Aus GebÀrden wird Text
Forscher an der University of Aberdeen arbeiten an einer Software, die Hörbehinderten beim Kommunizieren mit Hörenden helfen soll.
Forscher an der University of Aberdeen arbeiten an einer Software, die Hörbehinderten beim Kommunizieren mit Hörenden helfen soll.
Gehörlose und schwerhörige Menschen nutzen oft GebĂ€rden, um mit ihrer Umwelt in Kontakt zu treten. Das Problem: Viele Hörende verstehen die visuelle Sprache schlicht nicht. Schottische Wissenschaftler entwickeln deshalb derzeit ein Verfahren, das als technische Ăbersetzungshilfe dienen soll. Dabei wird die Kamera eines MobilgerĂ€ts verwendet, um GebĂ€rdensprache zu erkennen und diese dann in Text umzusetzen. Das Verfahren wird von Technabling kommerzialisiert, einem Spin-off der University of Aberdeen.
Der sogenannte Personal Sign Language Translator [1], kurz PSLT, soll auf Laptops, Netbooks, Smartphones oder Tablets laufen und arbeitet mit jeder normalauflösenden Standardkamera. "Die GebÀrden werden sofort in Texte umgesetzt, die dann von der Person gelesen werden können, mit der man gerade kommuniziert", sagt Ernesto Compatangelo, einer der beteiligten Forscher. Ziel der neuen App sei es, eine schnellere Kommunikation zwischen Menschen, die GebÀrden nicht beherrschen, und Hörbehinderten zu erlauben.
Das System soll zunĂ€chst fĂŒr die GebĂ€rdenvarianten British Sign Language (BSL) und Makaton optimiert sein, wird sich aber auch an individuelle Nutzer anpassen lassen. "Eine der spannendsten Möglichkeiten unserer Forschung ist es, dass Nutzer ihr eigenes Vokabular festlegen können. Das gilt auch fĂŒr Wörter, die sich in der BSL schwer ausdrĂŒcken lassen", sagt Compatangelo. Der PSLT soll es so erlauben, zum Beispiel Fachbegriffe einzufĂŒgen. "Jede Art von Jargon ist möglich, egal ob im Bildungs- Arbeits- oder Heimbereich."
Compatangelos Kollege James Christie, der selbst teilweise taub ist und GebĂ€rden im tĂ€glichen Leben nutzt, glaubt, dass die Technik besonders solchen Menschen helfen könnte, die taub geboren sind oder frĂŒh ihr Gehör verloren haben. "Der PSLT eignet sich insbesondere in Situationen von Mensch zu Mensch, beispielsweise bei Seminaren oder in der Gruppenarbeit." Die Zielgruppe ist nicht klein: In GroĂbritannien gibt es allein 70.000 Personen, die die GebĂ€rdensprache BSL aktiv nutzen.
Compatangelo, Christie und ihre Kollegen untersuchen derzeit verschiedene Umsetzungsmöglichkeiten bei der Nutzerschnittstelle. Neben der Fernkommunikation wĂ€re es auch möglich, ein Smartphone als direkte Ăbersetzungshilfe zu nutzen, bei der der Text als Sprachausgabe an den Kommunikationspartner im gleichen Raum ausgegeben wird. Der Nutzer mĂŒsste dann nur noch dafĂŒr sorgen, dass er stets gut im Bild ist. Aktuell geht es Technabling aber zunĂ€chst darum, die Erkennungstechnik zu optimieren.
Der PSLT wĂ€re das erste System, das GebĂ€rden automatisch zuverlĂ€ssig ĂŒbersetzt. Alternativ besteht fĂŒr Gehörlose nur die Möglichkeit, einen Ăbersetzungsdienst, den sogenannten Video Relay Service (VRS), zu verwenden. Hierbei wird ein menschlicher Helfer zwischengeschaltet, der die GebĂ€rdensprache in Text oder gesprochene Sprache umwandelt, damit sie auch GesprĂ€chspartner verstehen, die keine GebĂ€rden beherrschen. VRS-Angebote gibt es mittlerweile auch fĂŒr Smartphones, als Kommunikationskanal dient dabei Videochat ĂŒber das Internet.
Die Technabling-Forscher sehen auĂerdem Anwendungsmöglichkeiten fĂŒr den PSLT, die ĂŒber die Nutzung durch Hörbehinderte hinausgehen. Menschen, die beispielsweise nach einem Unfall Sprachschwierigkeiten haben, könnten mit der Technik eigene Kommandos erfassen, um ihrem Umfeld mit Gesten schneller mitzuteilen, wo sie Hilfe benötigen. Ein Erlernen der GebĂ€rden wĂ€re so gar nicht notwendig. Ein weiteres Nutzungsfeld ist die Steuerung von "Smart Home"-GerĂ€ten oder Unterhaltungselektronik.
Egal fĂŒr welchen Anwendungszweck sich Technabling schlieĂlich entscheidet â die Vermarktung der PSLT-Software wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Aktuell ist ein Verkaufsstart fĂŒr Ende 2013 geplant. (bsc [2])
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