Hallo Spaceboy
Die Popkultur weint um den SĂ€nger David Bowie und die Gattung Computer-generierter Lyrik hat einen ihrer bekanntesten Vertreter verloren.
Die Popkultur weint um den SĂ€nger David Bowie und die Gattung Computer-generierter Lyrik hat einen ihrer bekanntesten Vertreter verloren.
2016 hatte es bereits in sich. Vor ein paar Tagen verstarb der Schauspieler Alan Rickman im Alter von 69 Jahren, dem in einer Studie von der Sheffield University im Jahr 2008 attestiert wird, die perfekte Stimme zu haben [1]. Seine Nachrufe folgen denen, die dem Popstar David Bowie gelten.
Sicherlich wurde auf Bowies Visionen [2] in Bezug auf das Internet und die Musikwirtschaft aufmerksam gemacht. Doch seine innovative Methode, Songs zu schreiben, wurde dabei auĂer Acht gelassen. Nachgeholt hat das ein Bericht auf Motherboard [3]: So nutzte er fĂŒr sein Album "Outside" von 1995 zum groĂen Teil eine Software namens Verbasizer. Dabei handelte es sich um ein Programm fĂŒr Mac-Laptops. Es war gewissermaĂen eine digitale Methode des Cut-Up-Verfahrens, das Lyriker und Schriftsteller der Beat-Generation nutzten, um Gedichte zu schreiben. Wörter oder Satzfragmente wurden dazu wahllos variiert, so dass in den Zeilen neue Bedeutungen entstanden.
Dass Bowie die Software nutzte, zeigte unter anderem auch die Ausstellung "David Bowie is" in London im Jahr 2013 im Victoria & Albert Museum. Die Software sparte dem Musiker vor allem Zeit. Statt Zettel zu beschriften oder Satzteile aus Zeitschriften auszuschneiden und neu anzuordnen, stellte der Verbasizer eine Schablone bereit. Eine relativ schlichte Lösung, doch fĂŒr Bowie offenbar sehr inspirierend. In Spalten fĂŒgte er SĂ€tze ein, aus ihnen generierte das Programm zufĂ€llig neuen Output. Das Ergebnis nutzte Bowie direkt als Liedzeile oder es verhalf ihm zu einer neuen Song-Idee, wie ich es mir gut bei dem Titel Hallo Spaceboy [4] vorstellen kann.
Was ist heute aus dem Verbasizer geworden? Der Entwickler Ty Roberts, der es Bowie einst vorstellte, hat die Software spĂ€ter in seiner Firma Gracenote [5] weiterentwickelt. Ăffentlich erhĂ€ltlich, scheint sie laut dem Blog Gnoetry Daily [6] nicht mehr zu sein. Das Prinzip von Auswahl und neuem Arrangement beherrschen jedoch die verschiedensten Programme [7]. Mit dem Transfer des analogen Cut-Up-Verfahrens in die digitale Welt zĂ€hlt Bowie fĂŒr mich zu den bekanntesten Vertretern von Lyrikern, die mittels Computer Gedichte schreiben [8]. (jle [9])
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https://www.heise.de/-3072976
Links in diesem Artikel:
[1] http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/7426923.stm
[2] https://www.heise.de/hintergrund/David-Bowie-war-auch-ein-Technikvisionaer-3069733.html
[3] http://motherboard.vice.com/en_ca/read/the-verbasizer-was-david-bowies-1995-lyric-writing-mac-app
[4] https://www.youtube.com/watch?v=c3_aekDjr9c
[5] http://www.gracenote.com/
[6] https://gnoetrydaily.wordpress.com/2010/09/15/other-tools-more-about-verbasizer/
[7] https://gnoetrydaily.wordpress.com/about/
[8] http://www.digitalhumanities.org/companion/view?docId=blackwell%2F9781405148641%2F9781405148641.xml&chunk.id=ss1-5-11&toc.depth=1&toc.id=ss1-5-11&brand=9781405148641_brand
[9] mailto:jle@heise.de
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