Energiewende - Argumente jenseits des Klimawandels

Genug gute Gründe für eine qualifizierte Energiewende machen die ohnehin sinnlose Debatte um eine menschengemachte Klimaerwärmung weitestgehend überflüssig

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Vorbemerkung: alle yt-videos sind direkt an die entsprechende Stelle des dargelegten Sachaspektes verlinkt - das Ansehen eines stundenlangen Vortrages ist also nicht erforderlich.

1. Einführung

Die Beweise sind erschlagend, dass Ölkonzerne & Kohleindustrie schon seit mehreren Jahrzehnten um die Auswirkungen der Verbrennung fossiler Energieträger wussten. Weil eine konsequente Energiewende hin zu Erneuerbaren Energien (EE) deren Geschäftsmodell konterkariert wurden mittlerweile rund 500 Millionen Dollar in Lobby-Organisationen und Maulhuren gepumpt, um wider besseren Wissens den menschengemachten Klimawandel zu vertuschen, zu leugnen, Zweifel zu säen und sich gerechter Schadensersatzklagen zu entziehen.

Nun stehen sich zwei Seiten gegenüber - wobei sich aus bitterer Erfahrung keine von der anderen überzeugen lässt - egal wie sachlich die Diskussion auch geführt wird. Daher "sinnlos". So weit, so schlecht. Die gute Nachricht ist: Im Grunde ist diese leidige Klimawandeldebatte weitestgehend überflüssig. Warum? Weil wahrlich genug gute Gründe für eine qualifizierte Energiewende existieren. "Qualifizierte" meint "hinreichend kompetent gemanagte", was wiederum bedeutet durch echte und unabhängige Experten (nicht die allenthalben anzutreffenden Scheinexperten) zielführend konzipiert, geregelt und umgesetzt. Ziel ist nahezu 100% EE im Primärenergiebereich zum Wohle der Gesellschaft. "Echte Experten" meint konkret z.B.: der VDE, das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme oder Volker Quaschning. Deren korrekten Konzepten steht leider die Praxis einer politisch und wirtschaftlich (Energieerzeugeroligopol) völlig vermurksten und unqualifizierten Energiewende gegenüber.

1.1 Gründe für die Abweichung vom erwartbaren Vorgehen

Üblicherweise würde am Stück zuerst das Konzept einer Energiewende hin zu 100% EE (Primärenergie) an sich und dann deren Vorteile vorgestellt. Dies würde hier entweder den Rahmen sprengen und/oder aufgrund der Länge kaum noch gelesen. Bei einer Zweiteilung wird von der erwartbaren Reihenfolge - Teil 1 Konzept, Teil 2 Vorteile - aus folgendem Grund abgewichen und selbige umgekehrt: Würde zuerst das Konzept vorgestellt, dann wäre dessen Zerredung durch Energiewende-Gegner bzw. EE-hater mit folgenden ausnahmslos substanzlosen Vorwürfen absehbar:

1.1.1 FUD gegen die Energiewende

Die Schlechtrednerei erschöpft sich hauptsächlich in folgenden Behauptungen: Die Energiewende

  • gefährde wahlweise die deutsche Industrie oder gleich den Wirtschaftsstandort Deutschland
  • würde die deutsche Wirtschaft ihrer Konkurrenzfähigkeit berauben oder sie abhängen bzw. ruinieren
  • führe wahlweise zur Deindustrialisierung Deutschlands oder "ins Nichts" (HWS)
  • münde in unzumutbar/untragbar hohe finanzielle Belastungen der Gesellschaft [und/oder Unter-/Mittel-Schicht]

oder sei

  • wahlweise zu teuer oder gleich unbezahlbar
  • nicht machbar, wahlweise weil die Physik dies verunmögliche oder die Speicherproblematik unlösbar sei
  • nicht sinnvoll, weil sie konventionelle Reservekraftwerke in gleicher Höhe erfordere
  • nicht möglich, weil eine Verdoppelung der EE bei Eintragsspitzen bereits den [Strom-]Bedarf übersteige und damit Stromexporte zu negativen Preisen erzwinge

Was sich im Kern auf die drei Hauptvorwürfe "zu hohe Kosten", "nicht machtbar/sinnvoll" und "mache deutsche Wirtschaft kaputt" eindampfen lässt. Was von diesen im Lichte der Wahrheit bzw. hinreichender Fachexpertise zu halten ist, klärt das folgende Kapitel. Das Konzept der in Teil 2 vorgestellten Energiewende geht jedoch weit über das hinaus, was sich aus den folgenden Darlegungen erahnen lässt.

2. Argumente für eine Energiewende jenseits des Klimawandels

Für echte und ehrliche Experten (womit Inkompetente, Ignoranten & Verlogene außen vor sind) steht in Sachen Stromversorgung die Machbarkeit einer 100% EE-Energiewende außer Frage.

Eine ganz andere Hausnummer aber ist die Energiewende in Sachen Primärenergie, wo die Stromversorgung nur rund ein Viertel einnimmt. Folgender Aspekt ist der Hebel schlechthin, um eine Energiewende zu 100% EE in Sachen Primärenergie zu erzielen: Vom gesamten Energieverbrauch (Primärenergie) der BRD wird mehr die Hälfte für das Herstellen der Baustoffe, das Bauen (sog. "graue Energie") und das Beheizen, Kühlen, Betreiben und Sanieren der Bauten verwendet.

2.1 Vorteile von Vollholzhäusern

Hier ermöglichen Gebäude aus reinem Vollholz1 die Beschreitung des absoluten Königswegs in Sachen Energiebedarf: nicht nur Umstellung von fossilen/nuklearen auf erneuerbare Energieträger, sondern signifikante Reduzierung des Energiebedarfs an sich. Mit anderen Worten: In relevantem Maße - Einsparungspotenzial im Primärenergiebereich langfristig mind. 25% - entfällt Energiebedarf, welcher dann gar nicht mehr abgedeckt werden muss, auch nicht durch EE.

