Der Schatz im Salzsee
In der bolivianischen SalzwuÌste Salar de Uyuni lagert das gröĂte Lithium-Vorkommen der Welt.
In der bolivianischen SalzwuÌste Salar de Uyuni lagert das gröĂte Lithium-Vorkommen der Welt. AuslĂ€ndische Fördergesellschaften stehen Schlange, doch Bolivien will den begehrten Rohstoff fuÌr Elektroautos und Batterien trotz fehlender Infrastruktur selbst abbauen.
Das Alkalimetall Lithium wird bisher hauptsĂ€chlich in Akkus fuÌr ElektrogerĂ€te, in der Keramik- und Glasherstellung sowie in Schmierstoffen verwendet. Doch es hat auch bei den Autobauern Begehrlichkeiten geweckt. Nach einer vom japanischen Hersteller Mitsubishi in Auftrag gegebenen Studie sollen allein die Akkus fuÌr Elektrofahrzeuge bis 2020 die Nachfrage nach Lithium verdoppeln und 40 Prozent der weltweiten Ressourcen beanspruchen.
Laut der US-Bundesbehörde U.S. Geological Survey besitzt Bolivien mit neun Millionen Tonnen die weltweit gröĂten Lithium-Vorkommen, davon gelten 5,5 Millionen Tonnen als abbaubar. Diese haben dem Andenstaat den Namen âSaudi-Arabien des Lithiumsâ eingebracht. Zwar ist Bolivien beim Abbau und beim Ausbau der Infrastruktur auf auslĂ€ndische Investitionen und Expertise angewiesen, doch hat PrĂ€sident Evo Morales verkuÌndet, dass er nach dem Silberraub der Konquistadoren im 16. Jahrhundert eine erneute AuspluÌnderung seines Landes verhindern will. An die Vergabe von Förderlizenzen knuÌpft der arme Andenstaat harte Bedingungen. Die Fördergesellschaften sollen Bolivien an den Gewinnen beteiligen und in den Ausbau des Strom- und StraĂennetzes investieren. Auch Fabriken zur Herstellung der Batterien sollen hier entstehen, damit die ArbeitsplĂ€tze im Land bleiben.
Die Förderindustrie sieht Boliviens Vorgehen mit Befremden: âDas ist kein attraktives GeschĂ€ftsmodell fuÌr ein westliches Unternehmenâ, sagt Eric Norris, Wirtschaftsdirektor des US-Unternehmens FMC Lithium, das in Argentinien Förderrechte besitzt. Die Auto-Industrie aber drĂ€ngelt. âWenn wir das Lithium aus Bolivien nicht bekommen, können wir unsere Autos nicht produzierenâ, klagt Oji Baba, Manager bei Mitsubishi.
Am Rande des Salar de Uyuni hat Bolivien den Lithium-Abbau bereits selbst in die Hand genommen. Die staatliche Bergbaugesellschaft Comibol legt riesige Verdampfungsbecken fuÌr die hochgepumpte Salzlake an, zieht eine Pilotanlage fuÌr die Weiterverarbeitung des Lithiums hoch. Eine deutsche Entwicklung könnte das bisher langwierige Verdampfen beschleunigen.
Wissenschaftler um Professor Wolfgang Voigt von der UniversitĂ€t Freiberg haben kegelförmige Anlagen entwickelt, mit denen auf der gleichen GrundflĂ€che bis zu dreimal so viel Wasser verdampft werden kann wie aus einem Becken. Doch bislang hat Boliviens Regierung wenig Interesse daran gezeigt. So bleibt abzuwarten, ob sich das Land tatsĂ€chlich zum âSaudi-Arabien des Lithiumsâ aufschwingen kann. Der Bevölkerung wĂ€re es zu wuÌnschen.
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