Netzwerkhardware kann kräftig ins Geld gehen. Doch vieles hält bei vernünftiger Behandlung Jahre und die Kleinanzeigen-Portale sind voll mit günstigen Angeboten. Sechs Kauftipps und ein paar wichtige Hinweise.
Von
Andrijan Möcker
Netzwerkhardware, die früher auf irgendeinem kleinen Flohmarkt oder im Schrott gelandet wäre, gibt es heute zu günstigen Preisen im Netz. Sparen können Sie überall: Kabel, Switches, Router, Modems, Netzwerkspeicher (NAS). Wie beim Flohmarktschnäppchen gibt es auch hierbei einige Stolperstellen; mit unseren Tipps gehen Sie auf Nummer sicher. Außerdem haben wir sechs Geräte herausgesucht, die Sie aktuell besonders günstig bekommen können.
Unvorsichtige Käufer im Internet sind ein gefundenes Fressen für Betrüger und wer viel gebraucht einkauft, gerät unweigerlich irgendwann an jemanden, der einem das Geld ohne Gegenleistung aus der Tasche ziehen möchte. Doch die schmerzhafte Erfahrung, betrogen worden zu sein, können Sie leicht vermeiden: Stellen Sie zunächst sicher, dass der Anbieter das Gerät auch wirklich hat. Meistens haben Betrüger nur wenige unscharfe oder pixelige Fotos im Angebot; Screenshots oder vom Bildschirm abfotografierte Bilder sollten Sie auch warnen. Bitten Sie die Person gegebenenfalls, eine Nahaufnahme eines Teils des Gerätes zu machen und Ihnen diese zu schicken; bestehen Sie auf das von Ihnen vorgegebene Foto. Stellen Sie Fragen zum Kaufdatum, Alter und vorherigem Einsatzort. Betonen Sie, dass Sie ausschließlich mit Käuferschutz kaufen. Betrüger antworten in der Regel nicht mehr, wenn klar wird, dass Sie kein leichtes Opfer sind.
Bezahlung & Versand
Selbst wenn der Käufer vertrauenswürdig wirkt, sollten Sie bei der Bezahlung nichts riskieren. Eine Überweisung können Sie nicht rückgängig machen und einen Beweis dafür, dass der Käufer das Geld erhalten hat, bekommen Sie auch nur schwer. Verzichten Sie deshalb nur bei kleinen Werten auf Zahlung ohne Käuferschutz. Manche Portale bieten einen Käuferschutz bei Zahlung mit Kreditkarte oder Überweisung an. Alternativ können Sie, unabhängig von der Plattform und dem gekauften Artikel, den Käuferschutz des Bezahldienstleisters PayPal nutzen – vorausgesetzt, der Verkäufer besitzt ein PayPal-Konto. Der Käuferschutz wird aktiviert, sobald Sie bei einer PayPal-Überweisung statt „Freunde und Familie“ den Punkt „Waren oder Dienstleistungen“ auswählen. Die Gebühr beträgt 2,49 Prozent vom zu überweisenden Betrag plus 35 Cent; bei 50 Euro sind das etwa 1,64 Euro, sodass Sie 51,64 Euro in das Feld eintragen müssen, damit 50 Euro den Verkäufer erreichen.
Nicht selten kommt es trotz aller Vorsicht zum Versandbetrug und der Verkäufer behauptet, das Paket zu Ihnen gesandt zu haben. Bestehen Sie deshalb immer – noch bevor Sie bezahlen – auf Versandmethoden mit Sendungsverfolgung und darauf, dass Ihnen der Verkäufer einen Sendungsbeleg zukommen lässt. Ein Käuferschutz bedeutet nicht automatisch, dass Sie Ihr Geld zurückbekommen, wenn etwas nicht stimmt, und die Sendungsverfolgung kann gegebenenfalls ein wichtiger Beweis sein.