2.1.1 Energie, Ressourcen & Umwelt

  1. Niedrigster (in Verbindung mit Photothermie oder PV & Wärmepumpe Reduktion des Bedarfs von Öl oder Gas auf NULL bis gar kein Heizbedarf (bei gesundem Vollpassivhaus)
  2. Ebenfalls gleichermaßen entfallender Kühlbedarf (keine Klimaanlage bei Außenhitze)
  3. Komplett entfallender Bedarf für Lüftungsanlagen (z.B. in Bürogebäuden), da atmungsaktiv
  4. Minimalster Bedarf an "grauer Energie", vormontierte Vollholz-Fertighauselemente werden in vollständig solarbetriebener Fabrik produziert
  5. Kein Einsatz von Erdölprodukten (keine Styropordämmung, Kunststoff-Planen etc.)
  6. Kein Einsatz (ausgasender) Chemieprodukte (z.B. Leim, Lacke, Versiegelungen etc.) - aufgrund hoher natürlicher Pilzresistenz keine "Holzschutzmittel"
  7. Kein Einsatz sonstiger endlicher Produkte (z.B. Gips oder Sand für Beton)
  8. Kein Einsatz des extrem energieintensiven Baustoffs Zement - Fundament/Keller ausgenommen
  9. Gebaut allein (Ausnahme: Metall-Schrauben zur Verbindung der vorgefertigten Elemente) aus nachwachsendem und CO2-bindendem Rohstoff Holz (Voraussetzung: nachhaltige Forstwirtschaft)
  10. Beste faktische Wärmedämmwerte (Weltrekord in Wärmedämmung)
  11. Kein Fassaden-Sanierungszwang (Styroporverdämmung ist nach ca. 2 Jahrzehnten verrottet & muss dann sowohl teuer entsorgt wie auch erneuert werden)
  12. Voll recycelbar (Abfall-frei ) - cradle to cradle: Vollholzhäuser als Rohstoff für zukünftige neue Vollholzhäuser

2.1.2 Sonstige Vorteile

  1. Mittelfristig kostengünstiger als konventioneller Bau, aufgrund drastischer Reduzierung der Betriebskosten
  2. Sehr schnelle Errichtung (Kostenfaktor Amortisation): Tage (Häuser) bis wenige Wochen (Hotels, Bürogebäude, Universitäten)
  3. Wert von Holz steigt mit der Zeit (vs. Styropordämmung: teurer Sondermüll)
  4. Rekord-Brandschutzwerte: höchste Brandschutzklasse F 180
  5. Bestes Raumklima (Immmunsystem-stärkend, atmungsaktiv sowie Kältebrücken- und daher Schimmel- und Kondensat-frei)
  6. Gesündestes Schlafklima - im Gegensatz zu verleimten Pressspanplatten allergiefrei
  7. beste Strahlenschutzwerte (Abschirmung bzw. signifikante Minderung von Mobilfunkstrahlung
  8. In der Kombination der letzten 3 Punkte: verringerte Krankheitskosten und gesteigerte Wohnqualität
  9. Beste Erdbebensicherheit
  10. Krankenhäuser: für multiresistente Keime minimalste Überlebenschancen überhaupt
  11. Unter höchster mechanischer Belastung besseres Verhalten als Stahlbeton
  12. (Auch im gewerblichen Bereich wettbewerbsfähiger aufgrund der Kombination aus 1 & 2)!
  13. Nachrangig: optisch/atmosphärisch ungemein schöneres Flair als "unsinnliche Kunststoffdämmung"
  14. Konzept ist open source - Nachahmung erwünscht!

2.2 Vorteile in der Stromversorgung

Aus "gutem" bzw. schlechtem Grund wird in der Frage der Kosten einer Energiewende regelmäßig die Aufstellung der Gegenrechnung eines "weiter so wie bisher" unterschlagen. Dem gegenüber werden hier die unterschiedlichen Stromerzeugungsmethoden mittels erneuerbarer, fossiler (i.d.R. Kohle) oder nuklearer Energieträger einem systematischen Vergleich unterworfen.

2.2.1 Kosten

Die prinzipielle bzw. abstrakte Betrachtung:

2.2.1.1 Energieträger-Kosten IST

1. EE: Erneuerbare Energieträger sind kostenlos.
2. Kohle: Von 1990 bis 2015 fielen für den Import fossiler Energieträger alleine 1,17 Billionen = 1170 Milliarden € für Erdöl, Erdgas und Kohle an - rund 400 Mrd. € für die letzten fünf Jahre.
3. Uran: pro Massen- oder Volumeneinheit der teuerste Energieträger.
4. Synthetisiertes Gas (Power2Gas): Keine, da per EE-"Überproduktion" (siehe 2.2.1.23) erzeugt.

2.2.1.2 Energieträger-Kosten Tendenz

1. EE: Erneuerbare Energieträger bleiben kostenlos.
2. Kohle & AKW: Fossile (& nukleare) Energieträger hingegen werden, da es begrenzte Ressourcen sind, mittel- bis langfristig immer teurer werden. Volker Quaschning: "Zwischen den Jahren 1998 und 2013 sind die Ausgaben für Nettoimporte fossiler Energieträger nach Deutschland um 400% gestiegen. Inzwischen gibt Deutschland dafür über 90 Mrd. € pro Jahr aus und damit deutlich mehr als für die Förderung erneuerbarer Energien oder Effizienzmaßnahmen."
3. Uran: Als begrenzte Ressource werden Kosten mittel- bis langfristig steigen.
4. Synthetisiertes Gas (Power2Gas): keine, da per EE-"Überproduktion" erzeugt.

2.2.1.3 Transport Energieträger

1. EE: Erneuerbare Energieträger werden jetzt und in Zukunft frei Haus geliefert.
2. Kohle & AKW: Es fallen Transportkosten an, die mit der Zeit immer weiter steigen, sofern sie auf fossilen Energieträgern basieren
3. Uran: Aufgrund der Radioaktivität und den damit einhergehenden Sicherungsmaßnahmen ist dieser Transport der teuerste.
4. Synthetisiertes Gas (Power2Gas): über vorhandenes Gas-Netz (Marginalie).

2.2.1.4 Aufbereitung Energieträger

1. EE: Eine Aufbereitung erneuerbarer Energieträger ist nicht erforderlich (Holz-Pellets wegen mangelnder Relevanz außen vor).
2. Kohle: für die Zerkleinerung der Kohlebrocken zu "Kohlestaub" fallen für den Betrieb von Kohlemühlen allein bis zu 2% der gesamten installierten Leitung an.
3. Uran: Die Aufbereitung nuklearer Energieträger ist nochmals ungleich teurer.
4. Synthetisiertes Gas (Power2Gas): ggf. Methanisierung von Wasserstoff. Keine Kosten fürs Methan, da per EE-"Überproduktion" erzeugt.

