Nanosatelliten starren in die Unendlichkeit
US-Forscher arbeiten an kleinen billigen Satelliten, die ab 2012 nach interessanten auĂerirdischen Welten Ausschau halten sollen.
US-Forscher arbeiten an kleinen billigen Satelliten, die ab 2012 nach interessanten auĂerirdischen Welten Ausschau halten sollen.
Wissenschaftler des Draper Laboratory [1] haben in Zusammenarbeit mit dem MIT kompakte Satelliten entwickelt, die kĂŒnftig eine der schwierigsten Aufgaben in der Astronomie wahrnehmen sollen: das Auffinden erdĂ€hnlicher Planeten auĂerhalb unseres Solarsystems, auf denen die Voraussetzungen fĂŒr Leben gegeben sind. Die sogenannten Nanosatelliten sind nicht gröĂer als ein Brot. Das erste Exemplar, das 2012 ins All aufbrechen soll, hört auf den Namen "ExoPlanetSat" [2]. Das System enthĂ€lt eine Hochleistungsoptik samt neuartiger Kontroll- und Stabilisierungstechnik.
ExoPlanetSat ist nicht der erste kleinere Satellit seiner Art, doch werden solche Mini-Erdtrabanten normalerweise fĂŒr einfache Kommunikations- und Beobachtungsmissionen genutzt. "Wir machen hier dagegen etwas völlig Neues", sagt Seamus Tuohy, Direktor fĂŒr Weltraumsysteme am Draper Laboratory.
ExoPlanetSat soll mit Hilfe spezieller Verfahren nach Planeten suchen. Dabei wird die Verdunkelung eines Sternes gemessen, die ein ihn umkreisender Planet auslösen kann. "Durchgangsbeobachtung" nennt sich diese Technik. Der Lichtdetektor im Satelliten hat dazu zwei Brennebenen-Arrays â eines fĂŒr die Observation der Sterne und eines fĂŒr die Durchgangsbeobachtung. Eine genaue Messung der HelligkeitsverĂ€nderung erlaubt es auĂerdem, die GröĂe eines Planeten zu berechnen. Die Umlaufzeit lĂ€sst wiederum auf die Entfernung zwischen Planet und seinem Stern schlieĂen.
Die in ExoPlanetSat verbaute Technik ist schon lĂ€nger im Einsatz, wurde bislang aber nur in gröĂeren Weltraumforschungseinrichtungen verwendet, etwa im französischen Satelliten CoRot, der im vergangenen Jahr einige interessante neue Planetenentdeckungen ermöglichte. Auch der Kepler-Satellit der NASA, gestartet 2009, arbeitet Ă€hnlich. ExoPlanetSat soll aber keine gröĂeren Weltraumteleskope ersetzen. "Er soll eine ErgĂ€nzung sein", sagt Sara Seager, Professorin fĂŒr Planetenwissenschaften und Physik am MIT. Nanosatelliten sollen sich auf individuelle Bereiche konzentrieren, die gröĂere Teleskope bereits vorselektiert haben. WĂ€hrend Kepler gleichzeitig 150.000 Sterne untersuchen kann ("Sweep"), kĂŒmmert sich ExoPlanetSat um einen einzigen.
Zur genauen Helligkeitsmessung mĂŒssen die Ingenieure allerdings zunĂ€chst dafĂŒr sorgen, dass der Satellit stabil bleibt â eintreffende Photonen mĂŒssen stets im gleichen Bildpunktbereich auftreffen, erlĂ€utert Seager, die selbst auch beim Kepler-Projekt mithilft. "Jede Störung, die den Satelliten in seiner Position verĂ€ndert, sorgt fĂŒr verschwommene Bilder und nicht verwendbare Messwerte", sagt sie.
Zur prĂ€zisen Kontrolle und Stabilisierung des kleinen Objektes haben die Draper- und MIT-Forscher eine eigene Bordelektronik entwickelt, Sogenannte Reaction Wheels dienen der Höhensteuerung. Batteriegetriebene piezoelektrische Motoren kontrollieren die Bewegungen des Bilddetektors, der vom Rest des Satelliten entkoppelt ist und gĂ€nzlich unabhĂ€ngig arbeitet. (Die Batterien werden von Solarzellen geladen.) "Die Motoren bewegen den Detektor so prĂ€zise zur Bewegung des Satelliten, dass sie durch den Menschen gar nicht wahrgenommen werden können", sagt Seager. "Das ist eine GröĂenordnung besser als alle bislang vorgefĂŒhrten kleinen Satelliten."
ExoPlanetSat hat ein Volumen von nur drei Litern: Der Satellit ist zehn Zentimeter hoch, zehn Zentimeter breit und 30 Zentimeter lang. "Es war eine groĂe Ingenieursleistung, all die Hardware in dieses kleine Paket zu stopfen â inklusive der notwendigen RechenkapazitĂ€t und Speichertechnik", sagt Tuohy.
Jeder Nanosatellit soll spĂ€ter einmal minimal 600.000 Dollar Kosten â ExoPlanetSat wird mit 6 Millionen Dollar etwas teurer. Ein bis zwei Jahre soll ein solches System im All bleiben. Auf lĂ€ngere Sicht hoffen Seager, Tuohy und ihre Kollegen auf eine ganze Flotte der kleinen Satelliten, ausgerichtet auf möglichst erdnahe, helle Sterne. (bsc [3])
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[1] http://www.draper.com/
[2] http://mit150.mit.edu/open-house/activity/talaris-and-exoplanet-sat-how-do-draper-and-mit-engineers-get-spacecraft-hop-or-
[3] mailto:bsc@heise.de
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