Ausprobiert von Make: 3D-Scanner Revopoint Mini Update
Das GerĂ€t funktioniert ab Auspacken ohne Kalibrierung, arbeitet auf 0,02 Millimeter genau und lĂ€sst sich per Hand fĂŒhren oder mit einem Drehteller kombinieren.
Der chinesische Hersteller Revopoint hat im Juli den Start seines neuesten 3D-Scanners namens Revopoint Mini im Crowdfunding bei Kickstarter finanziert. Zu den ersten UnterstĂŒtzern sind die GerĂ€te unterwegs, fĂŒr alle anderen ist der 3D-Scanner inzwischen vorbestellbar [2]. Der Make-Redaktion hat Revopoint allerdings bereits vorab ein Exemplar zum Testen geschickt.
Blaues Licht fĂŒr die Tiefe
Der Revopoint Mini ist wie die anderen GerÀte des Herstellers ein Structured-Light-Scanner: Er hat ein Projektionssystem an Bord, das ein Lichtmuster auf die OberflÀche des zu scannenden Objekts wirft. Eine Stereokamera registriert, wie das Muster durch die OberflÀche des Objekts verzerrt wird und berechnet daraus die 3D-Form. Das Lichtmuster ist bei diesem Scanner sichtbar (Infrarot wÀre eine unsichtbare Alternative gewesen). Wegen des blitzenden blauen Lichts beim Mini warnt der Hersteller davor, damit Personen zu scannen, weil das deren Augen schÀdigen könnte.
ZusĂ€tzlich zur Form nimmt eine RGB-Kamera die Farben und Muster der OberflĂ€che auf, sodass hinterher auch texturierte 3D-Dateien exportiert werden können. Der Mini ist gerade mal 12 Zentimeter breit und eignet sich fĂŒr Objekte zwischen einem Zentimeter und einem halben Meter GröĂe. Die optimale Scan-Entfernung zur OberflĂ€che liegt zwischen 10 und 20 Zentimetern, die Frame-Rate der Tiefenkamera bei 10 Aufnahmen pro Sekunde. Die maximal erreichbare Genauigkeit gibt der Hersteller mit 0,02 mm an.
[ErgĂ€nzung, 30.08.22, 10:36:] FĂŒrs Scannen in voller Auflösung braucht man zusĂ€tzlich einen Rechner mit der Software des Herstellers (Windows 8-11, 64 Bit oder macOS). Apps fĂŒr den mobilen Betrieb gibt es fĂŒr iOS und Android, allerdings weist der Hersteller darauf hin, dass damit nicht die maximale Auflösung erreicht werden kann.
Von Hand oder im Stand
Entweder fĂŒhrt man den Mini in der Hand um das Zielobjekt herum, das ist eher die Verfahrensweise bei gröĂeren GegenstĂ€nden. Oder man klickt den Scanner auf dem mitgelieferten Mini-Stativ fest und installiert ihn neben einem Drehteller, auf dem das Objekt rotiert. Wie solche Scans ablaufen und was dabei herauskommt, sieht man in folgendem Video.
Empfohlener redaktioneller Inhalt
Mit Ihrer Zustimmung wird hier ein externes YouTube-Video (Google Ireland Limited) geladen.
Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen (Google Ireland Limited) ĂŒbermittelt werden. Mehr dazu in unserer DatenschutzerklĂ€rung [3].
Das Video haben wir ab Minute 3:39 um den Faktor 10 verlangsamt, damit man die Kaskade von blauen Streifenmustern sehen kann, die der Scanner auf die OberflÀche projiziert. Das Verfahren mit solchen Lichtmustern an sich ist schon Àlter, wir haben es beispielsweise auf der EuroMold 2013 am lebenden Redakteur ausprobieren lassen [4], mit Scannern von Artec und David. Auch der mobile 3D-Scanner "Scan in a Box" [5] arbeitete nach diesem Prinzip, brachte 2017 dazu aber noch zwei Industriekameras und einen Beamer an den Start, was erst mal alles von Hand montiert und justiert werden musste, bevor es ans Scannen ging.