2.2.1.5 Anlagen-Planung

1. EE: Konzipierung von EE-Anlagen (PV & WKA) ist Stand der Technik.
2. Kohle: Die Konzipierung von Kohlekraftwerken wird immer aufwändiger.
3. AKW: Die von Atomkraftwerken sind die Aufwändigsten - dort kommt die strengste Technikklausel zum Einsatz: "Stand von Wissenschaft und Technik"! Auch in der Planung sind AKW die Teuersten überhaupt.
4. Power2Gas-Anlagen: noch zu ermittelnde Marginalie

2.2.1.6 Anlagen-Baukosten IST

1. EE: Der Bau von Solaranlagen oder Klein-WKA ist so günstig, dass sogar dezentrale private Anwendungen möglich sind.
2. Kohle: Neue Kohlekraftwerke liegen mittlerweile im Mrd. Bereich.
3. AKW: Der Bau von Atomkraftwerken ist der Teuerste unter allen Kraftwerken überhaupt (abgesehen von Megastaudämmen, die hier in Deutschland nicht zur Disposition stehen).
4. Power2Gas-Anlagen: zusätzliche Investitionskosten

2.2.1.7 Anlagen-Baukosten Tendenz

1. EE: PV- und WK-Anlagen werden - bemessen an €/kWh - immer preiswerter.
2. Kohle: Hingegen steigen die Baukosten für Kohle- und Atomkraftwerke immer weiter.
3. Atomkraftwerke: Lagen die AKW-Baukosten früher bei rund 4 Milliarden, so kostet der Bau neuer europäischer AKW (Finnland, Frankreich, GB) rund 10 Milliarden € oder mehr. Kostenexplosionen um Faktor drei bis vier sind bei laufenden europäischen AKW-Neubauprojekten praktisch Standard: Der Vertrag zum Bau des Reaktor III im Finnischen Olkiluoto war mit einem Festpreis von 3 Mrd. € angesetzt - derzeit (Stand 2019) haben sich die Kosten voraussichtlich mehr als verdreifacht. Beim französischen EPR-Reaktor sind die ursprünglich geplanten Baukosten von 3,5 Mrd. € auf mittlerweile -Stand 2019- unfassbare 12,4 Mrd. € explodiert. Tendenz generell: weiter steigend.
4. Power2Gas-Anlagen: Kosten dürften bei Mengenproduktion deutlich fallen.

2.2.1.8 Errichtungszeit (Kostenfaktor Amortisation)

1. EE: PV-Anlagen lassen sich innerhalb weniger Wochen, WKA innerhalb weniger Monate errichten.
2. Kohle: Der Bau von Kohlekraftwerken dauert viele Jahre.
3. Atomkraftwerke: Die AKW-Bauzeit zählt mit Abstand zu den längsten: nochmals viele Jahre länger als Kohlekraftwerke, bis zur tatsächlichen Stromerzeugung. Nicht selten mit massiven Bauverzögerungen um viele Jahre. Aktuell - Stand 2019 - liegen die voraussichtlichen Verzögerungen von Inbetriebnahmen bei rund 10 (Reaktor III des finnischen Olkiluo) bzw. 11 Jahren (französischer EPR-Reaktor). Sofern es überhaupt jemals zur Inbetriebnahme kommt und diese nicht zum Milliarden-Grab werden.
4. Power2Gas-Anlagen: zu Beginn einige Monate bis einige Wochen nach Lernkurve

2.2.1.9 Betriebskosten

1. EE: I.d.R. überhaupt keine Personal- oder anderen Betriebskosten
2. Kohle: hohe Personal- und sonstige Kosten
3. Atomkraftwerke: Der AKW-Betrieb gehört aufgrund von Sicherheitserfordernissen zu den Personal-aufwändigsten und somit Teuersten überhaupt. Zusätzlich verbrauchen AKW allein zum Eigenbetrieb mehr Strom als das Bundesland Bremen.
4. Power2Gas-Anlagen: marginale EE-Stromkosten

2.2.1.10 Wirkungsgrad

1. EE & BHKW: gute PV-Module bei rund 25%; exzellenter Gesamt-Wirkungsgrad von BHKW (um 90%) - sehr hohe Effizienz - doppelt (Kohle) oder dreifach so hoch (AKW) wie bei Großkraftwerken.
2. Kohle: sehr moderne KohleKW rund 45%. Von diesem nominellen Wirkungsgrad gehen typischerweise für den energieintensiven Betrieb wie z.B. Kohlemühlen, Speisewasserpumpen und Abgasreinigung in der Größenordnung von 10 % der Bruttostromerzeugung verloren, sodass der effektive Wirkungsgrad nochmals geringer ist.
3. Atomkraftwerke: schlechte 33%
4. Power2Gas-Anlagen: Energetischer Wirkungsgrad der Elektrolyse (Wasserstoffproduktion) und anschließender Kompression liegt bei rund 60%. Gesamtprozesses Power2Gas mit Rückwandlung durch Brennstoffzellen-BHKW elektrisch bei rund 40%. Allerdings fällt ansonsten teuere Wärmeproduktion mit Klein-BHKW hocheffizient (Nah- statt Fernwärme) kostenlos ab.

2.2.1.11 Stillstandskosten

1. EE: In Stillstandszeiten verbrauchen EE-Anlagen weder Strom, noch fallen i.d.R. Personalkosten an (und falls doch, dann im Vergleich zu Nachgenannten nur lächerlich wenig).
2. Kohle: Bei Kohlekraftwerken fallen Personalkosten weiter an.
3. Atomkraftwerke: Deutsche AKW, die angeblich die zuverlässigsten überhaupt sein sollen, stehen zu relevanten Anteilen ungenutzt still - im Durchschnitt 20% -, manche jedoch fallen maximal bis zu 30% ihrer Betriebszeit aus. Während dieser Zeit verbrauchen AKW wegen der notwendigen Kühlung große Mengen Strom. D.h. in Stillstandszeiten verdienen die AKW nicht nur kein Geld, sondern erfordern neben den laufenden Personalkosten auch noch Stromkosten in signifikanter Höhe - sie sind also während der Stillstandszeiten die teuersten Kraftwerke überhaupt (siehe auch 2.2.1.9.3).
4. Power2Gas-Anlagen: i.d.R. keine

2.2.1.12 Abtransport Rückstände

1. EE & BHKW: Keinerlei Kosten, weil kein Müll entsteht, der abtransportiert werden müsste.
2. Kohle: Es fallen Kosten für den Abtransport der Asche an.
3. Atomkraftwerke: Der Abtransport des Atommülls ("Castor"-Behälter sind extrem teuer) ist der teuerste überhaupt.

