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"Kaufhof braucht sich vor der Zukunft nicht zu fĂŒrchten"

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Kaufhof-Chef Lovro Mandac ĂŒber das Online-GeschĂ€ft und den Umbau der WarenhĂ€user: "Die ZuwĂ€chse im deutschen Einzelhandel kommen aus dem Netz."

Kaufhof-Chef Lovro Mandac gibt in einem Interview mit dpa und dpa-AFX Auskunft ĂŒber das Online-GeschĂ€ft und den Umbau der WarenhĂ€user:

Herr Mandac, der Mutterkonzern Metro hat die Tochter Kaufhof bereits vor vier Jahren zum Verkauf gestellt. LĂ€hmt diese Situation, sitzt der Kaufhof wie das Kaninchen vor der Schlange?

Lovro Mandac: Wir sind weder Kaninchen noch Schlange. Wir sind ein sehr agiles Unternehmen, das sich weiterentwickelt und sehr profitabel ist. Kaufhof braucht sich vor der Zukunft nicht zu fĂŒrchten.

Die Metro hatte nach der Karstadt-Pleite vor zwei Jahren einen Zusammenschluss von Kaufhof mit einem Teil der Karstadt-Filialen ins GesprĂ€ch gebracht. Daraus wurde nichts. Wird es langfristig gesehen weiterhin zwei große Warenhausketten in Deutschland nebeneinander geben?

Mandac: Ich glaube, dass ein Konsolidierungsprozess nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa von statten gehen wird. Und dieser wird sicher in den nĂ€chsten drei bis fĂŒnf Jahren zumindest begonnen werden und in einigen LĂ€ndern abgeschlossen sein. Der Kaufhof wird da eine sehr gute Rolle spielen und diesen Prozess sehr aktiv begleiten.

Was machen Sie in der Zwischenzeit? Der Umsatz in Deutschland stagniert bei 3,2 Milliarden Euro.

Mandac: Wir haben ein stabiles GeschĂ€ft. Die ZuwĂ€chse im deutschen Einzelhandel kommen aus dem Netz. Das wird auch fĂŒr uns ein Wachstumstreiber sein. Wir erweitern unser Online-Sortiment um Fashion und Accessoires. Die neue Web-Filiale wird bis Ende des Jahres mehr als 40.000 Artikel umfassen. Die Kunden können ihre Bestellung direkt in eine Filiale liefern lassen oder dort retournieren. Wir sind in Deutschland in ĂŒber 80 StĂ€dten mit 109 WarenhĂ€usern tĂ€tig. Der Kunde kann zwischen Netz und Filiale springen. Das wird auch einen positiven Effekt fĂŒr das stationĂ€re GeschĂ€ft bringen.

Welche GeschÀftserwartungen stehen dahinter? Wann wird die Gewinnschwelle erreicht?

Mandac: Im Augenblick ist unser Online-Business beim Umsatz im einstelligen Millionenbereich. In diesem Jahr wird es schon ein zweistelliger Millionenumsatz sein. Wir streben an, das InternetgeschÀft in den nÀchsten Jahren auf einen dreistelligen Millionenumsatz auszubauen.

Welche VerÀnderungen gibt es in den Filialen? Stehen einzelne HÀuser auf der Kippe?

Mandac: Wir nehmen Elektronikartikel in den Filialen nach und nach aus dem Sortiment. Die freiwerdende VerkaufsflĂ€che nutzen wir fĂŒr Textil, Lederwaren, Schuhe, Schmuck und Sportartikel. Der Prozess wird im nĂ€chsten Jahr abgeschlossen sein. Über 50 Prozent der ElektronikflĂ€chen werden schon neu genutzt. Keine Filiale gleicht mehr der anderen. Allein in diesem Jahr werden ĂŒber 40 Filialen umgebaut. Seit 2005 haben wir insgesamt mehr als eine Milliarde Euro investiert. 2010 haben wir vier Filialen aufgegeben, Mitte 2012 werden wie bereits angekĂŒndigt vier weitere HĂ€user folgen. Es ist nicht vorgesehen, darĂŒber hinaus Filialen zu schließen.

Ist mit Designermode und edlen Marken nicht mehr Geld zu verdienen?

Mandac: Wir sind und bleiben das Warenhausunternehmen fĂŒr Zielgruppe 35 Jahre plus, in der Hauptsache Frauen und Familien. Es gelingt uns, neue Modemarken zu gewinnen. Aber das muss ein behutsamer Prozess sein, indem man bei VerĂ€nderungen unten ein klein Wenig abschneidet und oben ein klein Wenig draufsetzt. Wir wollen nicht mehr als fĂŒnf Prozent der Ware pro Jahr austauschen. Wir sind aber nicht auf dem Weg, Galeria Kaufhof zum Designerhaus zu machen.

Mit welchen Erwartungen blicken Sie auf das WeihnachtsgeschÀft?

Mandac: Ich hoffe, dass das WeihnachtsgeschĂ€ft in diesem Jahr besser wird als 2010. Ich gehe nicht davon aus, dass sich der Kunde durch die derzeitigen Diskussionen in Wirtschaft und Politik in Angst und Schrecken versetzen lĂ€sst. Außerdem muss man bedenken, dass wir im WeihnachtsgeschĂ€ft 2010 extrem schlechtes Wetter hatten, das den Handel Umsatz gekostet hat. Auch die Konstellation der Tage ist dieses Jahr gĂŒnstiger.

SpĂŒren Sie denn derzeit eine Aufhellung der Konsumstimmung?

Mandac: Die ist aus meiner Sicht derzeit gar nicht so dunkel, vor allem wenn man bedenkt, dass wir in diesem Jahr nicht nur eine extreme Verlagerung der Schulferien in einigen BundeslÀndern hatten, sondern auch ein sehr spÀtes OstergeschÀft. Auch die Wetterkapriolen waren nicht ohne. Insofern hatte vor allem der textile Einzelhandel keine optimalen Bedingungen, die aber durch ein gutes WeihnachtgeschÀft wieder wettgemacht werden können. (jk [1])


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