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Der vergessene Bestseller

Martin Franz
Der Fiat Uno wurde im Januar 1983 in Cape Canaveral vorgestellt.

Der Fiat Uno war in den 1980er-Jahren ein echter Bestseller. In Erinnerung blieb besonders der Uno Turbo mit seinem riesigen Turboloch und dem folgenden, gewaltigen Bumms. Wir blicken zurĂŒck...

Frankfurt am Main, 8. Mai 2013 – An meine erste Fahrt in einem Fiat Uno erinnere ich mich ziemlich genau. Die SchlĂŒsselszene, die haften blieb, war an einem Ortsausgang, ein Golf hatte zum Überholen angesetzt. Anfangs sah es gar nicht schlecht fĂŒr ihn aus, doch der Fahrer hatte nicht mit einem Uno Turbo gerechnet. Der hatte zwar ein Turboloch, das gefĂŒhlt der Wartezeit vor einer BehördentĂŒr entsprach, aber wenn das einmal ĂŒberwunden war, hielt den Rennzwerg so schnell keiner auf. Nun wird der kleine Italiener 30. Wir blicken zurĂŒck auf einen der erfolgreichsten Kleinwagen ĂŒberhaupt.

Vorgestellt wurde der Fiat Uno am 20. Januar 1983 in den USA. Nicht ganz zufĂ€llig gewĂ€hlt war der Ort der PrĂ€sentation. Um die fortschrittliche Ausrichtung des Kleinwagens zu betonen, stellte Fiat ihn in Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida vor. Zu den deutschen HĂ€ndlern rollte der Uno Mitte April 83. Fiat hatte fĂŒr den Nachfolger des Typs 127 eine Menge Geld in die Hand genommen. Insgesamt investierte man ungerechnet rund 1,3 Mrd. DM. Ein nicht unerheblicher Teil floss in moderne Produktionsanlagen, die einen hohen Automatisierungsgrad hatten. Von den mehr als 2700 Schweißpunkten wurden nur noch 30 von Hand gesetzt. Die aus 172 Teilen bestehende Karosserie wurde von 200 Robotern zusammengesetzt, selbst in der Lackiererei waren 20 im Einsatz.

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Und sie hatten gut zu tun, denn der Uno wurde schnell der Bestseller im Fiat-Sortiment. Nach nur knapp zwei Jahren lief das millionste Exemplar vom Band. Zeitweise ist der Uno in Deutschland das meistverkaufte Importauto. Dazu kamen diverse Auszeichnungen. 1984 war er das „Auto des Jahres“, gleich fĂŒnfmal holte er den Titel „Auto der Vernunft“. Fiat ließ den Erfolg nicht auf sich beruhen und stellte stĂ€ndig neue Motoren und Sondermodelle vor. So gab es ĂŒber die gesamte Laufzeit allein 16 verschiedene Motoren, die zwischen 44 und 60 PS leisteten, vier davon waren Diesel. DarĂŒber rangierten die Maschinen mit 68 bis 75 PS, die den leichten Uno schon ziemlich flott machten. Die Spitze bildete der Uno Turbo, der 1985 vorgestellt wurde und im Laufe der Jahre zwischen 100 und 112 PS auf die Straße brachte. Im selben Jahr konterte VW und stellt den Polo G40 vor, der allerdings erst 1987 auf den Markt kam. Das Turboloch im stĂ€rksten Uno war gewaltig, der folgende Bumms allerdings auch.

Auf der IAA 1989 stellten die Italiener eine ĂŒberarbeitete Fassung des Uno vor. Mit einer geglĂ€tteten Front und einigen Retuschen am Heck sollte er dem Zeitgeschmack angepasst werden. Auch der Innenraum wurde neu gestaltet, die FunktionalitĂ€t war nach dem Facelift viel besser. Dazu kamen Sitze mit mehr Seitenhalt. Immer mehr Motoren waren nun auch mit Katalysator zu haben.

Mit zahlreichen Sondermodellen hielt Fiat das Interesse am Uno wach, bis 1993 der Nachfolger Punto auf den Markt kam. 1995 endete die Produktion in Italien, was allerdings nicht das Ende des Unos bedeutete. In einigen Teilen der Erde wird der Uno noch heute gebaut, meist ist es allerdings der Punto, der eben als Uno verkauft wird. Aus dem deutschen Straßenbild ist der einstige Bestseller so gut wie verschwunden, die großen Autobörsen listen aktuell jeweils keine 50 StĂŒck mehr auf. Gute Exemplare, zumeist Turbos, sind lĂ€ngst in fester Hand.

(mfz [3])


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