Zahlen, bitte! 4 Raumschiffe und ein Pilot: NASA-Urgestein John W. Young
John Watts Young war ein Astronaut der Superlative: Nicht weniger als vier verschiedene Raumfahrzeuge hat er in sechs Weltraummissionen gesteuert.

Die Karriere des amerikanischen Astronauten John Watts Young ist beispiellos: Nicht nur, dass er ein erfolgreicher Testpilot mit tausenden von Flugstunden in verschiedensten Flugzeugen und Helikoptern war. Vor allem seine Bilanz als Astronaut ist bemerkenswert: Er war sechsmal im All und das in drei verschiedenen Weltraumprogrammen. Er war auf dem Mond und war der erste Kommandant einer Space Shuttle Mission. Und er steuerte als einziger Mensch ĂĽberhaupt vier verschiedene Raumfahrzeuge.
Geboren wurde John Young am 24. September 1930 in San Francisco als Sohn eines Ingenieurs. In Zeiten der großen Depression zog die Familie zunächst weiter nach Georgia und dann nach Florida. Der kleine John bekam vom Opa das Lesen beigebracht und interessierte sich seit frühester Kindheit für die Luftfahrt.
Dieses Interesse wuchs in ihm immer weiter und führte Young in ein Studium der Luftfahrtechnik im Georgia Institute of Technology. Darin erwarb er 1952 einen Bachelor of Science mit höchster Auszeichnung. Direkt mit dem Studium in der Tasche begann er bei der Navy seinen Militärdienst.
Zunächst Feuerleitoffizier im Koreakrieg
Er diente dabei während des Koreakrieges auf der USS LAWS als Feuerleitoffizier. Im Juni 1953 wurde er im Naval Basic Air Training Command in Pensacola (Florida) zum Piloten ausgebildet. Wobei es beinahe nichts mit seiner Karriere als Pilot geworden wäre, aufgrund seines technischen Hintergrunds. Young sagte einmal: "Ich hätte mich fast dagegen entschieden, Pilot zu werden, weil man sich als erfahrener Ingenieur über den geringen Sicherheitsfaktor wundern muss."
Nach der Ausbildung zum Piloten diente er 1955-1959 auf den Flugzeugträgern USS Coral Sea und USS Forresta auf denen er unter anderem Flugzeuge vom Typ F9 Cougar flog.. Da machte er bereits mit überragenden Flugleistungen auf sich aufmerksam. Daraufhin begann er ab 1959 als U.S.Naval Test Pilot der School at Patuxent River (Maryland) und flog Neben der F8-D auch die F4-B Phantom inklusive neuartiger Waffensysteme.
Seinen trockenen Humor behielt er auch, nachdem bei einem Test es fast zu einer Kollision gekommen wäre. Beim Test von Luft-zu-Luft-Raketentsystemen flog Youngs und ein anderes Kampfflugzeug jeweils mit Mach 3 extrem eng aneinander vorbei und beide hätten dabei fast einen schweren Flugunfall riskiert. Young meinte dazu nur: "Ich erhielt vom Chief of Naval Operations [Anm. d. Red.: ranghöchster Offizier und Admiralstabschef der US Navy] ein Telegramm, in dem er mich bat, das nie wieder zu tun."
Mit Abenteuerlust ins Weltraumzeitalter
Angespornt von der Rede von President Kennedy, den Mond bis zum Ende des Jahrzehnts betreten zu wollen, bewarb sich Young um das Gemini-Programm, welches als Weiterentwicklung des Mercury-Programms entscheidende Erkenntnisse und Grundlagen fĂĽr das Apollo-Mondprogramm liefern (und die Zeit bis dahin ĂĽberbrĂĽcken) sollte.
Astronautengruppe 2 (dahinter), die fĂĽrs Programm im September 1962 rekrutiert wurden: stehend (l. n. r.): Edward H. White II, James A. McDivitt, John W. Young, Elliot M. See Jr., Charles Conrad Jr., Frank Borman, Neil A. Armstrong, Thomas P. Stafford, und James A. Lovell Jr.
