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Google verkauft seine Kunden

JĂŒrgen Schmidt

Dass Google-Mail jetzt Bilder standardmĂ€ĂŸig anzeigt, preist der weltweit grĂ¶ĂŸte Anzeigen-Dealer als Sicherheitsgewinn. Dass er damit Millionen von GMail-Nutzern zum Tracken freigibt, verrĂ€t er lieber nicht.

Alles jetzt viel sicherer - von Tracking steht da nichts.

In HTML-Mails eingebundene Bilder lĂ€dt das Anzeigeprogramm von einem externen Server nach – und verrĂ€t dabei dem Absender, dass die Mail gerade gelesen wurde. Nebenbei erfĂ€hrt er auch noch, ob der EmpfĂ€nger gerade Firefox unter Windows benutzt oder die Mail zum Beispiel auf seinem iPhone gelesen hat. Das Sahnetörtchen ist die IP-Adresse der Anfrage, die sich zumindest einem Provider aber oft auch einem ungefĂ€hren Aufenthaltsort zuordnen lĂ€sst. Das sind viele gute GrĂŒnde, warum nahezu jedes E-Mail-Prgramm solche externen Bilder nicht automatisch lĂ€dt, sondern erst, wenn der Anwender ihn dazu auffordert. Ohne Zutun des Anwenders bekommt der Absender keine Informationen darĂŒber, ob eine Mail ihr Ziel erreicht hat oder nicht.

Beim Öffnen der Mail gehen jetzt beim Tracker die roten Alarmlampen an.

Nutzer von Web-Mail dĂŒrfen sich auf diesen Schutz ihrer PrivatsphĂ€re nicht verlassen. Fast alle zeigen eingebettete Bilder und damit auch spezielle Tracking-Pixel [1] sofort an. Manche wie GMX ermöglichen es nicht einmal, das abzuschalten. Eine erfreuliche Ausnahme war bis vor kurzem Google-Mail, wo das Tracking standardmĂ€ĂŸig abgeschaltet war. Das Ă€ndert sich jetzt [2].

Zu Gute halten kann man dem Suchmaschinenriesen, dass man das Tracking nach wie vor abschalten [3] kann. Und dass der Zugriff nicht direkt erfolgt, sondern ĂŒber einen Google-Proxy. Damit bekommt der Tracker zwar immer noch mit, ob und wann ich eine bestimmte Mail gelesen habe, aber nicht mehr auf welchen System und wo. Außerdem reicht Google damit eventuell bösartige Bilder-URLs nicht mehr an den Anwender weiter, was tatsĂ€chlich ein kleiner Sicherheitsgewinn ist.

Doch letztlich ist das alles nur ein dĂŒrftiges MĂ€ntelchen dafĂŒr, dass Google seine Nutzer verkauft – noch dazu fĂŒr dumm, was mich persönlich fast noch mehr Ă€rgert.

verĂ€rgerte GrĂŒĂŸe, ju [4] (ju [5])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-2065508

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Deutsche-Mail-Provider-lassen-tracken-1973017.html
[2] https://www.heise.de/news/Google-Mail-zeigt-Bilder-an-2065267.html
[3] https://support.google.com/mail/answer/145919?hl=de&ctx=mail&authuser=1
[4] mailto:?subject=Google-Tracking
[5] mailto:ju@ct.de