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Websites aktuell

| Jo Bager, Herbert Braun, Heiko Kothhöfer

http://schnell-schreiben.de [1]

Man kann Texte auch tippen, ohne es jemals gelernt zu haben. Echte Zwei-Finger-Profis legen ein beachtliches Tempo vor und haben sich ganz gut damit arrangiert, achtzig Prozent der HandextremitĂ€ten ungenutzt ĂŒber der Tastatur schweben zu lassen. Aber wenn der Kollege nebenan mit allen zehn Fingern die Tasten zum Klappern bringt, bleibt fĂŒr die Zeigefinger-Buchstabensuche nur noch der zweite Platz.

Ganz unverbindlich, ohne Software-Installation und gratis, kann man bei Schnell-Schreiben.de die Kulturtechnik des Tippens erlernen. Die Site von Christian Strang fĂŒhrt den Besucher durch 18 Lektionen, von der Grundstellung bis zu einem kompletten Text. FĂŒr die Tipp-Lektionen muss der Browser JavaScript zulassen.

Ein kleiner Tipp: Lassen Sie sich nicht von dem Text auf der Startseite verunsichern, der verspricht, man fege schon nach drei Stunden mit zehn Fingern ĂŒber die Tastatur. Insbesondere, wenn sich acht von zehn Fingern ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum an PassivitĂ€t gewöhnt haben, mĂŒssen sie erst ganz langsam an die neuen Aufgaben herangefĂŒhrt werden. (jo [2])

www.pdsounds.org [3]

Das Lachen eines Babys, das Rauschen einer Dusche, das Röhren einer Waschmaschine im Schleudergang: Alle Töne dieser Welt will das Projekt Public Domain Sounds sammeln. Das Webangebot will ein akustisches GegenstĂŒck zu Foto- oder Videosammlungen bilden. Denn gerade das Visuelle wird nach Meinung des ProjektgrĂŒnders generell zu stark betont, Akustisches dagegen vernachlĂ€ssigt. Jeder ist aufgefordert, selbst Aufgenommenes der Gemeinschaft beizusteuern; die Dateien sind kostenlos und lizenzfrei verfĂŒgbar.

Der Schwerpunkt liegt bei GerĂ€uschen; MusikstĂŒcke oder Instrumenten-Samples bleiben außen vor. In der beachtlichen Sammlung finden sich EindrĂŒcke aus der Natur ebenso wie verschiedene MaschinengerĂ€usche oder AlltĂ€gliches. Beim Auffinden eines speziellen GerĂ€uschs helfen eine Suchfunktion sowie eine Schlagwortliste. DarĂŒber hinaus beschreiben kurze Texte die Aufnahmen und geben Hinweise auf die QualitĂ€t der Samples, die in der Regel als MP3 vorliegen. Um die GerĂ€usche gleich online in der Website zu hören, ist ein Flash-Plug-in erforderlich. (Heiko Kothhöfer/jo [4])

www.weirdconverter.com [5]

Ein Blauwal wiegt so viel wie 2058 FĂ€sser Bier. Eine Gallone Wasser hat dasselbe Gewicht wie 133 menschliche AugĂ€pfel. Ein Marathon entspricht 0,524 PanamakanĂ€len. Die Golden Gate Bridge passt 5000-mal in die Chinesische Mauer - noch mehr schrĂ€ge Umrechnungen gefĂ€llig? Der Weird Converter arbeitet wie ein WĂ€hrungsumrechner, aber mit „Einheiten“, die ĂŒberhaupt nichts miteinander zu tun haben. Die englischsprachige Site hĂ€lt jeweils ungefĂ€hr zwei Dutzend Vergleichseinheiten fĂŒr Gewicht, LĂ€nge/Höhe und Volumen bereit. (jo [6])

http://einestages.spiegel.de [7]
www.miomi.com [8]

Wenige Großkopferte machen Geschichte, alle Menschen erleben sie. WĂ€hrend der Spiegel und sein Online-Ableger bisher das Tagesgeschehen und die MĂ€chtigen behandelten, will der neue Dienst einestages den Blick zurĂŒck richten und die Perspektive der kleinen Leute einnehmen, ein kollektives GedĂ€chtnis unserer Geschichte aufbauen. WĂ€hrend der ersten Tage lieferte der Dienst sehenswerte Fotos und interessanten Lesestoff, etwa ĂŒber den Beginn des deutschen Hip-Hop - in Sachsen - oder den Börsencrash am 19. Oktober 1987.

Jeder kann durch eigene Texte, Fotos oder Videos mitwirken. Allerdings nicht unmoderiert, denn eine Redaktion prĂŒft Fotos und TextbeitrĂ€ge. Gegebenenfalls kĂŒrzt oder redigiert sie Texte, einen Anspruch auf Veröffentlichung gibt es nicht. Bevor man aber eigene Inhalte hochlĂ€dt, sollte man sich die FAQ und das Kleingedruckte gut durchlesen. Wer Inhalte hochlĂ€dt, rĂ€umt Spiegel online zeitlich unbeschrĂ€nkte Rechte daran ein.

Bei Miomi trifft sich die große Geschichte mit dem sozialen Netzwerk im Tagebuch. Die Idee ist reizvoll: Die Gemeinde der Anwender schreibt an einer Chronik der Welt aus ihrer Sicht. Revolutionen, Katastrophen und politische VertrĂ€ge finden dort ebenso Platz wie UmzĂŒge, Hochzeiten oder der erste Milchzahn des Kleinen. Ob ein Ereignis den Rest der Welt interessiert, kann zum einen derjenige festlegen, der es aufschreibt (indem er es fĂŒr andere les- oder editierbar macht), zum anderen die ĂŒbrigen Miomi-Anwender, die ĂŒber das Ausmaß der historischen Relevanz abstimmen können.

Die mehr oder weniger historischen Momente, die in Wort, Bild oder Multimedia festgehalten sind, können die Anwender zu ihren grafisch schick aufbereiteten Zeitleisten packen. Dank Microsoft Virtual Earth lassen sich die Momente Orten zuordnen. Und wo User-generierter Content ist, ist auch ein soziales Netzwerk nicht weit. Wie sich das fĂŒr eine anstĂ€ndige Web-2.0-Anwendung gehört, ist Miomi im Betastadium, was sich in zĂ€hflĂŒssigen Reaktionszeiten, Bugs und nicht immer konsistenter Bedienung niederschlĂ€gt. (heb [9])


Die Websites aus c't 23/2007 [10]

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[2] mailto:jo@ctmagazin.de
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[4] mailto:jo@ctmagazin.de
[5] http://www.weirdconverter.com
[6] mailto:jo@ctmagazin.de
[7] http://einestages.spiegel.de
[8] http://www.miomi.com
[9] mailto:heb@ctmagazin.de
[10] https://www.heise.de/hintergrund/Websites-aktuell-291306.html