Verglichen mit diesen Systemen der Vergangenheit kostet der Revopoint Mini mit seinen (immer noch stolzen) 930 Euro gerade mal ein Viertel und funktioniert direkt nach dem Auspacken und der Installation der Software â ohne aufwĂ€ndige Kalibrierung. Die automatische Kombination verschiedener Scan-DurchgĂ€nge desselben Objekts erledigt die Software geradezu automagisch. Und auch bei der Auflösung der Scans kann er mithalten: So bildete der Mini im Test das CE-Zeichen auf dem Spielzeugwidder, den wir seit Jahren als PrĂŒfobjekt [6] benutzen, plastisch ab â das schaffte bisher bei unseren Versuchen tatsĂ€chlich nur der "Scan in a Box", nicht aber der gröĂere (und gĂŒnstigere) Bruder von Revopoint selbst, der Pop 2, den wir in Make 3/22 ausfĂŒhrlich vorgestellt [7] haben.
Wer braucht den Mini?
Was nur wenige Zentimeter groĂ, aber fein strukturiert ist, fĂ€ngt der Mini hervorragend ein, wenn man bei den QualitĂ€tseinstellungen in der Software in die vollen geht (siehe Video). Dann braucht man allerdings einen krĂ€ftigen (Gaming-)Rechner, damit die Aufbereitung der unter UmstĂ€nden mehrere Gigabyte groĂen Punktwolken auch irgendwann zu Ende ist. Paradedisziplinen fĂŒr den Mini sind etwa die Reproduktion von Tabletop-Miniaturen und kleinen Ersatzteilen, auch Schmuckdesigner und Zahntechnikerinnen könnten von diesem GerĂ€t profitieren.
Will man damit gröĂere Objekte scannen, muss man zwangslĂ€ufig die Auflösung in der Software reduzieren, sonst wachsen einem die Datenberge ĂŒber den Kopf. Wer hĂ€ufiger auch gröĂere GegenstĂ€nde einfangen will und dabei mit etwas geringerer Auflösung leben kann, fĂ€hrt wahrscheinlich mit dem etwas gĂŒnstigen Revopoint Pop 2 besser. Im Video haben wir dieselben Objekte testweise mit beiden Scannern erfasst und die Ergebnisse direkt gegenĂŒber gestellt.
Als gĂŒnstigere Alternative fĂŒr Selbermacher [11] bleiben auĂerdem noch die Projekte von OpenScan.eu â den OpenScan Mini haben wir ebenfalls in der Make-Ausgabe 3/22 vorgestellt. Allerdings arbeitet der mit den Mitteln der Photogrammetrie [12] und braucht fein strukturierte OberflĂ€chen. Die mitgelieferten Testköpfe der Revopoint-Scanner mĂŒsste man fĂŒr den OpenScan Mini daher noch mittels farbigem Kreidespray prĂ€parieren, um das optimale Ergebnis zu erzielen. Die Structured-Light-GerĂ€te hingegen sorgen ĂŒber ihr Lichtmuster selbst fĂŒr die nötige Mikrostruktur.
(pek [14])
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-7246702
Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/hintergrund/Ausprobiert-Kurztests-auf-make-magazin-de-2772998.html
[2] https://shop.revopoint3d.com/products/revopoint-mini-blue-light-3d-scanner
[3] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[4] https://www.heise.de/news/EuroMold-Objekte-scannen-in-3D-2062165.html
[5] https://www.heise.de/tests/Ausprobiert-3D-Scanner-ScanInABox-3742002.html
[6] https://www.heise.de/hintergrund/Lichtschnittverfahren-3037611.html
[7] https://www.heise.de/hintergrund/3D-Scanner-fuer-Maker-Die-Ergebnisse-7096263.html
[8] https://shop.heise.de/make-03-2022/Print?wt_mc=intern.shop.shop.ma_2203.dos.textlink.textlink
[9] https://www.heise.de/select/make/2022/3
[10] https://www.mykiosk.com/suche/23141/make-
[11] https://www.openscan.eu/
[12] https://www.heise.de/hintergrund/Photogrammetrie-2869054.html
[13] https://www.heise.de/make
[14] mailto:pek@ct.de
Copyright © 2022 Heise Medien