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Beton heilt sich selbst

Mike Orcutt

Koreanische Forscher haben eine Methode gezeigt, mit der sich gefÀhrliche Risse in der OberflÀche des Baumaterials mit Hilfe von Sonnenlicht reparieren lassen. Der Mensch muss dabei nicht eingreifen.

Koreanische Forscher haben eine Methode gezeigt, mit der sich gefÀhrliche Risse in der OberflÀche des Baumaterials mit Hilfe von Sonnenlicht reparieren lassen. Der Mensch muss dabei nicht eingreifen.

Selbst die kleinsten Risse in Betonstrukturen können auf lĂ€ngere Sicht zu großen Problemen fĂŒhren, wenn sie nicht rechtzeitig entdeckt und repariert werden. Forscher an der Yonsei University in Korea haben deshalb nun eine neuartige Schutzbeschichtung [1] vorgestellt, die OberflĂ€chenschĂ€den selbststĂ€ndig ausbessern kann, bevor sie grĂ¶ĂŸer werden und die Statik eines GebĂ€udes kompromittieren.

Robusterer Beton in Bauwerken wie BrĂŒcken oder ÜberfĂŒhrungen könnte Behörden Milliarden an Wartungs- und Sanierungskosten sparen. In den vergangenen Jahren wird deshalb verstĂ€rkt an selbstheilenden Mechanismen fĂŒr eine große Zahl an Materialien geforscht, darunter auch Beton. Hierbei gibt es mehrere AnsĂ€tze – beliebt ist beispielsweise, den Beton selbst in seiner Zusammensetzung zu verĂ€ndern. Die koreanischen Forscher um Chan-Moon Chung, Professor fĂŒr Polymerchemie, tasten den Beton selbst dagegen nicht an, sondern beschichten ihn nachtrĂ€glich, ein Novum bei der Technik.

Zuvor war mit solch selbstheilenden Systemen normalerweise versucht worden, die Festigkeit beschĂ€digten Betons wieder herzustellen. Die Yonsei-Wissenschaftler wollen dagegen vermeiden, dass es ĂŒberhaupt zu grĂ¶ĂŸeren Rissen kommt, ĂŒber die dann Feuchtigkeit, Streusalz, Seewasser oder Kohlendioxidablagerungen in die Struktur eindringen können. DarĂŒber zersetzt sich der Beton von innen.

Die neue Beschichtung basiert auf Polymer-Mikrokapseln, die mit einer Lösung gefĂŒllt sind. Brechen die Kapseln auf, weil sich erste Mikrorisse gebildet haben, geben sie eine FlĂŒssigkeit ab, die unter Sonnenlichteinfluss zu einem wasserabweisenden Feststoff wird. Dieser fĂŒllt dann die Löcher auf.

Die Idee mit den Mikrokapseln ist nicht neu. Dabei wird ein sogenannter Healing Agent verwendet – zumeist ein Polymer in Verbindung mit einem Katalysestoff. "Es gibt aber wichtige EinschrĂ€nkungen bei diesem Ansatz", sagt Chung. Dazu gehöre die Tatsache, das Katalysematerialien oft teuer seien. Sonnenlicht als Katalysator sei billiger. Das verwendete Polymer ist dem Forscher zufolge zudem auch deshalb attraktiv, weil es selbst bei sehr niedrigen Temperaturen nicht gefriert und umweltvertrĂ€glich sein soll.

Um die Wirksamkeit der Beschichtung zu demonstrieren, besprĂŒhten die Forscher die OberflĂ€che von Betonproben und nutzten dann Rasierklingen, um kleine Risse zu produzieren. Ein Scan mit einem Elektronenmikroskop bestĂ€tigte, dass die Rasierklingen die Mikrokapseln dazu anregten, ihren Inhalt freizugeben, der dann die beschĂ€digten Bereiche auffĂŒllte. Nach mehreren Stunden in der Sonne zeigten weitere Mikroskopaufnahmen, das es tatsĂ€chlich zu einer "Heilung" des Materials gekommen war – nicht behandelte Proben blieben dagegen beschĂ€digt. Schließlich wiesen die Forscher nach, dass die neue Beschichtung weniger anfĂ€llig fĂŒr Wasser und Salz war als unbehandelte Proben.

Chung zufolge arbeitet die Forschergruppe derzeit daran, eine optimale Zusammensetzung fĂŒr die Beschichtung zu finden. Außerdem muss noch gezeigt werden, dass die Mischung ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum stabil bleibt. Bislang wurde bereits nachgewiesen, dass sie immerhin ein Jahr durchhalten kann. ()


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-1820709

Links in diesem Artikel:
[1] http://pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/am302728m