Zahlen, bitte! 200 NeuanfÀnge, und zudem das Ende der Paragrafen 151/175
Lykke Aresin sorgte fĂŒr die "VerfĂŒgung zur Geschlechtsumwandlung von Transsexualisten" in der DDR. Zudem setzte sie sich frĂŒh gegen die "Schwulenparagrafen" ein
Vor 100 Jahren wurde Lykke Aresin in Bernburg geboren. Sie studierte Medizin und wurde FachĂ€rztin fĂŒr Neurologie und Psychiatrie. Als OberĂ€rztin leitete sie ab 1960 die Ehe- und Sexualberatungsstelle der UniversitĂ€tsfrauenklinik Leipzig. Anfang der 70er-Jahre kĂ€mpfte sie erfolgreich mit Gleichgesinnten fĂŒr die Streichung des sogenannten Schwulenparagrafen §175 bzw. §151 StGB der DDR. Im Jahre 1976 war sie Mitautorin der staatlichen "VerfĂŒgung zur Geschlechtsumwandlung von Transsexualisten", die die Betreuung und Behandlung von Transsexuellen in der DDR regelte.
Lykke Aresin entstammte einer Arztfamilie mit dĂ€nischen Wurzeln. Sie studierte in den 40er-Jahren Humanmedizin in Göttingen und Jena. Die OberĂ€rztin der Medizinischen Akademie Erfurt begann ihre akademische Karriere 1954 mit einem Lehrauftrag fĂŒr Neurologie an der UniversitĂ€t Leipzig. Als ihr Mann 1959 die Leitung der UniversitĂ€tsfrauenklinik Leipzig ĂŒbernahm, bekam sie die Leitung der seit 1946 existierenden Ehe- und Sexualberatungsstelle. Als Professorin hielt sie ab 1964 Vorlesungen ĂŒber Familienplanung und SexualitĂ€t.
GroĂen Einfluss hatte sie mit populĂ€ren BĂŒchern wie das "Jugendlexikon Junge Ehe" und der "Sprechstunde des Vertrauens", in denen sie z.B. den Leserinnen und Lesern riet, eine Ehe nicht ohne Koituserfahrungen einzugehen. FĂŒr den Fall einer "sexuellen Dysfunktion" riet sie, die Beziehung zu beenden, was in jungen Jahren leichter sei als nach einer mehrjĂ€hrigen Ehe. Sie befĂŒrwortete die pronatalistische Politik der DDR, die Geburten finanziell förderte, aber auch die Wunschkindpille auf Rezept verschrieb und den seit 1972 geregelten Schwangeschaftsabbruch kostenfrei ermöglichte. Allerdings durfte ĂŒber Abtreibungen nicht öffentlich diskutiert werden und die Zahl der SchwangeschaftsabbrĂŒche wurden geheim gehalten. Als Delegierte der DDR nahm sie von 1972 bis 1993 an den Treffen der DDR in der International Planned Parenthood Federation teil und leitete weltweit zahlreiche Workshops zur Familienplanung und Vermeidung von Jugend-Schwangerschaften.
GeschlechtsidentitÀt
In ihren Forschungsarbeiten beschÀftigte sich Lykke Aresin als Sexuologin mit Themen wie der BisexualitÀt, TranssexualitÀt und dem Transvestismus in der Tradition von Magnus Hirschfeld. Die Diskrepanz zwischen dem biologischen Geschlecht und der gegensÀtzlichen GeschlechtsidentitÀt sollte nach ihrer Vorstellung durch Operationen und entsprechende Hormonbehandlungen aufgehoben werden können.
Als gröĂten Erfolg verbuchte Aresin die "VerfĂŒgung zur Geschlechtsumwandlung von Transsexualisten", mit der in der DDR ab 1976 die Behandlung, der Vornamens- und Personenstandswechsel möglich wurden. "Wie weit nach der Operation der Transsexuelle in seiner neuen Rolle konfliktfrei lebt, ist von vielen Faktoren abhĂ€ngig, z.B. von dem anatomischen Gelingen der Operation, der sozialen Integration, den gesellschaftlichen Rollenmustern und der Suche nach einem Sexualpartner". Als Ărztin und Wissenschaftlerin betreute sie bis zu ihrer Emeritierung im Jahr 1981 knapp ĂŒber 200 solcher Geschlechtsumwandlungen und NeuanfĂ€nge.
Im Jahre 1990 grĂŒndete sie Pro Familia Sachsen und die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Sexualwissenschaft in der Tradition von Magnus Hirschfeld und Wilhelm Reich. Zu ihrem 75. Geburtstag wurde Lykke Aresin mit der Mitgliedsnummer 001 [2] geehrt. Die "GlĂŒckliche" (Lykke) starb am 7. November 2011.
(jk [4])
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