(Bild: NASA)
Aufgrund von Umplanungen und krankheitsbedingten Ausfällen kam Young bereits in Gemini 3 zum Einsatz. Am 23. März 1965 war es so weit: Die Titan II - Rakete hob mit John Young und Virgil Grissom an Bord ab. Ziele waren Tests der Rakete, der Kapsel und der Manövrierdüsen, sowie drei wissenschaftliche Experimente. Der erste Flug zweier amerikanischer Astronauten in einer Kapsel verlief trotz kleiner Pannen bei den wissenschaftlichen Experimenten weitgehend erfolgreich.
Gefährliches Backwerk in die Kapsel geschmuggelt
Für Irritationen - bis in den Kongress hinein - sorgte allerdings der Corned-Beef-Zwischenfall: Da Virgil Grissom die neu entwickelte Weltraumahrung nicht mochte, schmuggelte John Young ein Corned Beef Sandwich in seinem Raumanzug, um es Grissom im All anbieten zu können. Allerdings ist es in der Tat keine gute Idee ein Brot mit ins All zu schmuggeln: Die Krümel, die normalerweise beim Abbeißen auf den Boden fallen, fliegen dann durch die Kapsel und könnten im schlimmsten Falle die empfindliche Elektronik beeinflussen.
Zahlen, bitte! Die WeltraumflĂĽge des John W. Young (22 Bilder)

23. März 1965
Flugzeit: 4 Stunden, 52 Minuten
Außerdem monierten Kongressabgeordnete, dass die für viel Geld entwickelte Weltraumnahrung verschmäht wurde. Der Karriere von Young tat der Zwischenfall aber keinen Abbruch. Der zweite Einsatz erfolgte 1966 mit Gemini 10. Hier wurden insgesamt erfolgreich zwei verschiedene Satelliten angesteuert, und erstmals ein Raumschiff durch einen externen Antrieb eines der Satelliten angeschoben. Die Außeneinsätze verliefen nicht optimal. Dennoch galt die Mission als erfolgreich.
Mit Charly Brown rund um den Mond
Mit Apollo 10 war Young als Pilot des Kommandomoduls "Charly Brown" an der letzten Mission vor der Mondlandung involviert. Bis auf die eigentliche Landung wurden sämtliche Manöver geprobt, die für die Mondlandung notwendig waren. Bis auf einige Schwierigkeiten beim Wiederaufstieg verlief die Mission erfolgreich. John Young war dabei der erste Astronaut, der den Mond alleine umkreiste. Aufgrund von Funk-Interferenzen zwischen dem Kommandomodul und der frei schwebenden Landefähre waren beim Überflug der erdabgewandten Seite bizarre Töne über Funk zu hören, die sich die Besatzung zunächst nicht erklären konnte.
(Bild: NASA)
In Apollo 13 war John Young als Ersatzkapitän vorgesehen. Als die Mission durch einen technischen Defekt im Kommandomodul einen dramatischen Verlauf nahm, half er als zeitweiliger Capcom-Verbindungssprecher bei der Kommunikation zwischen Houston und der Apollo 13 Crew.
In Apollo 16 flog Young endlich als Kommandant zum Mond. Am 16. April 1972 hob die gewaltige Saturn V - Rakete ab und auf den Tag genau heute vor 48 Jahren setzte die Mondlandefähre Orion auf dem Mond auf. Es wurde der zweitlängste Mondaufenthalt überhaupt. Drei ausgedehnte Außeneinsatze mit dem Lunar Roving Vehicle (LRV) wurden gefahren, in denen mehrere Experimente aufgebaut und durchgeführt und insgesamt knapp 96 Kilo Mondgestein mit zur Erde gebracht wurden.
Mit wenig Herzklopfen is All
Interessant war die Differenz der Herzschläge beim Start: Landemodul-Pilot Charles M. Duke hatte beim Start von Apollo 16 eine Herzfrequenz von 144 Schlägen pro Minute, während bei Young die Messgeräte grade einmal einen Wert von 70 aufnahm. Young meinte später ganz cool dazu, dass er für eine höheren Wert zu alt gewesen sei. Auf dem Mond erreichte Young zudem die Information, dass der Kongress die Mittel für die Entwicklung des Space Shuttle bewilligt hatte, was sein nächstes Abenteuer werden sollte.
