Das neue Outlook: Maximal irrefĂĽhrend
c’t-Redakteur Stefan Wischner findet nicht nur die extreme Neugier des neuen Outlook, sondern vor allem Microsofts Kommunikation dazu sehr gefährlich.
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(Bild: Daniel AJ Sokolov)
- Stefan Wischner
Wie wir kĂĽrzlich berichtet haben, speichert das "neue Outlook", neuerdings im Installationsumfang von Windows 11 und zudem im klassischen Office-Outlook offensiv beworben, nicht nur Mail-Inhalte, sondern auch alle Zugangsdaten von Fremdkonten auf Microsoft-Servern.
Von verschiedenen Seiten wurden wir darauf hingewiesen, "das sei doch schon lange bei den Outlook-Mobil-Apps so" und "es ist nun mal eine Web-App, da muss das so sein". Das mag grundsätzlich richtig sein, ändert aber an den Fakten nichts. Microsoft gibt sich, vorsichtig ausgedrückt, nicht gerade Mühe, den Anwendern mitzuteilen, dass es sich beim neuen Outlook im Wesentlichen um einen Web-Mailer im Gewand einer Windows-Anwendung handelt. Außerdem dürfte diese Information vielen Anwendern nicht klarmachen, was das bedeutet. Nämlich, dass die gesamte Kommunikation mit allen Mailservern dadurch über Microsoft läuft und dabei sämtliche Mails – potentiell auch bereits in den Postfächern vorhandene – und alle Zugangsdaten bei Microsoft landen.
Das "neue Outlook" ist kein Update
Microsoft nennt das Programm "Das neue Outlook". Daraus entsteht zwangsläufig der Eindruck, es handle sich um ein Update für das klassische Outlook aus Microsofts Office-Paket, das auf Millionen von Unternehmensrechnern eingesetzt wird. Also ein Mailprogramm, das ohne Umwege mit den verbundenen Mailservern kommuniziert – egal, ob die bei einem Provider laufen oder Bestandteil der Unternehmens-IT sind. Verstärkt wird dieser Eindruck dadurch, dass eben jenes klassische Outlook einen prominent platzierten Umschalter auf das neue Outlook besitzt – ganz so, wie schon früher, wobei es bislang jedoch tatsächlich um ein Oberflächen-Update des Clients ging.
Der Name "Outlook" erzeugt sicher nicht bei allen Anwendern grenzenlose Liebe, aber doch ein gewisses Grundvertrauen. Das nutzt Microsoft meiner Ansicht nach sehr bewusst aus. Die Infobox, die im neuen Outlook beim Anlegen eines Fremd-Kontos erscheint und ĂĽber die Synchronisation (ein nicht bei allen Anwendern negativ besetzter Begriff) mit Microsoft-Servern informiert, ist viel zu vage und schnell weggeklickt. AuĂźerdem informiert weder sie noch die darin verlinkte Infoseite ĂĽber die Preisgabe aller Zugangsdaten an Microsoft.
Aus meiner Sicht ist das mehr als die Microsoft-typisch unbeholfene Kommunikation, sondern hart an der Grenze zur IrrefĂĽhrung, mit fĂĽr viele Anwender nicht erkennbaren datenschutztechnischen und -rechtlichen Konsequenzen.
Ich erwarte, dass das Unternehmen neugierige Tester – von Umstieg kann angesichts des halbfertigen Entwicklungsstandes des neuen Outlook kaum die Rede sein – sehr viel deutlicher auf den Datenabfluss hinweist. Außerdem hoffe ich, dass Microsoft genügend Gegenwind bekommt, um die mittelfristig geplante Ablösung des klassischen Office-Outlook aufzuschieben, bis die Datenschutzfrage zufriedenstellend gelöst ist.
Bis dahin rate ich, das neue Outlook höchstens in Verbindung mit Microsoft-Mailkonten einzusetzen, seien es kostenlose Hotmail- oder Outlook.com-Postfächer oder solche bei Exchange online. Deren Zugangsdaten und Inhalte hat Microsoft ohnehin schon.
(swi)