Wie lange hÀlt der Eisschild?
Erstmals haben Forscher den Eisschild in der Mitte Grönlands durchbohrt und Gesteinsproben genommen. Wie sie feststellten, scheint das Eis weniger stabil zu sein als bislang gedacht.
Um sieben Meter wĂŒrde der globale Meeresspiegel ansteigen, wenn der Eisschild von Grönland schmelzen wĂŒrde. Wie ein historischer Artikel in der Fachzeitschrift Nature [1] jetzt zeigt, ist die Gefahr dafĂŒr deutlich gröĂer als bislang angenommen. Das Ergebnis basiert auf Analysen an dem ersten StĂŒck Felsgestein, das jemals von unterhalb der gröĂten Eisablagerung in der nördlichen HemisphĂ€re herausgebohrt wurde.
Gesteinsprobe aus Grönland
Wissenschaftler um Jörg SchĂ€fer von der Columbia University untersuchten die Isotope in der Steinprobe aus Grönland, woran sich erkennen lĂ€sst, wie lange sie nicht von Eis bedeckt war. Bislang ging man davon aus, dass der Eisschild mindestens seit 1,4 Millionen Jahren stabil war, vielleicht sogar noch viel lĂ€nger. Die neue Studie zeigt jedoch, dass der Teil von Grönland, aus dem die Probe stammt, in dieser Zeit mindestens 280.000 Jahre lang eisfrei gewesen sein muss. Damit das sein kann, mĂŒsste der Eisschild laut den Modellen dafĂŒr zwischenzeitlich auf weniger als 10 Prozent seiner derzeitigen GröĂe geschrumpft sein.
"Wir mĂŒssen darauf vorbereitet sein, dass dieses Eisschild erneut verschwindet, und zwar bald", sagte SchĂ€fer laut einer Pressemitteilung auf der Website der Columbia University [2]. Weil die Menschheit weiterhin Treibhausgase in die AtmosphĂ€re emittiere, so Schaefer, "haben wir uns bereits auf deutlich steigende Meeresspiegel festgelegt â weitaus höher als nach den meisten Prognosen".
Grönlands Rolle beim globalen Meeresspiegel
Das soll nicht heiĂen, dass morgen eine Katastrophe ausbricht â einige Jahrhundert bis Jahrtausende wĂŒrde es schon dauern, bis derart viel Eis schmilzt. Anlass zur Sorge aber gibt, dass Grönland rund 25 Prozent zu den drei Millimetern beitrĂ€gt, um die der globale Meeresspiegel derzeit pro Jahr ansteigt. Dieser Beitrag und der Gesamtanstieg könnten rasch sprunghaft zunehmen, wenn anhaltende ErderwĂ€rmung fĂŒr ein beschleunigtes Abschmelzen sorgt.
Die Untersuchung von Grönlands Gesteinsprobe liefert gute GrĂŒnde fĂŒr die Annahme, dass es dazu kommen könnte. Bereits heute bergen steigende Meeresspiegel und Ăberflutungen [3] die Gefahr, die ImmobilienmĂ€rkte in KĂŒstenregionen zu ruinieren [4]. Es könnte also weitaus mehr als nur Eis in den Ozean fallen.
(sma [5])
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Links in diesem Artikel:
[1] http://www.nature.com/nature/journal/v540/n7632/full/nature20146.html
[2] http://www.earth.columbia.edu/articles/view/3350
[3] https://www.heise.de/tr/artikel/New-York-Strategien-gegen-die-Ueberflutung-3267979.html
[4] http://www.nytimes.com/2016/11/24/science/global-warming-coastal-real-estate.html
[5] mailto:s.mattke@gmail.com
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