Diese verfluchten Etikettierungen! Einsamkeit, Trauer, Hoffnungslosigkeit, Enttäuschung, Scham, Mutlosigkeit, Verzweiflung, Niedergeschlagenheit, Kränkung jeglicher Art gibt es auch noch, wenn akademische Schwellköpfe den Begriff Depression beerdigen und dabei unendlich viel Text produzieren, der seinerseits wiederum Textlawinen zur Folge hat, denn über Begrifflichkeiten lässt sich ja so trefflich streiten. Sich mit den Ursachen der oben genannten Zustände zu befassen, ist dagegen unendlich mühsamer und würde diese Gesellschaft wie ein Kartenhaus zusammenstürzen lassen. Wobei die Mühen des Wiederaufbaus Depressionen verschwinden ließe, denn nichts drängt sie mehr in den Hintergrund als ein hungriger Bauch und ein undichtes Dach, was sich aber gewiss niemand wünscht. Daher hält man sich lieber an die Pharmazeutische Industrie und ihre bunten Pillen, wirkliche Hilfe hat die Psychiatrie nicht zu bieten, zumindest nicht auf Krankenschein. Was sie alleine wirklich leisten kann ist, mit Hilfe eines so anerkannten Krankheitsbegriffes wie Depression, Angeschlagene aus den sie krankmachenden Umständen zu befreien. Und das ist den Krankmachern ein Dorn im Auge ist, weswegen sie – das war mein erster Gedanke – diesen Krankheitsbegriff gerne abschaffen oder totreden wollen.