Kommentar: Ihr nervt mit euren Handys!
(Bild: Phone addicts / Jeanne Menjoulet / cc-by-2.0)
Mobilkommunikation könnte so schön sein - wenn die Handynutzer nicht wÀren. Elf Gebote, wie Smartphones sozialkompatibel werden.
Soso, Frankreich will also Smartphones an seinen Schulen verbieten [1]. Viel SpaĂ bei der Durchsetzung dieser Prohibition. Wann haben Verbote von Dingen, die Menschen wirklich, wirklich wollen, je funktioniert?
Diese schlechte Idee ist immerhin eine gute Gelegenheit, ĂŒber unseren Umgang mit dem Smartphone nachzudenken. Als in den neunziger Jahren Newsgroups und das WWW populĂ€r wurden, kam der Begriff der Netiquette [2] auf. Zentraler Gedanke war ein höflicher und menschlicher Umgang miteinander. FĂŒr Smartphones gab es, soweit ich das mitgekriegt habe, nie eine vergleichbare Debatte. Deshalb hier ein paar VorschlĂ€ge fĂŒr eine neue Handyquette. ErgĂ€nzungen sind willkommen.
- Das reale GegenĂŒber hat immer PrioritĂ€t. BeschĂ€ftige Dich bei einem Date nicht stĂ€ndig mit dem Smartphone. Und wennâs wirklich wichtig ist, frag um Erlaubnis.
- Vermittle Deinen Mitmenschen nicht den Eindruck, dass das, womit sie sich gerade in der realen Welt beschĂ€ftigen, fĂŒr Dich langweilig oder unwichtig ist â zum Beispiel durch exzessives Rumdaddeln wĂ€hrend einer Besprechung oder eines Vortrags.
- Störe Deine Umgebung nicht durch laute Telefonate, Musik oder Tastentöne, durch helle Bildschirme in dunklen KinosÀlen oder sichtversperrendes Filmen auf Konzerten.
- Beim Autofahren, Radeln, Gehen: Augen und Finger weg vom Bildschirm. Wenn Du glaubst, Du kannst multitasken â vergiss es. Keiner kann es. Du auch nicht.
- Die Nervigkeit eines Klingeltons ist erfahrungsgemÀà direkt proportional zu der Dauer, das GerÀt ganz tief unten aus der Tasche zu fischen. Sieh zu, dass Du Dein Handy findest, wenn es klingelt!
- Wenn Du unbedingt Selfies machen willst, steh anderen Leuten nicht im Weg herum.
- Nötige anderen nicht Deine KommunikationskanĂ€le auf. Wer nicht bei WhatsApp oder Facebook ist, hat möglicherweise gute GrĂŒnde dafĂŒr. Schneide solche Menschen nicht von der Kommunikation ab, sondern sprich sie auf ihren bevorzugten KanĂ€len an. Auch wennâs umstĂ€ndlicher ist.
- Klingele nicht bis zur Voicebox durch und sag dann nichts.
- Denke mindestens 30 Sekunden ĂŒber Quelle und Relevanz einer Nachricht nach, bevor Du sie weiterleitest.
- Verbreite nicht ungefragt Daten oder Fotos Dritter. Auch nicht von Deinen Kindern.
- Blockiere nicht ewig öffentliche Steckdosen. Ist der Akku halbwegs voll, mach sie frei.
NatĂŒrlich werden sich nie alle an alle Benimmregeln halten. Trotz Netiquette pöbeln sich Leute in Foren ja auch noch an. Trotzdem schaffen solche Regeln ein Bewusstsein dafĂŒr, was anderen Leuten auf die Nerven gehen könnte. Zumindest diejenigen, die sozial nicht völlig schmerzfrei sind, dĂŒrften sich daran orientieren.
An einer Schule wĂ€ren solche Regeln vermutlich schwerer durchzusetzen als ein komplettes Handyverbot. Aber es wĂ€re die MĂŒhe wert, denn sie wĂŒrden idealerweise Gewohnheiten prĂ€gen, die auch in der Freizeit und im spĂ€teren Erwachsenenleben Bestand haben. (anwe [3])
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