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EU-Rechnungshof kritisiert Regeln nach Abgasbetrug

dpa
Abgasbetrug

Die politische Reaktion auf den Abgasbetrug war aus Sicht des EuropĂ€ischen Rechnungshofes nur halbherzig. „Angesichts der zahlreichen im Verkehr befindlichen besonders umweltschĂ€dlichen Pkw kann es noch viele Jahre dauern, bis sich die LuftqualitĂ€t in den InnenstĂ€dten verbessert“

Die politische Reaktion auf den Abgasbetrug war aus Sicht des EuropĂ€ischen Rechnungshofes nur halbherzig. „Wir begrĂŒĂŸen die Tatsache, dass Maßnahmen ergriffen wurden, doch angesichts der zahlreichen bereits im Verkehr befindlichen besonders umweltschĂ€dlichen Personenkraftwagen kann es noch viele Jahre dauern, bis sich die LuftqualitĂ€t in den InnenstĂ€dten verbessert“.

Anspruch und Wirklichkeit nach dem Abgasbetrug, schematisch dargestellt.

(Bild: ICCT)

Das erklĂ€rte RechnungsprĂŒfer Samo Jereb am Donnerstag (7. Februar 2019) in einer Analyse zu den nach dem Skandal von 2015 geĂ€nderten EU-Abgasvorschriften. Der RĂŒckruf von mehr als zehn Millionen Fahrzeugen habe nach verfĂŒgbaren Daten zum Beispiel die Emission von Stickoxiden (NOx) kaum gesenkt.

Die RechnungsprĂŒfer warnen, dass die Wirkung der neuen Vorgaben von der Umsetzung in den EU-Staaten abhĂ€nge und dass Autohersteller womöglich neue Schlupflöcher finden könnten.

Als Beispiel fĂŒr nicht genutzte Möglichkeiten nennen die PrĂŒfer die BeschlĂŒsse fĂŒr neue Testverfahren. Die neuen NOx-Tests hĂ€tten zwar zu einer deutlichen Reduzierung der Stickoxidemissionen von neuen Dieselfahrzeugen gefĂŒhrt. „Doch hĂ€tten die Auswirkungen noch grĂ¶ĂŸer sein können, wenn der ursprĂŒnglich vorgeschlagene temporĂ€re NOx-Grenzwert von 128 Milligramm pro Kilometer anstatt des Grenzwerts von 168 Milligramm pro Kilometer vorgeschrieben worden wĂ€re.“

Kritisch sieht der Rechnungshof auch neue Kontrollvorschriften. Diese ermöglichten es zwar, die Diskrepanz zwischen Labor- und Emissionswerten im realen Fahrbetrieb besser zu ĂŒberwachen. Die Hersteller könnten aber neue Optimierungsmöglichkeiten nutzen, um die Kohlendioxid- und Stickoxidwerte ihrer Fahrzeuge wĂ€hrend der Tests anzupassen.

Auslöser des Diesel-Skandals waren Untersuchungen von Volkswagen-Autos. Der Konzern musste daraufhin im September 2015 zugegeben, Stickoxid-Werte bei Dieselwagen manipuliert zu haben [1]. Andere Hersteller wie Daimler stehen ebenfalls unter Verdacht, illegale Technik benutzt zu haben. Die Politik reagierte mit strengeren Regeln und Überwachungen.

So ist die EU-Kommission nunmehr befugt, die Arbeit der nationalen Typgenehmigungsbehörden zu ĂŒberprĂŒfen, Fahrzeuge zu prĂŒfen, Typgenehmigungen zu widerrufen oder auszusetzen und Sanktionen zu verhĂ€ngen. Zudem sind allen EU-Staaten Tests von Fahrzeugen im realen Fahrbetrieb vorgeschrieben. (fpi [2])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-4301080

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Wie-ging-Volkswagen-bei-der-Manipulation-der-Abgaswerte-vor-2822634.html
[2] mailto:fpi@heise.de