die App bietet zumindest eine Auto-Lock-­Funktion: Ist die Tür verschlossen, schiebt das M300 nach maximal drei Minuten den Riegel automatisch vor.

Einerseits dürfte die Cloud-Anbindung und die Unsicherheit bezüglich der Beständigkeit des Unternehmens hinter dem M300 manch einen abschrecken – ohne die Airbnk-Server ließe sich kein neues Smartphone mehr als Schlüssel autorisieren. Andererseits bekommt man für 70 Euro überraschend solide verarbeitete Hardware und eine funktionale App zur elektronischen Schlüsselübergabe. (sha@ct.de)

Airbnk M300
Bluetooth-Türschloss
Hersteller Airbnk, www.airbnk.com
Lieferumfang Schloss, Türsensor, Montagematerial
Zubehör Fingerabdrucksensor F100 (25 €), WiFi-Bridge W100 (20 €), Keypad F101 (20 €)
Kommunikation Bluetooth LE
Preis 70 €

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