2.2.1.13 Müll-Entsorgung/Lagerung

1. EE & BHKW: keine Kosten, da kein Müll.
2. Kohle: ggf. Aschedeponien.
3. Atomkraftwerke: Die Lagerung des Atommülls ist die teuerste überhaupt - und weltweit ungelöst! Obendrein noch wird beim Atommüll das Verursacherprinzip auf den Kopf gestellt. Die Verursacher - die Atomindustrie muss nicht für die Beseitigung ihres Drecks bezahlen, sondern verdient mit der DBE sogar noch daran: 1984 hat die CDU-Regierung mit der "Deutsche[n] Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern für Abfallstoffe mbH" (DBE) einen Kooperationsvertrag unter rechtlich haarsträubenden Bedingungen abgeschlossen, welcher bis heute unverändert gültig ist:

  • der Vertrag erfolgte ohne Ausschreibung
  • der Vertrag schließt eine "ordentliche Kündigung aus" - ist also nahezu unkündbar
  • der Vertrag sichert der DBE ein Monopol zu - kein anderes Unternehmen kann beauftragt werden
  • der Gewinn ist zugesichert
  • die Preise ihrer Leistungen setzt die DBE selbst fest

Intransparenz: Der Vertrag ist in soweit geheim, wie dieser nicht ohne Einverständnis der DBE veröffentlicht werden darf. Das BfS muss jährlich 100 Millionen € an die DBE überweisen. Die sich an diesen "fragwürdigen" Umständen entzündende Kritik:

  • Obwohl die DBE ein Privatunternehmen ist, genießt sie die Vorteile einer Behörde
  • Wettbewerb und Konkurrenz sind ausgeschaltet
  • Lizenz zum Gelddrucken
  • Nicht das öffentliche Interesse und Recht auf Sicherheit steht an vorderster Stelle, weil wirtschaftlich Gesichtspunkt eine größerer Rolle spielen, als nach dem Atomgesetz vorgesehen. Die DBE gehört der Atomindustrie.
  • Keine Anreize zu wirtschaftlichem Handeln
  • Selbst der Bundesrechnungshof kann nicht alle Rechnungen einsehen

2.2.1.14 Rückbaukosten

1. EE: Solar- und WK-Anlagen lassen sich überwiegend exzellent recyceln.
2. Kohle: Der Rückbau von Kohlekraftwerken ist teuer.
3. Atomkraftwerke: Der Rückbau von AKW hingegen ist der langwierigste und aufwändigste - und damit teuerste überhaupt. Aktuell hat die Atomindustrie sich wieder einmal durch einen miesen Deal der wahren Rückbaukosten entledigt und diese einmal mehr den Steuerzahlern aufgebürdet.

2.2.1.15 Versicherungskosten

1. EE: in engen Grenzen. Mögliche Schäden sehr überschaubar.
2. Kohle: ebenso: s.o.
3. Atomkraftwerke: Der mögliche AKW-Schaden und damit die der max. möglichen Schadenshöhe tatsächlich angemessenen Deckungssumme der Pflichtversicherung ist die Teuerste überhaupt. Durch das Atomgesetz jedoch wird die Deckungssumme auf den lächerlichen Betrag von nur 2,5 Mrd. gedeckelt (indirekte Subvention), was bei einem Super-GAU jedoch nur einem Fliegenschiss gleichkäme. Mit anderen Worten: de facto sind Atomkraftwerke gegen einen Super-GAU praktisch unversichert. Würden sie angemessen versichert, was nur beim Staat ginge, so würde dies aufgrund unbezahlbar hoher Atomstrompreise zum sofortigen Aus von AKW führen (siehe auch 2.2.1.20.3 Subventionen).

2.2.1.16 Netzausbaukosten

1. EE & BHKW: Hohe Kosten für Nord-Süd-Ausbau, wenn Bayern weiter egoman und verantwortungslos den WKA-Ausbau im eigenen Land hintertreibt. Bei dieser unqualifizierten und politisch torpedierten Energiewende müssen gemäß BMWi "Insgesamt ... in den nächsten Jahren über 7.500 Kilometer im Übertragungsnetz optimiert, verstärkt oder neu gebaut werden." Bei einer qualifizierten Energiewende hingegen wäre der Netzausbaubedarf minimiert, da idealerweise Erzeugung vor Ort durch PV, Klein-Windkraftanlagen, Klein-BHKW und/oder, sofern möglich, sogar Klein-Wasserkraftanlagen.
2. Kohle & AKW: Keine bei Status-Quo-Fortführung ("weiter so wie bisher"). Anmerkung: Atomkraftwerke machten früher den rund 10-fachen Netzausbau erforderlich

2.2.1.17 Eliminierung der Netzbetreiber-Gewinne

Im Zuge der asozialen neoliberalen Agenda wurde auch der Netzbetrieb privatisiert, obwohl es sich um ein natürliches Monopol handelt. Da es auch während des staatlichen Betriebes zu keinem signifikanten Blackout kam, dient die Privatisierung dieses Bereiches einzig und allein der Bereicherung weniger Extremreicher auf Kosten der Gesellschaft.

Gesellschaftliche wichtige Infrastruktur gehört ohnehin nicht in die Hände privater Unternehmen, die der Gewinnmaximierung als oberstem Primat unterworfen sind. Deswegen sollte der Netzbetrieb reverstaatlicht und so die Kosten für Gewinne eingespart werden.

2.2.1.18 Kosten Speicher-Infrastruktur

Bei Power2Gas gar keine, weil Gasnetz mit hinreichender Speicherkapazität -für mehrere Monate- schon vorhanden ist. Dies erkennt sogar der notorische Energiewende-Schlechtredner HWS an: "Bei Gas gibt es kein Speicherproblem".

2.2.1.19 Übertragungsverluste

1. EE: Dezentrale EE-Anlagen am Ort des Bedarfs vermeiden Übertragungsverluste vollständig (gesteigerter Endabnahme-Wirkungsgrad). Offshore-Windparks können, wenn sich Bayern weiter egoman und unsozial gegen den EE-Aufbau im eigenen Land sträubt, zu signifikanten Übertragungsverlusten von Nord nach Süd führen.
2. Kohle: höhere Übertragungsverluste aufgrund zentraler Strukturen.
3. Atomkraftwerke: Bei AKW entstehen aufgrund der Größe & Zentralität einerseits und Standorten abseits von Ballungszentren andererseits die höchsten signifikanten Transportverluste.

