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Elektroautos: Der P3 Charging Index

Christoph M. Schwarzer
Elektroautos, alternative Antriebe

Der Porsche Taycan ist das Elektroauto mit der besten Langstreckentauglichkeit. Das zumindest besagt der Charging Index von P3 Automotive. Der verrÀt, wie viel Kilometer in 20 Minuten nachgeladen werden können

Der Porsche Taycan (Test) [1] ist das Elektroauto mit der besten Langstreckentauglichkeit. Das zumindest sagt der ĂŒber den Branchendienst Electrive.net veröffentlichte Charging Index von P3 Automotive. Beim Beratungsunternehmen P3 Automotive arbeiten Fachleute, die Batteriezellen und batterieelektrische Fahrzeuge aus der weltweiten Industrie seit Jahren genau untersuchen. Ihre These: Die maximale Ladeleistung und damit die höchste mögliche Ladegeschwindigkeit ist nur einer unter mehreren Faktoren fĂŒrs schnelle Vorankommen auf der Autobahn. Wichtig sei, so heißt es im Papier [2], „vielmehr die Zeit, in der echte Reichweite oder Kilometer nachgeladen werden können“. Das schließt auch die dauerhafte Ladeperformance und den Stromverbrauch mit ein.

P3 Automotive möchte mit dem Charging Index Vergleichbarkeit schaffen. Hierzu definieren die Berater ein Ideal, nĂ€mlich dass ein batterieelektrisches Auto in 20 Minuten Strom fĂŒr 300 weitere Kilometer laden kann. Der Quotient aus der tatsĂ€chlich in diesem Zeitraum speicherbaren Reichweite und dem Zielwert von 300 Kilometern ergibt den Charging Index fĂŒrs Ranking. Noch erreicht kein Elektroauto auf dem Markt eine Indexzahl von 1. Der bestplatzierte Porsche Taycan lĂ€dt in dieser Zeit Strom fĂŒr 216 km, kommt also auf 0,72. Es folgen der VW ID.3 [3] (211 km, 0,70), das Tesla Model 3 [4] (197 km, 0,66), der Audi e-tron [5] (173 km, 0,58) und das Tesla Model S [6] (160 km, 0,53).

Elektroautos: Der P3 Charging Index (0 Bilder) [7]

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Beim Design des Charging Index gehen die Macher davon aus, dass ein Langstreckenfahrer ohnehin nach spĂ€testens 300 Kilometern eine Pause macht. FĂŒr den Stromverbrauch dient der Verbrauch im WLTP [9] mit einem Aufschlag aus dem ADAC Ecotest [10] – dort ist der Anteil mit 130 km/h höher – als Berechnungsbasis. Entscheidend, und hier kommt das eigentliche Wissen von P3 zum Tragen, ist allerdings die Ladekurve. Hier wurde zugunsten der Elektroautos davon ausgegangen, dass der Ladestand (State of Charge oder SOC) bei 20 Prozent beginnt und bei 80 Prozent endet. Im Regelfall, also keineswegs grundsĂ€tzlich, startet das Laden mit einer hohen Leistung und lĂ€sst dann schrittweise nach.

In der Szene der Elektromobilisten und besonders in der Tesla-Community hat das Papier von P3 Automotive den klaren MaßstĂ€ben zum Trotz Unmut hervorgerufen: Wie kann es sein, dass der Porsche Taycan eine bessere Langstreckentauglichkeit haben soll als ein Tesla Model S? Schließlich wurde gerade erst eine nur durchschnittliche Reichweite nach dem US-Verfahren EPA fĂŒr den Porsche veröffentlicht (201 Meilen / 324 km), wĂ€hrend das Tesla Model S in der Performance-Version viel weiter (348 Meilen / 560 km, Long Range-Variante: 373 Meilen / 601 km) kommt.

Die ErklĂ€rung liegt zuerst in dem, was der Charging Index abbilden soll: Nicht die absolute Reichweite, sondern die FĂ€higkeit zum schnellen Nachladen. Hier liegt die StĂ€rke der Veröffentlichung von P3. Die Ladekurven der unterschiedlichen Fahrzeuge werden sichtbar und jeder Interessent kann fĂŒr sich entscheiden, was in seinem Nutzungsprofil PrioritĂ€t hat.

