Fahrbericht: BMW 330i G20
Der neue 3er soll BMW zum Kern der Marke zurĂŒckfĂŒhren. Mehr als bei den vergangenen Generationen bekennen sich die Bayern dabei zum Thema Sportlichkeit. Und die ist selbst ohne ein M im Signet eindrucksvoll
Der blaue BMW M2 vor uns donnert die Streckenabschnitte Schwedenkreuz und Flugplatz hinauf und vergröĂert seinen Abstand auf uns. Thomas KĂ€fer, bei BMW fĂŒr die integrierte Fahrwerksapplikation in der Mittelklasse verantwortlich, zeigt, was geht. Er kennt die Nordschleife des NĂŒrburgrings wie aus dem Eff-Eff, die 370 PS des aufgeladenen M2-Reihensechszylinder tun das ĂŒbrige.
Wir versuchen in einem noch getarnten Vorserienmodell des kommenden 3er BMW zu folgen und staunen auch noch paar Kurven weiter ĂŒber die exzellente LenkprĂ€zision und die beeindruckende Art und Weise, wie er die Leistung auf den höchst abwechslungsreichen Belag der Nordschleife bringt. Das Fahrwerk des neuen BMW 3ers macht nach Breitscheid die Bergauf-Passage zu Bergwerk, Kesselchen und Klostertal hinauf mĂ€chtig Eindruck. Die 370 PS starken Reihensechser hĂ€tten wir auch gerne unter der Haube, doch in unserem Auto verrichtet der vergleichsweise brave Zweiliter-Turbo seinen Dienst.
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Der aufgeladene Zweiliter-Turbo hĂ€ngt klasse am Gas und hat mit seinen 190 kW / 258 PS jede Menge Dampf. âDer 330i leistet rund 5 Kilowatt mehr als bisher und verbraucht dabei fĂŒnf Prozent weniger Kraftstoffâ, so Jos van As, Leiter Applikation Fahrdynamik im Hause BMW, âdie Gewichtsverteilung liegt wie es sich bei uns gehört, bei 50:50 und der neuen Dreier ist je nach Modell 55 Kilogramm leichter geworden.â
Zum ersten mal mit Differenzialsperre
Es geht ins spektakulĂ€re Caracciola-Karussell mit ihren ruppigen Panzerplatten hinauf auf die hohe Acht, mit 616 Metern der höchste Punkt des EifelgeschlĂ€ngels. Wieder glĂ€nzen die DĂ€mpfer, die Lenkung sowie die Art und Weise, Meter zu machen. Die neue Limousine hat mehr Spurweite und eine steifere Karosserie â das ist spĂŒrbar. Dabei ist der BMW 330i nicht mit adaptiven DĂ€mpfern unterwegs, sondern mit einem sportlichen Basispaket aus leichter Tieferlenkung und voll sperrbarem Bremsdifferenzial.
Die Abstimmung ist stramm, nicht hart und daher fĂ€hrt der Prototyp auf der ĂŒber 20 Kilometer langen Nordschleife des NĂŒrburgrings so souverĂ€n wie eine halbe Stunde spĂ€ter zusammen mit Entwickler Thomas KĂ€fer auf den LandstraĂen in der Umgebung von Adenau und Meuspath, wo sich die LandstrĂ€Ăchen so wunderbar schlĂ€ngeln. Fahrdynamik, Komfort, Nicken, Wanken und das rechte Einlenkverhalten lĂ€sst sich hier perfekter als auf jeder kĂŒnstlichen Teststrecke unter die Lupe nehmen. Der BMW 330i des zukĂŒnftigen G20 soll das Kernmodell der neuen Baureihe werden. âDer Wagen ist besonders sportlich positioniert und dann wie hier mit optionaler Differenzialsperre und Sportfahrwerk unterwegsâ, erklĂ€rt der aus Koblenz stammende Thomas KĂ€fer, âdas passt perfekt zum Dreier.â Der neue ViertĂŒrer bringt seine Kraft mit unspektakulĂ€r anmutenden 19-Zoll-Felgen immer wieder exzellent auf die Fahrbahn und glĂ€nzt beim Herausbeschleunigen aus engen Kehren: Die Traktion scheint ihm dabei nicht auszugehen.
Vor Jahren war der BMW 330i als Nachfolger von 325i und 328i das sportliche AushĂ€ngeschild der Dreierreihe. Einen Ruf brachte ihm dabei jedoch der Reihensechszylinder, der die Kunden verzĂŒckte und die Konkurrenz gleichermaĂen an MotorprĂŒfstĂ€nden verzweifeln lieĂ. In der nun ausgelaufenen Generation hielt auf der 330er-Position der allenfalls mĂ€Ăige Vierzylinder mit Turboaufladung Einzug â die Fangemeinde weint bis heute. Was wĂ€re es fĂŒr ein Paukenschlag gewesen, hĂ€tte BMW die so wichtig eingeschĂ€tzte Position des neuen 330i im G20 wieder mit einem fair bepreisten Dreiliter-Reihensechszylinder bestĂŒckt? Die Fans hĂ€tten gejubelt, die Konkurrenz hĂ€tte kaum etwas entgegenzusetzen gehabt. Wie man hört, gab es durchaus entsprechende Ăberlegungen, doch das Diktat des Flottenverbrauchs verhinderte den Reihensechser. Chance vertan.
Der Flottenverbrauch soll der Reihensechser verhindert haben
So ist der neue BMW 330i mit seinem Vierzylinder, der 190 kW/258 PS und 400 Nm erreicht, klar besser als der VorgĂ€nger. Zu den Fahrleistungen soll nun aber das Fahrwerk noch mehr beitragen. BMW-Entwickler Mischa Bachmann variiert an seinem Notebook ein weiteres Mal die Lenkparameter. âWir wollten prĂ€ziser und direkter werden; dabei aber nicht nervös wirkenâ, erklĂ€rt der junge Mann mit Brille und Bart, âwir haben hier eine sehr gute Mischung gefunden.â Da kann man ihm nur zustimmen, denn bei der Lenkung setzt der neue BMW Dreier in der Mittelklasse die neuen MaĂstĂ€be.
Weltpremiere fĂŒr den neuen BMW Dreier ist Anfang Oktober auf dem Pariser Automobilsalon. Erst im MĂ€rz 2019 kommt er dann zu den HĂ€ndlern, zunĂ€chst nur als 330i mit 190 kW / 258 PS sowie als 320d mit 140 kW / 190 PS â jeweils mit Standard- und Allradantrieb. Wie bisher wird BMW zahlreiche Varianten bauen, wie etwa den Kombi und den 4er als CoupĂ©, Cabrio und als ViertĂŒrer mit FlieĂheck. SpĂ€ter kommt auch wieder ein Sechszylinder im M340i. Bis zu den Neuauflagen von M3 / M4 wird man sich aber noch gedulden mĂŒssen. (imp)
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