2.2.1.20 Subventionen

Laut Internationalem Währungsfond (IWF) betrugen die Subventionen des globalen Energiesystems allein für 2015 sage und schreibe 5.3 Trillion US$ = 4750 Milliarden €! Der allergeringste Teil davon entfällt auf Erneuerbare Energien.

1. EE: vergleichsweise gering - Fehlwahrnehmung aufgrund transparenter Kostenaufschlüsselung in Stromrechnungen.
2. Kohle & AKW: hohe Subventionskosten. Teil umweltschädlicher Subventionen,
Zitat: "Ohne Subventionen für fossile & nukleare Energieträger wären die enerneurbaren schon heute kostengünstiger als alles andere".
3. Atomkraftwerke: höchste, d.h. extrem hohe Subventionskosten! Aber intransparent verschleiert und auf den Steuerzahler abgewälzt - gemäß des [neoliberalen] Mottos: "Gewinne privatisieren - Kosten/Verluste sozialisieren", US-Studie 2012:"Bei vollständiger Haftung der Betreiber bzw. Wettbewerb frei von Subventionen hätte niemand Atomkraftwerke gebaut, würde heute niemand Atomkraftwerke bauen und jeder der Atomkraftwerke besitzt, würde so schnell wie möglich aus dem Geschäft aussteigen."

2.2.1.21 Schadenskosten

1. EE: Bei PV nahezu unbedeutend. WKA können im Schadensfall überschaubare Kosten verursachen.
2. Kohle: überschaubar
3. Atomkraftwerke: Der maximal mögliche Schaden bei einem Super-GAU liegt gemäß zweier Studien zwischen 6090 Mrd. und 7500 Mrd. € und ist damit der schwerwiegendste überhaupt.

2.2.1.22 Umwelt-Folgekosten

2.2.1.22.1 Energieträgergewinnung

1. EE & Power2Gas: keine
2. Kohle: Bei Steinkohle sog. "Ewigkeitskosten", beim Braunkohletageabbau hohe Kosten für Renaturierung der Tagesbaugebiete.
3. Atomkraftwerke: Beim Uranabbau katastrophale, möglicherweise niemals rückgängig machbare Umweltzerstörung mit exorbitanten Kosten:
ARTE Dokumentation "Yellow Cake: Die Lüge von der sauberen Energie"

2.2.1.22.2 Stromerzeugung

1. EE und Gas: keine
2. Kohle: hohe Folgekosten der verursachten Umweltverschmutzung in Form von Luftschadstoffen. In Deutschland gehen pro Jahr zehntausende Krankheitsfälle und Todesopfer allein auf das Konto der (Blei-, Schwefeldioxid-, Cadmium-, Arsen-, Stickoxid-, Quecksilber-haltigen) Abgase fossiler Brennstoffe. Zusätzlich radioaktive Kontaminierung der Umwelt durch radioaktive Substanzen in der Kohle.
3. Atomkraftwerke: Kontaminierung von Mensch & Umwelt auch im Regelbetrieb - Kosten für durch AKW verursachte Krebserkrankungen.

2.2.1.23 Eliminierung von Verlusten

Dieses Energiewende-Konzept inkludiert die kategorische Verhinderung von Strombörse-Absurditäten: Es gibt keine Stromüberschüsse mehr, die durch niedrige oder gar negative Strompreise exportiert werden müssen. Sinnvolle Verwendung sämtlicher "Stromüberschüsse" über den nationalen Bedarf hinaus für die Power2Gas-Produktion von Wasserstoff und/oder Synthese von Methan (oder anderer sinnvoller bzw. hinreichend effizienter Speichermöglichkeiten).

2.2.1.24 Minimierung der EEG-Abgabe

1. Ausnahmen-Abschaffung: Durch praktisch die komplette Rücknahme von EEG-Ausnahmegenehmigungen, die mittlerweile zur Regel wurden entfällt die gesetzliche Nötigung "normaler Stromverbraucher", entsprechende Unternehmen und [Groß-]Konzerne zu zwangssubventionieren.
2. Börsenpreissteigerung: Durch das Entfallen des [technischen] Zwangs (weil es infolge von Power2Gas keine "nicht nutzbaren Strommengen" mehr gibt), überschüssigen Strom an der Börse verscherbeln zu müssen, werden dort die Preise steigen. Damit verringert sich die Differenz zur garantierten EE-Einspeisevergütung, was wiederum die EEG-Abgabe deutlich verringert (ab ca. min 45), in welche genau diese Differenz einfließt.

2.2.1.25 Konkurrenz zum Kartell

Die vier Energieversorger des Stromerzeugeroligopols stehen nicht in Konkurrenz zueinander, sondern bilden ein Kartell. Durch signifikante Stromerzeugung in kommunaler oder Bürgerhand entstünde eine echte Konkurrenz, sodass das Kartell aufgebrochen würde und unter Preisdruck geriete. Folge: Kostensenkungen.

2.2.1.26 Kosten Reservekraftwerke

Mit diesem Konzept (nicht dem Unsinns-Szenario eines HWS): entfallen. Die intelligent [strom-]geregelten Klein-BHKW auf Brennstoffzellenbasis sind keine Reserve, sondern ersetzen sukzessiv ohnehin benötigte Heizungsanlagen in Häusern, Wohnblocks, Gebäuden und Industrieanlagen.

2.2.1.27 Volkswirtschaftlicher Nutzen

Energiewendeinvestitionen würden im Inland hochwertige Arbeitsplätze schaffen in den Bereichen Installation, Inbetriebnahme und ggf. Wartung sowie Produktion von EE-Anlagen und BHKW (Wertschöpfung in den Regionen). Damit würde die Binnenwirtschaft angekurbelt und es entstünde ein hoher volkswirtschaftlicher Nutzen. Im Gegensatz dazu sind die Importkosten fossiler Energieträger (siehe 2.2.1.2.2) volkswirtschaftlich verloren - sie nutzen nur ausländischen Ölkonzernen und Kohle- bzw. Gaslieferanten.

Zwischenfazit Kosten:

Die Kosten einer Status-Quo-Fortführung belaufen sich laut Fraunhofer Institut ISE bis zum Jahr 2050 auf mind. 4200 Mrd. €! Worin keine CO2-Abgabe und keine Kostensteigerungen für Importe fossiler Energieträger eingerechnet sind. Dies berücksichtigt (bei 2% Kostensteigerung / a) würde eine Status-Quo-Fortführung bis 2050 sogar 7700 Mrd. € kosten. Im allerschlimmsten Falle wäre die hier präferierte Energiewende genauso teuer wie ein "weiter so wie bisher".

