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Studie: Windparks in der Nordsee nehmen sich gegenseitig den Wind weg

Gregor Honsel

Windkraft auf See: Borkum Riffgrund 2

(Bild: orsted.de)

Offshore-Windfarmen haben einen weit grĂ¶ĂŸeren Einfluss auf das lokale Klima als bisher angenommen, ergibt eine Simulation.

Über eine Entfernung von im Schnitt 35 bis 40 Kilometer können Offshore-Windparks einander ausbremsen.

Das ist das Ergebnis einer Studie des Helmholtz-Zentrums „Hereon“ [1], die jetzt in Nature Scientific Reports erschienen ist [2]. Bei stabilen Wetterlagen mit wenig Turbulenzen, vor allem im MĂ€rz und April, kann die Bremswirkung sogar 100 Kilometer weit reichen. In stĂŒrmischen Zeiten – besonders im November und Dezember – sei die AtmosphĂ€re hingegen so stark durchmischt, dass der Windpark-Effekt nach Angaben des Helmholtz-Zentrums kaum ins Gewicht fĂ€llt.

„AbhĂ€ngig von der GrĂ¶ĂŸe einer Windfarm kann das jĂ€hrliche durchschnittliche Winddefizit 2 bis 2,5 Meter pro Sekunde betragen, was einem Leistungsverlust von 1 bis 2 Kilowatt entspricht“, so das Hereon. „Die Leistung eines benachbarten Windparks kann sich damit um 20 bis 25 Prozent verringern.“

Um den Wind detailliert zu simulieren, hat Naveed Akhtar, Experte fĂŒr Regionale Klimamodellierung, mit seinem Team das Computer-Modell COSMO-CLM unter anderem mit Daten aus der Windparkplanung fĂŒr die Nordsee aus dem Jahr 2015 gespeist. Diese enthĂ€lt auch Windparks, die noch nicht gebaut worden sind. Mit diesen Daten simulierten die Forscher die WindverhĂ€ltnisse fĂŒr den Zeitraum von 2008 bis 2017 und glichen sie erfolgreich smit den real gemessenen Werten ab.

Mehr von MIT Technology Review Mehr von MIT Technology Review [3]

Das Besondere an der Arbeit sei, dass erstmals fĂŒr die ganze Nordsee ein voller Zehnjahreszeitraum berechnet wurde. „Herkömmliche Strömungsmodelle fĂŒr die Analyse von Windparks haben eine sehr hohe rĂ€umliche Auflösung, betrachten ein Windfeld aber nur ĂŒber kurze ZeitrĂ€ume“, sagt Akhtar. „Zudem lĂ€sst sich damit nicht ermitteln, wie ein Windpark die Luftströmung großrĂ€umig verĂ€ndert.“

Die Ergebnisse haben Konsequenzen fĂŒr die technische und politische Planung von Offshore-Windparks. „Wir haben einen Zielkonflikt beim Clustern von Windfarmen identifiziert“, heißt es im Paper. Das Zusammenfassen von Parks senke zwar die Investitionskosten fĂŒr die Infrastruktur, zum Beispiel fĂŒr den Stromanschluss, fĂŒhre gleichzeitig aber auch zu weniger Ertrag.

Schon heute hĂ€tten die Offshore-Stromproduktion einen „substanziellen Einfluss auf die dortigen atmosphĂ€rischen VerhĂ€ltnisse“. Diese Effekte wĂŒrden sich in Zukunft durch mehr und grĂ¶ĂŸere Turbinen noch verstĂ€rken.

Da Wind einer der zentralen Faktoren fĂŒr „ProduktivitĂ€t und Struktur der Ökosysteme“ sei, habe das auch Einfluss auf Meerestiere. Zudem beeinflusse der Wind auch die WĂ€rmeströmungen und damit das lokale Klima. Dies wollen die Forscher kĂŒnftig weiter untersuchen.

Wind in der Nordsee könne als „limitierte Ressource“ betrachtet werden, lautet das Fazit der Forscher. Mit den gegenwĂ€rtigen AusbauplĂ€nen seien lokal die Grenzen der Ausbeutung dieser Ressource erreicht. Sie fordern eine „bessere Planung und Optimierung der Standorte“. (grh [4])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-6066394

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.hereon.de/innovation_transfer/communication_media/news/101551/index.php.de
[2] https://www.nature.com/articles/s41598-021-91283-3
[3] https://www.heise.de/
[4] mailto:grh@technology-review.de