Hierzu lohnt es sich, drei Elektroautos mit herauszugreifen. Der Porsche Taycan zum Beispiel hat als Alleinstellungsmerkmal ein Batteriesystem mit 800 Volt Spannung. Das ist die Basis fĂŒr die aktuell höchste Peakleistung (270 kW, Werksangabe) und die höchste durchschnittliche Ladeleistung von 224 kW im Fenster von SOC 20 bis 80 Prozent. Die NettokapazitĂ€t von 83,7 kWh wird also durch die Ladegeschwindigkeit kompensiert. Wie gut das funktioniert, wird heise/Autos im MĂ€rz 2020 mit einem Taycan Turbo ausprobieren.

WĂ€hrend die Ladekurve des Porsches ab gut 45 Prozent SOC abfĂ€llt, bleibt die des Audi e-tron weitgehend konstant. Peakleistung (155 kW) und durchschnittliche Leistung (149 kW) unterscheiden sich kaum, was sich im Test als positiv fĂŒr die Praxistauglichkeit erwiesen hat. Konstanz unter allen Bedingungen bedeutet VerlĂ€sslichkeit.

Ganz anders ist es beim Tesla Model 3 [11]: Der Hersteller gibt an den neusten Superchargern (v3) eine maximale Ladeleistung von 250 kW an. In dieser Klasse bietet niemand mehr. Äußerst positiv bei Tesla ist außerdem die Modellpflege durch Softwareupdates (OTA, over the air). Alle Model 3 im Bestand haben inzwischen eine erheblich höhere Peakladeleistung [12] als zum Marktstart. Aber: Die Ladekurve der Sportlimousine fĂ€llt steil ab und hat „im Testfeld die schnellste Absenkung“, so P3. Im Fenster von 20 bis 80 Prozent SOC sind im Mittel 128 kW möglich, was immer noch ĂŒppig ist.

Das Methodendesign von P3 Automotive schneidet beim Tesla Model 3 den Bereich der höchsten Ladeleistung heraus, nÀmlich den unter 20 Prozent SOC. Es wÀre spannend zu sehen, wie eine Vergleichsfahrt auf der Autobahn zwischen verschiedenen batterieelektrischen Pkw in der RealitÀt ausgeht.

Möglicherweise wĂ€re das Tesla Model 3 ganz vorne: Es hat selbst in der Performance-Version mit Winterreifen im Autobahntest (130 km/h) von heise/Autos nur knapp 21 kWh verbraucht. Zugleich ist die NettokapazitĂ€t mit gut 74 kWh ziemlich groß, und ein geĂŒbter Fahrer wird immer versuchen, die Batterie in den besten Bereich herunterzufahren und nur die Zone der höchsten Ladeleistung abzugreifen. UnabhĂ€ngig davon ist bis zum Erscheinen des VW ID.3, dessen Alltagstauglichkeit noch nicht geprĂŒft werden konnte, offensichtlich, dass das Tesla Model 3 die beste Preis-Reichweiten-Relation aufweist. (chlo [13])


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Fahrbericht-Porsche-Taycan-Turbo-S-4534623.html
[2] https://www.electrive.net/wp-content/uploads/2019/12/P3-Charging-Index-Presseinformation.pdf
[3] https://www.heise.de/news/Vorstellung-VW-ID-3-4516910.html
[4] https://www.heise.de/tests/Test-Tesla-Model-3-4400919.html
[5] https://www.heise.de/tests/Test-Audi-e-tron-55-quattro-4470448.html
[6] https://www.heise.de/news/Der-Stromschnellste-2063319.html
[7] https://www.heise.de/bilderstrecke/4747488.html?back=4619278;back=4619278
[8] https://www.heise.de/bilderstrecke/4747488.html?back=4619278;back=4619278
[9] https://www.heise.de/news/BEV-Reichweitenermittlung-nach-WLTP-3891502.html
[10] https://www.heise.de/news/ADAC-Antriebsvergleich-Weisse-Weste-2788923.html
[11] https://www.heise.de/meinung/Klartext-Tesla-schoener-Goetterfunken-4606115.html
[12] https://www.heise.de/news/Die-C-Rate-Wie-Ladeleistung-und-Batteriegroesse-zusammenhaengen-4535987.html
[13] mailto:chlo@heise.de