Ungleich wahrscheinlicher aber ist, dass jene Energiewende mittel- bis langfristig sogar kostengünstiger ausfällt: Es sind [deutlich] sinkende Stromkosten aufgrund diverser o.g. Faktoren zu erwarten. Unter Berücksichtigung des volkswirtschaftlichen Nutzens (2.2.1.27) sowie der Minimierung des Kostenklotzes Atomstrom (3.1.2.2) wäre eine solche Energiewende sogar in jedem Falle preiswerter!

2.2.2 Versorgungssicherheit

Die behauptete "Zuverlässigkeit" vom Atomkraftwerken ist nur eine Mär - siehe auch 2.2.1.11.3 Stillstandskosten

2.2.2.1 Autarkie anstatt Abhängigkeit

1. National

A) EE: komplette Autarkie und Importunabhängigkeit
B) Fossile Energieträger: teilweise Importabhängigkeit; 100%ige Importabhängigkeit bei Steinkohle sowie Mineralöl und fast völlige Abhängigkeit bei fossilem Gas. Nur über dreckige, wirkungsgradschwache, Umwelt-zerstörende und -verpestende Braunkohle verfügt die BRD in nennenswertem Maße.
C) Atomkraftwerke: 100%ige Importabhängigkeit. Bei Atomkraft führt die extreme Unflexibilität von AKW im Atomstromland Frankreich zur Abhängigkeit von deutschen Stromimporten.

2. Regional/Kommunal:

Teilweise oder vollständige Zurückgewinnung von Autonomie - Befreiung aus dem Preisdiktat/Kartell des Stromerzeugeroligopols. Wenn sich verantwortungslose Länderregierungen wie z.B. die von Bayern entscheiden, in regionaler Abhängigkeit zu verharren, weil sie den WKA-Ausbau mit übertriebenen Abstandsregelungen praktisch zum Erliegen bringt, dann ist entsprechende Kritik an die inkompetenten politischen Entscheidungsträger zu richten und nicht die Energiewende.

3. Individuell:

Teilweise bis vollständige Selbstversorgung mit dem Ziel "Energieversorgung in Bürgerhand" - geringere Abhängigkeit und mehr Selbstbestimmung beim "normalen Stromkunden".

2.2.2.2 Kühlwasserbedarf

1. EE & BHKW: keinerlei Kühlwasserbedarf. Bei BHKW ist das "Kühlmittel" das Nutzwasser (Heizung und Warmwasser). Entfallender Kühlwasserbedarf ist gerade in Trockenzeiten und Dürreperioden sehr wichtig; weitere Dürrezeiten in Deutschland sind etwas, auf das Politik und Kommunen sich aus vielfältigen Erwägungen vorbereiten sollten.
2. Fossile Großkraftwerke: Kühlwasserabhängigkeit
3. Atomkraftwerke: extreme Kühlwasserabhängigkeit. In Frankreich fallen aufgrund von Problemen, Kühlwassermangels, zu warmen oder nicht brauchbaren Kühlwassers regelmäßig die angeblich "zuverlässigen" Atomkraftwerke aus. In Deutschland würde bei weiteren Dürresommern ähnliches drohen. Tatsächlich wurden auch in Deutschland AKW aufgrund hoher Temperaturen in der Leistung schon gedrosselt.

2.2.2.3 Blackoutrisiko

1. EE & BHKW: Praktisch ausgeschlossen: Aufgrund exzellenter Flexibilität, nämlich sekundenschneller Regelbarkeit von Klein-BHKW, kann einem drohenden Blackout entgegengewirkt werden (höhere Sicherheit gegen Störungen) - ggf. sogar einem drohenden, Auslands-induziertem Blackout (siehe 3.).
2. Fossile Großkraftwerke: nicht auszuschließen.
3. Atomkraftwerke: maximiert. Beim Atomstromland Frankreich scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis es nach diversen Beinahe-Blackouts zum realen Blackout kommt.

2.2.2.4 Gesteigerte Ausfallsicherheit

1. EE & BHKW: Außerordentlich hoch bei einem dezentralen Netzes aus intelligent-geregelten BHKW und Selbstversorgungseinheiten mit Speichern. Ungeplanter Ausfall kleiner, dezentraler EE-Anlagen oder BHKW praktisch irrelevant, weil diese aufgrund der geringen Leistungsgröße netzunkritisch sind.
2. Fossile Großkraftwerke: Dem steht das prinzipiell größere Risiko bei zentralen Strukturen entgegen: nicht auszuschließen.
3. Atomkraftwerke: Plötzlicher und ungeplanter Ausfall eines Großkraftwerkes kann Stromausfall (AKW Krümmel) oder gar Blackout verursachen. Selbst die geplante Abschaltung von Großkraftwerken birgt eine gewisse Brisanz, wie Belgien mit seinen Rissreaktor-AKWs zeigt.

2.2.2.5 Schwarzstartfähigkeit

Extrem wichtig zum Hochfahren nach einem -möglicherweise Auslands-induziertem (siehe 2.2.2.3.3)- Blackout. Die Verbesserung der Schwarzstartfähigkeit der Stromversorger wäre äußerst wichtig. Aber eine inkompetente und unwillige Regierung sowie das Stromerzeugeroligopol bleiben pflichtvergessen und verantwortungslos untätig.

1. EE & BHKW: Bei erneuerbaren Energien exzellent. Klein-BHHW erfüllen alle besonderen Anforderungen für einen Schwarzstart.
2. Kohlekraftwerke: i.d.R. sehr schlecht
3. Atomkraftwerke: nicht vorhanden. Schwarzstart kategorisch ausgeschlossen.

2.2.2.6 Ressourcen-Verfügbarkeit Dazu das Bundesumweltamt unter der Überschrift: Primärenergiegewinnung und -importe:

"Deutschland ist ein rohstoffarmes Land. Rund 70 % des Energieaufkommens wird durch Importe diverser Energieträger gedeckt. Um die Versorgung zu sichern, sollte die Importabhängigkeit verringert und die Vielfalt an Lieferländern und Transportstrukturen erhöht werden."

