Mehr Sommerzeit, mehr Verkehrssicherheit
Die saisonale Zeitumstellung steht in der Kritik. Wer sie abschaffen will, sollte eine dauerhafte Sommerzeit fordern - im Sinne der Sicherheit von Kindern.
Die EU-Komission fĂŒhrt eine Online-Umfrage zur Zeitumstellung [1] durch und sorgt dafĂŒr, dass die Sommerzeit nicht nur Ende MĂ€rz und Ende Oktober GesprĂ€chsthema ist, sondern auch im Juli. Bis zum 16. August können BĂŒrger der EU darĂŒber abstimmen, ob sie die Zeitumstellung weiterfĂŒhren möchten oder ob sie bei einer dauerhaft geltenden Normalzeit lieber eine permanente Standardzeit (Winterzeit) oder Sommerzeit bevorzugen.
Gegen die zweimal im Jahr stattfinende Zeitumstellung werden viele Argumente vorgebracht, vor allem Schlafstörungen und das mĂŒhevolle Anpassen der inneren Uhr bewegen die Menschen. Die daraus resultierende gröĂere MĂŒdigkeit in den Tagen nach der Zeitumstellung soll auch fĂŒr mehr VerkehrsunfĂ€lle sorgen. Die Studien sind sich da aber uneins.
Einstimmiger sind die Untersuchungen dagegen in einer anderen Frage, die verwandt ist, aber seltener gestellt wird: Wenn es abends lÀnger hell ist, verringert das die Zahl schwerer VerkehrsunfÀlle? Und zwar trotz eines spÀteren Hellwerdens am Morgen?
LichtverhĂ€ltnisse haben groĂen Einfluss auf die Verkehrssicherheit. Die morgendliche und nachmittĂ€gliche Hauptverkehrszeit fĂ€llt in vielen Monaten in den Grenzbereich zwischen Tag und Nacht. Mit der Wahl zwischen Winter- und Sommerzeit gibt es ein Instrument, Anfang und Ende des lichten Tag so zu verschieben, dass die Bedingungen fĂŒr den Verkehr besser oder schlechter sind. Spontan könnte man annehmen, dass die Verschiebung kaum ins Gewicht fĂ€llt. SchlieĂlich fehlt jede Stunde Tageslicht, die man dem Abend schenkt, im gleichen MaĂ am Morgen.
Studien zeigen allerdings schon seit den Achtzigern einen signifikanten Einfluss, wie das BĂŒro fĂŒr TechnikfolgenabschĂ€tzung beim Deutschen Bundestag 2016 in seiner Bilanz der Sommerzeit [2] aufschlĂŒsselte. Broughton/Sedman untersuchten 1989 die ganzjĂ€hrige Anwendung der Sommerzeit in GroĂbritannien von 1968 bis 1971. Sie stellten fest, dass diese dauerhafte Sommerzeit die Zahl der Verkehrsunfalltoten um 232 verringerte, die Zahl der Schwerverletzten um 887. Dabei ging die Anzahl der getöteten FuĂgĂ€nger viermal stĂ€rker zurĂŒck, als die der getöteten Fahrzeuginsassen.
Andere Untersuchungen aus GroĂbritannien und den USA zeigen diesen Trend ebenfalls. Vor allem die Zahl an Todesopfern unter FuĂgĂ€ngern - darunter viele Kinder - geht bei geltender Sommerzeit zurĂŒck. Tageslicht ist fĂŒr die Verkehrssicherheit anscheinend nachmittags und abends wichtiger als am Morgen.
Von der Zeitumstellung mag man halten, was man will. Die Sommerzeit an sich ist jedoch ein erhaltenswertes, ja sogar ausbaufÀhiges Konzept. Zumindest bezogen auf die Unfallstatistik und hier insbesondere die verletztlichsten Verkehrsteilnehmer betreffend.
(anwe [3])
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[2] http://www.tab-beim-bundestag.de/de/pdf/publikationen/berichte/TAB-Arbeitsbericht-ab165.pdf
[3] mailto:anwe@heise.de
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