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Donald Trump weiter ohne Wissenschaftsberater

Emily Mullin

Der US-PrÀsident hat noch immer keinen offiziellen "Science Advisor" berufen. Dabei stapeln sich die Probleme.

Die Wahl des neuen US-PrĂ€sidenten Donald J. Trump liegt mittlerweile ĂŒber ein Jahr zurĂŒck. Die Themen Forschung und Wissenschaft scheinen bislang auf der Agenda eher ganz unten zu stehen. DafĂŒr spricht zumindest die Tatsache, dass die Trump-Administration die wichtige Position des "Science Advisor to the President", des Wissenschaftsberaters des PrĂ€sidenten, immer noch nicht besetzt hat. Die Berufung hat so lange noch nie gedauert, seit der amerikanische Kongress im Jahr 1976 das "Office for Science And Technology Policy" (OSTP), also das BĂŒro fĂŒr Wissenschafts- und Technikpolitik, im Weißen Haus offiziell einrichten ließ.

Andere wichtige Positionen im OSTP sind ebenfalls noch vakant. Das beunruhigt sowohl einige Kongressmitglieder als auch die weitere US-Forschungsgemeinschaft. Trump gilt im Allgemeinen nicht als großer Freund der Wissenschaft.

Um Abhilfe zu schaffen oder zumindest den Prozess zu beschleunigen, schickte eine Gruppe demokratischer Senatoren Ende November einen direkten Brief an Donald Trump. In dem Schreiben heißt es, es sei zwingend notwendig "gut qualifizierte" Wissenschafts- und Technikexperten zu bestimmen, um die unbesetzten Posten zu fĂŒllen.

In dem Brief heißt es weiter, dass das OSTP aktuell weniger als 50 Mitarbeiter zĂ€hlt, in der Vergangenheit waren es mehr als 130. Dabei hĂ€tten, so die Senatoren, solche Experten bei wichtigen Problemen helfen können, die in den ersten neun Monaten der Trump-Regierung die Schlagzeilen beherrschten – sei es nun der Klimawandel, der Atomvertrag mit dem Iran oder der Nuklearwaffenkonflikt mit Nordkorea.

Mitglieder des Senatsausschusses fĂŒr gesundheitliche Bildung, Arbeit und Renten hielten kĂŒrzlich ein Hearing zum Potenzial der sogenannten Gene-Editing-Technik in der Medizin ab. Die US-Regierung schwieg zu dem Thema bislang.

Kumar Garg, Senior Fellow der Society for Science and the Public, meint, dass die Position des Wissenschaftsberaters mindestens so wichtig ist wie andere der bekannten Beraterposten um den US-PrĂ€sidenten. "Warum hat man einen offiziellen Wirtschaftsberater und warum einen Berater zur nationalen Sicherheit? Es gibt den Glauben daran, dass dieses viele Bereiche abdeckende Thema fundamental wichtig fĂŒr unsere nationale PrioritĂ€tensetzung ist." Garg selbst war fast acht Jahre lang in verschiedenen Positionen im OSTP unter Trump-VorgĂ€nger Barack Obama tĂ€tig und zuletzt stellvertretender Direktor fĂŒr die Bereiche Lernen und Innovation.

Garg glaubt, dass auch der Kampf gegen die wiederaufgeflammte Drogenkrise in mehreren US-Bundesstaaten von einem offiziellen Wissenschaftsberater des US-PrÀsidenten profitiert hÀtte. Die Forschung könnte etwa an Alternativmedikamenten zu Opioiden arbeiten, um den Missbrauch einzudÀmmen.

Unter Obama half das OSTP unter anderem beim Ebola-Ausbruch in Afrika 2014, schuf neue Programme wie die BRAIN-Hirnforschungsinitiative an den National Institutes of Health und beteiligte sich an der Formulierung von Regeln zum Einsatz der KĂŒnstlichen Intelligenz. Das BĂŒro half Obama auch dabei, die Deepwater-Horizon-Ölkatastrophe im Golf von Mexiko beherrschbar zu machen.

Welche PrioritÀten das OSTP unter Trump setzt, lÀsst sich Garg zufolge bislang nicht feststellen. WÀhrenddessen gibt es VorschlÀge, Wissenschaftsbudgets der US-Bundesregierung massiv zu beschneiden.

John Marburger, der Wissenschaftsberater unter George W. Bush, begann seine Arbeit im September 2001, nachdem Bush sein Amt im Januar des gleichen Jahres angetreten war. Unter Obama stand der Wissenschaftsberater, John Holdren, noch vor der Inauguration fest. Sobald der PrĂ€sident einen Vorschlag unterbreitet hat, muss ihn der amerikanische Senat bestĂ€tigen. Derzeit gibt es keine Anzeichen dafĂŒr, dass der Prozessor unter Trump ĂŒberhaupt erst beginnen könnte.

(bsc [1])


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