1. EE & Power2Gas: Sonne, Wind, Wasser, Biogas sind die unerschöpflich - gilt, sofern genügend Anlagen vorhanden, auch für per EE produziertem Wasserstoff (Elektrolyse) oder synthetisiertem Methan (Methanisierung von H2)
2. fossile Energieträger: weltweit endliche Ressourcen. National: bei Steinkohle wirtschaftlich Ausbeutbarkeit beendet, Gasvorkommen marginal, Steinkohle geht absehbar zur Neige.
3. Uran: weltweit marginalst, national überhaupt nicht.

2.2.2.7 Entfallen des Energiebedarfs

(auch Autarkieaspekt) Bei Vollholzhäusern entfällt der Heizungsbedarf entweder weitestgehend (Rest per Photothermie oder Wärmepumpe) oder komplett bei gesundem Passivhaus ohne Technik. Bei BHKW fällt die bei konventionellen Großkraftwerken oftmals ungenutzte Abwärme als Nutzwärme mit maximaler Effizienz (Nah- anstatt Fernwärme) kostenlos an.

2.2.2.8 Speicherproblematik gelöst

Bei Power2Gas und Nutzung des bestehenden Gasnetzes (kein Ausbaubedarf - siehe 2.2.1.18).

Zwischenfazit Versorgungssicherheit:

Das Konzept dieser qualifizierten Energiewende beinhaltet eine ideale Kombination aus

  • höchster Flexibilität, aufgrund sekundenschneller Regelbarkeit,
  • einem robusten, intelligent geregelten Netz und
  • kleinen Einheiten, deren Ausfall netzunkritisch ist, was in eine maximale Blackoutresistenz mündet. In Ergänzung mit
  • beseitigter Import-Abhängigkeit sowie Gewinnung von Autarkie,
  • unerschöpflichen natürlichen Ressourcen und
  • wegfallendem Kühlwasserbedarf

Es ergibt sich eine kaum zu toppende Versorgungssicherheit. Mit anderen Worten. Durch eine qualifizierte Energiewende würde insbesondere die Versorgungssicherheit strategisch deutlich steigen.

Praktisch die gegenteilige Situation besteht bei Atomkraftwerken - obwohl der Gesellschaft allenthalben das Märchen von den "ach so zuverlässigen Atomkraftwerken" erzählt wurde. Insofern ist die hohe Blackoutwahrscheinlichkeit Frankreichs (siehe 2.2.2.3.3) nur praktische Auswirkung der Kombination denkbar schlechter Sachverhalte. Kohlekraftwerke sind nur in einem der o.g. sechs Aspekte besser: nicht gänzlich unflexibel, sondern träge regelbar (daher Einsatz als Mittellastkraftwerke - nicht Grundlastkraftwerke wie die praktisch nicht regelbaren AKW).

2.2.3 Umweltschutz

1. Kaum umweltschädliche Abwärme
2. Signifikant weniger Umweltbelastungen, da synthetisch reines Gas ohne Belastungen durch Schwefel o.a.
3. CO2-neutral bei Verwendung von Methan oder Wasserstoff aus Power2Gas
4. Sehr gut recycelbar (Kohlekraftwerke kaum recycelbar, AKW gar nicht, aber Rückbau extrem teuer)
5. Recyling-Wirtschaft an sich ist sowohl Ressourcen- wie auch Energie-sparend
6. Umweltschäden:

  • BHKW, dezentrale PV, Kleinwind- & Kleinwasserkraft-Anlagen: keine
  • WKA (groß): Mensch: Beeinträchtigung durch Infraschall und Schattenwurf kann durch hinreichende Abstandsregelungen vermieden werden, Fauna: ggf. Abholzung und Gefahr für Vögel, Fledermäuse oder Insekten
  • PV-Großanlagen: Flächenverlust und Verschattung
  • Braunkohle (in der BRD einzig verbliebene Kohleart): durch Tagebau katastrophal - Zerstörung kompletter Lebensräume für Flora und Fauna, Freisetzung diverser Schadstoffe in die Luft; Kohle-Aschen sind keineswegs harmlos: Neben z.B. verschiedenen Schwermetallen wie Quecksilber kommen darin auch Radionuklide in aufkonzentrierter Form vor, Risiken der Kohleasche-Halden
  • AKW: während des Regelbetriebes diverse Schäden an Mensch und Umwelt durch Freisetzung radioaktiver Substanzen über den AKW-Schornstein oder Abwasser (siehe 2.2.1.22.2.3). Bei einem Super-GAU der INES-Stufe 7 unvergleichlich katastrophale Schäden (2.2.1.21.3). Atommülllagerung: Kontaminierung der Lagerstätten, der Umwelt und ggf. Versuchung des Grundwassers

2.2.4 Umsetzbarkeit

1. Exzellente Skalierbarkeit
2. In den Industriezweigen mit [besonders] hohem Wärmebedarf lässt sich durch die Kombination verschiedener BHKW-Typen (Stirling-Motor, Verbrenner oder Brennstoffzelle) genau der jeweilige Wärmebedarf abdecken.
3. Bedarf für Umweltgenehmigungen wie bei Großkraftwerken entfällt (auch Kostenvorteil)
4. Sehr kurze Installationszeit:

  • Wochen bei BHKW, dezentraler PV & Kleinwindanlagen
  • Monate bei WKA und Reaktivierung von Kleinwasserkraftwerken
  • viele Jahre bei konventionellen Großkraftwerken
  • bei AKW ggf. auch ein Jahrzehnt oder länger

2.2.5 Sonstiges

1. Ankurbelung der Wirtschaft - durch Investitionen in eine sinnvolle und nachhaltige Zukunft
2. Mehr und hochqualifizierte Jobs
3. Mehr Frieden und Sicherheit, weil weniger/keine Kriege um fossile Energieträger (Rohstoffkriege)

3. Fazit

Keiner der Vorwürfe (1.1.1) hält einer hinreichend kritisch-kompetenten Hinterfragung Stand - sofern nicht gerade jene Szenarien zugrunde gelegt werden, welche die intendierte Energiewende verunmöglichen (HWS). Im Gegenteil, diese Behauptungen erweisen sich als genau jenes, was sie schon zuvor bezeichnet wurden: FUD - substanzlose und faktenfreie Erzeugung von Angst, Unsicherheit und Zweifel.

Dieser Verunsicherungsmethode zum Trotze existieren tatsächlich -jenseits der Frage einer anthropogenen Klimaerhitzung- erschlagend viele gute Argumente für eine qualifizierte Energiewende. Insbesondere die für FUD missbrauchten Aspekte Kosten und Versorgungssicherheit erweisen sich für Energiewende-Schlechtredner als Rohrkrepierer, die nach hinten losgehen.