Der Verkäufer des Artikels ist gesetzlich verpflichtet, die Beschreibung des Artikels wahrheitsgemäß zu verfassen und ihm bekannte Mängel mitzuteilen. Hierbei können Sie sich absichern, indem Sie den Verkäufer direkt nach Mängeln fragen. Verneint er das und Sie entdecken an der Sache einen offensichtlichen Mangel, hat er diesen mutmaßlich arglistig verschwiegen und der bei Privatverkäufen übliche Gewährleistungsausschluss ist wirkungslos. Sie haben dann das Recht, Ihr Geld zurückzufordern.
Software
Viele Hersteller gehen nach der Abkündigung von Hard- und Software davon aus, dass Nutzer diese einfach nicht mehr verwenden und auf etwas Neues umsteigen. Diese Einstellung führt oft dazu, dass Sicherheitslücken in abgekündigten Produkten einfach offen bleiben.
Recherchieren Sie vor dem Kauf eines älteren Gerätes genau, ob es unter Umständen Sicherheitslücken hat, etwa in der Vulnerability Database oder auf CVE Details (siehe ct.de/yahw). Je nachdem, wie schwer die Lücke wiegt oder ob sie sich durch Deaktivieren eines bestimmten Dienstes schließen lässt, können Sie Kompromisse eingehen. Wenn Sie der Verschrottung aufgrund veralteter Software ganz entgehen wollen, recherchieren Sie im Netz, ob alternative Software – etwa OpenWrt für Router – für das jeweilige Gerät verfügbar ist und Sie die benötigten Funktionen auch nach dem Softwareaustausch noch nutzen können. Beispielsweise funktioniert OpenWrt auf einigen Fritzboxen; Unterstützung für den DECT-Chip, viele DSL-Modems und die kabelgebundenen Telefonanschlüsse (analog/ISDN) fehlt jedoch mangels Treiber.
Aller Tage Abend
Man muss definitiv nicht gleich jeden technischen Fortschritt mitmachen, aber fast jede Technik ist irgendwann einmal überholt und die verwendeten Ressourcen sollten für neue Technik recycelt werden. Es gibt deshalb Hardware, die Sie nicht mehr kaufen sollten: Alte WLAN-Router oder Access-Points mit Wi-Fi 1 bis 3 (802.11a, b, g) benötigen unnötig lange zur Datenübertragung und lähmen das Netz eher, als es sinnvoll zu ergänzen. Wi-Fi 4, besser Wi-Fi 5, sollte das Gerät mindestens beherrschen. Auf simultanen Dual-Band-Betrieb sollten Sie nicht verzichten, wenn hohe Geschwindigkeiten gewünscht sind oder Sie in einem dicht besiedelten Gebiet wohnen.
Hubs, Switches bis 100 MBit/s sowie über zehn Jahre alte Gigabit-Switches gehören ebenfalls zur Gruppe der Gestrigen. Hubs sind ein unnötiges Nadelöhr im Netz, genauso wie Fast-Ethernet-Switches. Alte Gigabit-Switches verbrauchen oft unnötig viel Strom; bei ihnen hat sich in puncto Energieeffizienz viel getan. Aktuelle Gigabit-Switches bekommen Sie schon für 15 Euro.
Damit die Ersparnis Ihres Gebrauchtkaufes nicht über die Stromrechnung verloren geht, sollten Sie außerdem darauf achten, moderne Schaltnetzteile statt alter Transformatornetzteile zu verwenden. Der vergleichsweise schlechte Wirkungsgrad der Trafos kann durchaus mehr als 50 Prozent Verlust bedeuten.
Wer genau hinschaut und mit Bedacht kauft, kann eine Menge Geld gegenüber dem Neukauf sparen und trotzdem über Jahre genauso viel Nutzen und Freude haben. Außerdem verhindert der Gebrauchtkauf unnötige Verschrottung, was unter anderem die Umwelt schützt. Doch passen Sie auf: Das Gefühl, einen guten Fang gemacht zu haben, kann süchtig machen.
(amo@ct.de)