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Neue Karte verortet Kokain-Anbaugebiete

Nike Heinen
Die Spur des Schnees

Aus den BlÀttern des Kokastrauchs wird das Kokain gewonnen.

(Bild: Shutterstock)

In den vergangenen fĂŒnf Jahren ist der Kokainschmuggel um schĂ€tzungsweise 100 Prozent gewachsen. Chemiker der US-Drogenbehörde untersuchen, wie es dazu kam.

Immer wenn amerikanische Ermittler irgendwo im Land mehr als ein Kilogramm Kokain beschlagnahmen, bekommt Jennifer Mallette Post. Sie arbeitet bei der US-Drogenbehörde DEA, und als leitende Forensikerin des Cocaine Signature Program soll sie die Geschichte der Drogen nachzeichnen, die in den USA im Umlauf sind. Kommt eine Lieferung in ihrem Labor in Dulles, Virginia, an, geht Mallette auf Spurensuche im Schnee. "2.500 Proben bearbeiten wir im Jahr", sagt sie und klingt stolz. Die Chemikerin hat allen Grund dazu. Es gibt vermutlich kein Labor weltweit, das so gut ĂŒber die Standorte der Kokainfabriken in Kolumbien, Peru und Bolivien Bescheid weiß wie ihres.

Seit der Crack-Epidemie in den 1980er-Jahren pflegen die USA ihre Feindschaft zu den Drogenkartellen. Fiel ihnen eine Lieferung in die HĂ€nde, kannten Ermittler den Namen des Hafens, aus dem der Drogenfund verschifft wurde. Aber viel mehr wussten sie nicht. Wer waren die vielen versprengten HintermĂ€nner des GeschĂ€fts? Um diese Informationen zu bekommen, sollten die Ermittler der Behörden so viele wissenschaftliche Hintergrundinformationen wie möglich sammeln. Die Hoffnung war, auf diese Weise die Netzwerke aufspĂŒren zu können.

Bekannt ist, dass der grĂ¶ĂŸte Teil der global gehandelten Kokainmenge aus den feuchten BergregenwĂ€ldern der Anden stammt. Dort finden die anspruchsvollen KokastrĂ€ucher geeignete Bedingungen: Tau auf ihren BlĂ€ttern, schwarzen, humusreichen Boden und Bergluft. Aber die Anden sind ein riesiges, zerklĂŒftetes Gebiet. Wo genau liegen die Kokainplantagen? Und was passiert nach der Ernte? Ein wichtiger Teil dieser FĂ€hrtenarbeit ist das Cocaine Signature Program. Es existiert im Prinzip seit 1997, und inzwischen sind die Methoden so treffgenau, dass tatsĂ€chlich eine neue Karte des weltweiten Drogenhandels entstanden ist.


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