3.1 Das Ausmaß der Desinformation der Gesellschaft in Sachen Energiewende

Ist es tatsächlich möglich, dass die drei allenthalben kolportierten Hauptkritikpunkte "Kosten, Versorgungssicherheit und Wirtschaft" nicht gegen, sondern für eine [richtig gemanagte] Energiewende sprechen? Könnte die Desinformation tatsächlich so weit gegangen sein, dass die Fakten dieser Aspekte dreist auf den Kopf gestellt wurden?

3.1.1 Politik und Lüge

Verhältnis von Politik und Lüge im Allgemeinen:

Für Politiker gehört es zum Geschäft, die Unwahrheit zu sagen. Deshalb kann ein Politiker im moralischen Sinne des Wortes nicht lügen.
wird Richard Nixon, US-Präsident 1969-1974, zugeschrieben

Die politische Sprache wurde erschaffen, um die Lüge ehrenwert anmuten und Wind als solide erscheinen zu lassen.
George Orwell

Wenn es ernst wird, muss man lügen.
Jean-Claude Juncker

3.1.2 Behauptungen zur Stromversorgung

Verhältnis offizieller Behauptungen in Sachen Stromversorgung und Unwahrheit im Besonderen:

1. Angeblich seien die deutschen AKW so zuverlässig. In Wahrheit -siehe 2.2.1.11.3- fallen diese während ihrer Betriebszeit im Durchschnitt zu 20% aus (maximal bis 30%).

2. Der "Atomstrom" sei angeblich so billig - die deutsche Wirtschaft könne wegen ihrer "Wettbewerbsfähigkeit" nicht auf ihn verzichten. Tatsächlich jedoch ist Atomstrom der mit großem Abstand teuerste überhaupt. Diese Tatsache konnte nur durch die intransparente Umlegung extrem hoher Kosten auf die Steuerzahler und/oder "normale Stromkunden" verschleiert werden. Mit anderen Worten: auch hier wurde der Gesellschaft das krasse Gegenteil der Wahrheit verkauft - die Kosten sprechen nicht für, sondern überwältigend gegen Atomkraftwerke. Eine qualifizierte Energiewende würde sich dieses Kostenklotzes weitestmöglich entledigen.

3. Aus dem Pamphlet "Ihre Stromversorger" (Seite 34) von 1993: "Regenerative Energien wie Sonne, Wasser oder Wind können auch langfristig nicht mehr als 4 % unseres Strombedarfs decken." Faktisch aber ist der Anteil Erneuerbarer Energien (EE) 2018 mit rund 40% eine glatte Größenordnung darüber, geklettert. Im ersten Halbjahr 2019 waren es sogar mind. 44%. Um mehr als Faktor 10 daneben zu liegen, setzt entweder ein gerüttelt Maß an Inkompetenz oder Unehrlichkeit (bzw. Verlogenheit) voraus.

Allein aufgrund dieser Tatsache sollten allen Behauptungen der großen Energieversorger im Allgemeinen und der Kohle- bzw. Atomindustrie im Besonderen (sowie deren Propagandatrompeten) hinsichtlich dessen, was in Sachen Regenerative Energien angeblich nicht möglich sei, mit allergrößtem Zweifel begegnet werden.

Angesichts der o.g. Sachverhalte kann es politisch hinreichend gut informierte und kritische Bürger nicht wirklich überraschen, dass die Gesellschaft auch in Sachen Energiewende-Kosten, Umsetzbarkeit & Versorgungssicherheit desinformiert oder gar nach Strich und Faden belogen und betrogen wurde sowie wird.

3.2 Konsequenzen

Eine qualifizierte Energiewende würde praktisch sämtliche Vorbehalte, die gemeinhin durch [neoliberale] Medien, [neoliberale] Politik und [neoliberal] fehlgebildete/fehlinformierte Teile der Gesellschaft geistern, nicht nur pulverisieren, sondern sogar ins Gegenteil verkehren: Aus den vermeintlichen Kritikpunkten werden "schlagende" Argumente für eine entsprechende Energiewende.

Dies erschlägt auch ein weiteres Scheinargument der Energiewendeschlechtredner - nämlich dass Deutschland zu klein sei, daher "die Welt nicht retten" könne und praktisch keine Bedeutung für das große Ganze habe. O-Ton: "Was nützt die Klimawende, wenn rund um Deutschland alle anderen darauf scheißen?"

Wenn jedoch eine qualifizierte Energiewende nicht nur zu besserer Lebensqualität sowie geschützter Umwelt, sondern obendrein noch sogar zu verminderten Kosten und einer florierenden Wirtschaft mit mehr und besseren Arbeitsplätzen führt, dann würde dies zu einer enormen Sog- und Nachahmerwirkung in anderen Staaten führen. Selbst wenn deren Politik rein neoliberal - sprich asozial - getrieben wäre, würde allein die Angst, wirtschaftlich völlig abgehängt zu werden, einen enormen Druck ausüben und womöglich eine Abkehr vom "Weiter so wie bisher" bewirken.

Auch das Gerede von "Alarmismus" oder "Hysterie" - wo abermals die Wahrheit im krassen Gegenteil liegt: "Die Klimaerhitzung kommt weit rascher und heftiger als bisher vermutet. Die Wissenschaft hat das Problem nicht über-, sondern unterschätzt." - wäre mit einem qualifizierten Energiewendekonzept vom Tisch. Angesichts der Legion durchschlagender Vorteile gibt es keinen stichhaltigen Grund mehr für Abwarten oder Ausbremsen. Je eher und konsequenter eine qualifizierte Energiewende (wovon die aktuelle Politik Lichtjahre entfernt ist) umgesetzt würde, desto eher könnten Gesellschaft und Wirtschaft aus deren mannigfaltigen Vorteilen Nutzen ziehen.

Der Autor ist Dipl.-Ing. Maschinenbau, Jahrgang 64. Er ist weder direkt noch indirekt Nutznießer des Verkaufs von Vollholzhäusern bzw. BHKWs oder der Umsetzung einer qualifizierten Energiewende (außer in der Weise, wie alle Menschen von einer gesünderen, weniger belasteten Umwelt sowie preiswerteren, zuverlässigeren und sichereren Energieversorgung einer hinreichend kompetenten Energiewende profitieren würden).