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Recycling-Roboter fĂŒr 3D-Druck

Ben Schwan

Mit dem Filabot lassen sich KunststoffabfÀlle zu Rohstoffen verwandeln, die dann wieder in 3D-Printern verwendet werden können.

Mit dem Filabot lassen sich KunststoffabfÀlle zu Rohstoffen verwandeln, die dann wieder in 3D-Printern verwendet werden können.

Einfache 3D-Drucker gibt es zwar schon fĂŒr wenige Hundert Euro, doch das Druck-Material muss meist direkt vom Hersteller bezogen werden und ist entsprechend teuer. Die GerĂ€te benötigen die Rohmaterialien, um den gewĂŒnschten Gegenstand aus digitalen Dateien mit passender Software herstellen zu können. Dabei werden neben Harzen und Keramikpulvern zumeist verschiedene Kunststoffe verwendet, die insbesondere bei den billigeren Druckern von einer Rolle kommen. Ein DĂŒsensystem schmilzt das Material dann an und verarbeitet es Schicht fĂŒr Schicht, bis das Endprodukt entnommen werden kann.

Der Filabot [1] der kleinen US-Firma Rocknail Specialties will nun dafĂŒr sorgen, dass man fĂŒr den heimischen 3D-Drucker keine nagelneuen Rohmaterialien mehr kaufen muss: Bei dem GerĂ€t, das der Bastler Tyler McNaney aus Vermont entwickelt hat, handelt es sich um einen Recycling-Roboter fĂŒr KunststoffabfĂ€lle. Von diesen fallen Tag fĂŒr Tag bekanntlich große Mengen an – es reicht ein Familieneinkauf, um wieder ordentlich "Nachschub" zu erhalten.

Auf die Rolle: Der Filabot erzeugt einen langen Polymerfaden, der sich dann in einen 3D-Drucker einsetzen lÀsst.

Auf die Rolle: Der Filabot erzeugt einen langen Polymerfaden, der sich dann in einen 3D-Drucker einsetzen lÀsst.

(Bild: Whitney Trudo / Rocknail Specialties)

Das Filabot-System nimmt Teile aus dem KunststoffmĂŒll wie Plastikflaschen, WaschmittelgefĂ€ĂŸe oder altes Spielzeug in einer GrĂ¶ĂŸe von maximal zehn Zentimetern an und zerhĂ€ckselt diese GegenstĂ€nde zunĂ€chst. Anschließend erfolgt ein Schmelz- und Walz- sowie Extruderprozess. Endergebnis ist eine Rolle Polymerfilament, bei dem die FadengrĂ¶ĂŸe nach vorheriger Einstellung der des gewĂŒnschten 3D-Druckers entspricht. Ein Durchmesser zwischen 1,75 und maximal 3 Millimeter sind hierbei möglich.

Der Filabot kann mit diversen Thermokunststoffen wie Polyethylen in verschiedenen Varianten (von PET ĂŒber PE-LD bis PE-HD), ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymerisat) und sogar Nylon umgehen, wie McNaney sagt. Dazu lĂ€sst sich das WĂ€rmeelement im Recycling-Roboter an verschiedene Temperaturen anpassen, die fĂŒr die jeweilige Plastikart die richtige ist. PVC kann aus ToxizitĂ€tsgrĂŒnden dagegen nicht verwendet werden. Zudem mĂŒssen Nutzer stets darauf achten, was sie dem Filabot zur Verarbeitung reichen, denn nicht jedes Kunststoffteil ist rein genug.

Filabot-Prototyp: Das Team von Rocknail Specialties probierte verschiedene Bauweisen durch.

Filabot-Prototyp: Das Team von Rocknail Specialties probierte verschiedene Bauweisen durch.

Rocknail Specialties wĂŒnscht sich in einigen Jahren eine Art nachhaltigen 3D-Druck-Kreislauf: "3D-Druck befindet sich noch in den Kinderschuhen, doch wenn man einen Filabot mit einem 3D-Printer kombiniert, erhĂ€lt man ein geschlossenes Recycling-System auf dem Schreibtisch", so McNaney gegenĂŒber dem Magazin "Wired". Auch in EntwicklungslĂ€ndern sei so etwas sinnvoll. "Mit einem Filabot und einem 3D-Drucker können die Leute aus so einfachen Dingen wie einer Plastikgabel oder einem Becher ihre eigenen GegenstĂ€nde produzieren." Das fertige GerĂ€t verlangt vom Nutzer wenig: Er muss nur den Kunststoff reichen, die Kunststoffart auswĂ€hlen und einschalten. Anschließend entfernt er die Rolle – fertig.

Geld fĂŒr den Bau des Filabot sammelte Rocknail Specialties zunĂ€chst bei der Crowdfunding-Plattform Kickstarter – 156 UnterstĂŒtzer gaben mehr als das Dreifache der benötigten Summe von 10.000 US-Dollar. Wie bei ambitionierten Kleinprojekten ĂŒblich, dauerte es zunĂ€chst ein wenig: Im Januar 2013 stand die Massenproduktion kurz bevor, aktuell wird die erste Charge an SeriengerĂ€ten produziert, die im Sommer auf den Markt kommen könnten.

Fertiger Filabot: Die Produktion gelingt auch dank Crowdfunding auf Kickstarter.

Fertiger Filabot: Die Produktion gelingt auch dank Crowdfunding auf Kickstarter.

(Bild: Rocknail Specialties)

Die GerĂ€te dĂŒrften als Bausatz ab 350 Dollar erhĂ€ltlich sein. Voll zusammengebaute "Ready to Use"-Modelle gab es wĂ€hrend der Kickstarter-Kampagne fĂŒr 500 Dollar; fĂŒr 850 Dollar konnte man außerdem einen Filabot bestellen, bei dem sich die Polymerfilamente in verschiedene LĂ€ngen schneiden sowie die Extruderköpfe austauschen ließen.

Fortschritte bei der Extruder-Technik werden in Zukunft noch mehr Kunststoffe fĂŒr den 3D-Druck recyclingfĂ€hig machen, hofft McNaney. Zudem bastelt er an der Genauigkeit des Prozesses. Die 3D-Drucker selbst scheinen auch mit nicht ganz perfekten Rohmaterialien ordentlich zu arbeiten. Wie der Erfinder gegenĂŒber "Wired" sagte, störte sich sein eigener Printer auch an Luftblasen und zu geringem Durchmesser von Polymerfilament-Testrollen nicht. (bsc [2])


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https://www.heise.de/-1859906

Links in diesem Artikel:
[1] http://filabot.com/
[2] mailto:bsc@heise.de