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Young übernahm 1973 erst die Space-Shuttle-Abteilung und ein Jahr später das Astronautenbüro. Diesen Posten hatte er bis 1987 inne. 1976 schied er zudem mit dem Dienstgrad Kapitän zur See nach 25 Jahren Dienst aus der Navy aus.
Das Space Shuttle ausgetestet
Als erfahrendster Astronaut war es logisch, dass Young die schwierige Mission des Erstflugs eines STS (Space Transportation System) übernahm. Nicht nur, dass es der erste Flug eines wiederverwertbaren Raumschiffs war, es war auch das erste mal, dass ein System bemannt seinen Erstflug hatte – und das als bis zu diesem Zeitpunkt wohl komplizierteste Gerät, welches je entwickelt wurde. Am 12. April 1981, genau 20 Jahre nach dem Erstflug des ersten russischen Kosmonauten Juri Gagarin im Wostok 1, flog das Spaceshuttle Columbia als STS -1 ins All.
Es war ein reiner Funktionstest. Nutzlast war ein Flugüberwachungssystem, um so viele Parameter wie möglich aufzuzeichnen. Von Computerproblemen vor dem Start abgesehen, verlief die Mission weitgehend reibungslos. Das STS-System funktionierte und war somit einsatzbereit.
(Bild: NASA/ESA)
Die letzte Weltraummission Youngs war STS-9. Am 28. November 1983 hob mit Columbia das Spacelab ins All ab. Das Weltraumlabor wurde von der europäischen Raumfahrtagentur ESA entwickelt und beigesteuert. Mit dem deutschen Astronauten Ulf Merbold war zudem erstmals ein ausländischer Astronaut an Bord, als Nutzlastspezialist (die überhaupt in dieser Mission erstmals dabei waren und denen die regulären Astronauten nicht immer wohlgesonnen waren).
Als lebende Legende ganz menschlich
Merbold erinnerte sich an John Young als jemanden, der trotz dessen, dass er eine Raumfahrtlegende war und als Chef aller Astronauten galt, sich auch nicht zu schade war, um für die Forscher nach ihrem Tagewerk das Essen zuzubereiten, wie der ESA-Astronaut in seinen Erinnerungen an John Young schilderte. Die Experimente verliefen allesamt wie vorgesehen. John Young konnte nochmal sein ganzes Können zeigen, als kurz vor der Landung zwei Computer und dann eine von drei Trägheitsplattformen ausfielen. Auch entzündete sich während der Landung im Heck ein Feuer und zwei von drei Auxially Power Units (APU) wurden beschädigt, die für die Hydrauliksysteme den Druck bereitstellten. Dennoch landete das Space Shuttle sicher in der Edwards Air Force Base auf Bahn 17.
(Bild: NASA)
John Young blieb der NASA auch weiterhin erhalten. Insbesondere die Sicherheit der Astronauten lag ihm am Herzen. SchlieĂźlich starb sein erster Astronautenkollege und Freund Gus Grissom bei Belastungstests mit Apollo 1, und das maĂźgeblich durch Schlamperei bei der Entwicklung und Bau der Raumkapsel.
Nach 42 Jahren ging Young 2004 in den verdienten Ruhestand und verlieĂź die NASA zuletzt als technischer Direktor des Johnson Space Centers. Er brachte es in seinem Leben auf ĂĽber 15.000 Flugstunden und 835 Weltraumflugstunden und darunter vielen Flugrekorden. AuĂźerdem wurden Ihm viele Ehrungen und Auszeichnungen zuteil: Die Navy Distinguished Service Medal mit Goldstern, von der Regierung erhielt er der die Medal of Honor, die NASA verlieh ihm die Distinguished Service Medal mit drei Eichenlaub und Exceptional Service Medal NASA.
2013 erschien seine Biographie "Forever Young – A Life of Adventure in Air and Space".
Am 5. Januar 2018 starb John Watts Young in Houston an den Folgen einer LungenentzĂĽndung. (mawi)