SpaceX schickt wiederverwendbare Rakete zur ISS
Am 30.3. soll in Cape Canaveral eine mit Landebeinen ausgestattete Falcon 9 abheben, die spĂ€ter zur Erde zurĂŒckkehren wird. Es ist die erste Rakete ihrer Art und eine Premiere fĂŒr die private Raumfahrt.
Am 30.3. soll in Cape Canaveral eine mit Landebeinen ausgestattete Falcon 9 abheben, die spĂ€ter zur Erde zurĂŒckkehren wird. Es ist die erste Rakete ihrer Art und eine Premiere fĂŒr die private Raumfahrt.
Die Weltraumbranche blickt gebannt nach Florida: In Cape Canaveral wird erstmals eine Falcon-9-Rakete der Firma SpaceX starten, die teilweise wiederverwendbar ist. Nach dem Flug zur Internationalen Raumstation ISS soll die erste Stufe der Rakete ihre Motoren erneut starten. Mit diesem Schub geht es dann zurĂŒck in die AtmosphĂ€re, wo sie dann in kontrolliertem Flug zurĂŒck zur Erde schwebt. Normalerweise werden die Booster-Raketen beim Wiedereintritt zerstört. Der Start war ursprĂŒnglich fĂŒr Sonntag, den 16. MĂ€rz, vorgesehen und wurde nun vorerst auf den 30. MĂ€rz verschoben.
Die Landung erfolgt diesmal zunĂ€chst im Meer, im Atlantischen Ozean vor Cape Canaveral. Vor dem Wassern wird die Rakete dennoch ihre vier Landebeine ausklappen und kontrolliert herabschweben. Kurz vor der MeeresoberflĂ€che werden dann die Raketenmotoren abgeschaltet und die Falcon 9 stĂŒrzt ins Meer. Per Schiff wird sie dann wieder eingesammelt. SpĂ€tere FlĂŒge sollen dann auch an Land zu Ende gehen. Beim ersten Versuch sei das Meer aber sicherer, sollte die Rakete ihren Kurs verlassen, heiĂt es bei SpaceX.
Es ist eine Premiere fĂŒr die private Raumfahrt. Niemals zuvor wurde eine wiederverwendbare Rakete bei einem Flug zur ISS verwendet. Die Technik könnte, sollte alles glattgehen, Raumfahrtmissionen deutlich billiger machen. "Wiederverwendbarkeit gilt als heiliger Gral der Branche", kommentiert Jeff Foust von der Beratungsfirma Futron. Aktuell sind Einwegraketen der Standard, was enorme Kosten verursacht. Das sei, sagt Foust, Ă€hnlich, als wĂŒrde man fĂŒr jeden einzelnen Transatlantikflug ein neues Flugzeug bauen.
Tests in geringer Höhe mit der ersten Stufe der Falcon 9 und einem einzelnen Raketenmotor wurden bereits 2012 begonnen. Diese Versuche mit dem "Grasshopper" genannten System fanden in Texas statt. Die Flugbahnen wurden dabei immer weiter gesteigert, der letzte Test im vergangenen Oktober ging bis auf 744 Meter hoch.
Teilweise erfolgreich verlief auch der Versuch, drei der neun Raketenmotoren der Falcon 9 nach dem Absetzen eines Kommunikationssatelliten in einen geostationĂ€ren Orbit erneut zu starten. Dabei war die Rakete von der Vandenberg Air Force Base in Kalifornien abgehoben und legte dann einen kontrollierten Ăberschall-Wiedereintritt in die AtmosphĂ€re hin. Allerdings ging sie etwas spĂ€ter doch verloren, weil das Steuersystem versagte. Elon Musk, Chef von SpaceX, meint, dass das bei einer Rakete mit Landebeinen wohl nicht passiert wĂ€re, weil diese die Flugbahn stabilisiert hĂ€tten. Der Test am 16. MĂ€rz ist nun der erste, bei dem es mit besagten Landebeinen in den Orbit geht.
GeklĂ€rt werden soll mit dem Experiment auch, wie aufwendig es ist, eine soche Rakete fĂŒr den nĂ€chsten Flug aufzuarbeiten. Anfangs plant SpaceX nur die Wiederverwendung der ersten Stufe und ihrer neun Merlin-Raketenmotoren, die den gröĂten Teil der Kosten der Falcon 9 ausmachen. SpĂ€ter soll aber auch die zweite Stufe wiederverwendet werden.
Schon ohne die neue Technik hat SpaceX fĂŒr einigen Wirbel im Satellitenmarkt gesorgt, der fĂŒr Raketenstarts im Wert von 190 Milliarden US-Dollar im Jahr gut ist. Die Preise sind allgemein gesunken. So verlangt SpaceX fĂŒr einen Falcon-9-Start jeweils "nur" 55,6 Millionen Dollar. Die Konkurrenz gibt nicht öffentlich an, was sie haben möchte, doch bei Arianespace heiĂt es, dass man möglicherweise mehr Regierungssubventionen verlangen muss, um konkurrenzfĂ€hig zu bleiben.
SpaceX erhofft sich auch, einen Vertrag fĂŒr ein sogenanntes Evolved Expendable Launch Vehicle (EELV) von der amerikanischen Luftwaffe zu ergattern. Es soll Starts verlĂ€sslicher und vor allem billiger machen. Der einzige Konkurrent fĂŒr den Vertrag ist die United Launch Alliance (ULA), die pro Start 380 Millionen Dollar momentan aufruft.
Musk gab vor dem zustĂ€ndigen Budgetausschuss des US-Senats an, dass er hierfĂŒr nur noch 90 Millionen Dollar benötige. Grund fĂŒr die höheren Kosten im Vergleich zu kommerziellen Satellitenstarts sei die Tatsache, dass die Regierung keine spezielle Versicherung bereitstelle. "Um die Wahrscheinlichkeit eines Erfolges zu verbessern, ist hier aber ein deutlicher Overhead zur Sicherung der Mission notwendig", sagte er. Trotzdem bleibe SpaceX deutlich unter dem Preis von ULA.
Musk hofft, dass geringere Kosten auch zu einer höheren Nachfrage fĂŒhren. Experte Foust warnt allerdings davor, dass das nicht ohne Risiken ist. "Man muss wissen, dass viele Kunden, auch im Bereich kommerzieller Satellitenstarts, nicht sehr preissensibel sind. Deshalb rechnen die noch gar nicht mit geringeren Kosten durch Wiederverwendbarkeit."
Das bedeutet, dass die höhere Nachfrage womöglich aus neuen MĂ€rkten kommen muss, die bislang noch gar nicht existieren. "Ein wiederverwendbares System mit deutlich geringeren Kosten könnte fĂŒr SpaceX zunĂ€chst sogar kleinere UmsĂ€tze bedeuten, wenn sie es nicht schafft, die Nachfrage deutlich zu steigern", sagt Foust. Das könnte beispielsweise die kommerzielle bemannte Weltraumfahrt sein.
Dieser Bereich ist fĂŒr SpaceX aber nichts Neues. Die Firma wurde sogar ursprĂŒnglich mit dem Ziel gegrĂŒndet, Menschen ins All zu schicken. Sie ist auch eine von drei Firmen, die aktuell mit NASA-Geldern arbeiten dĂŒrfen, um Raumfahrzeuge zu entwickeln, mit denen Astronauten zur ISS geschickt werden können. Musk hofft sogar, SpaceX-Raumfahrzeuge eines Tages zum Mars zu bringen â und zwar zusammen mit menschlichen Siedlern. Und dafĂŒr braucht man viele kostengĂŒnstige Raketenstarts. (bsc [1])
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