23andme beantragt Insolvenzschutz, zielt auf Verkauf: Hinweis auf Datenlöschung
Nachdem 23andme Millionen Kundendaten entwendet wurden, sollte die Firma verkauft werden – erfolglos. Nun soll ein Gericht helfen. User können Daten löschen.

(Bild: Tada Images/Shutterstock.com)
Anderthalb Jahre, nachdem 23andme einen immensen Datendiebstahl eingestanden hat, hat das Genanalyse-Unternehmen nun Insolvenzschutz und Unterstützung bei einem Verkauf beantragt. Das teilte 23andme am Sonntag mit und ergänzte, dass außerdem Geschäftsführerin Anne Wojcicki mit sofortiger Wirkung von ihrem Posten abgetreten sei. Laut der Nachrichtenagentur Reuters wurden zuletzt 0,41 US-Dollar pro Aktie geboten, vor einem Monat habe der Verwaltungsrat noch ein Angebot über 2,53 US-Dollar pro Anteil abgelehnt. Damit würde 23andme jetzt nur noch mit 11 Millionen US-Dollar bewertet, an der Börse sind es noch 50 Millionen US-Dollar. 2021 waren es noch 3,5 Milliarden.
Daten von Millionen Menschen abgegriffen
Im Oktober 2023 hat 23andme öffentlich gemacht, dass Daten von Menschen, die ihre Gene haben analysieren lassen, von Kriminellen zum Verkauf angeboten wurden. Nach und nach war herausgekommen, dass es Unbekannten mit Credential Stuffing gelungen war, auf Accountdaten zuzugreifen. Das heißt, sie haben sich mit erbeuteten Zugangsdaten von anderen Diensten einloggen können, weil die für 23andme wiederverwendet wurden. Letztlich wurden die Daten von knapp sieben Millionen Nutzern und Nutzerinnen im Darknet zum Verkauf angeboten. Eine Sammelklage endete in einem Vergleich, die Betroffenen sollen mit insgesamt 30 Millionen US-Dollar entschädigt werden.
Nach den Vorgängen hat 23andme stark an Wert verloren, der Aktienkurs ist 2024 um 75 Prozent gefallen. Gegenüber dem Höchststand von Anfang 2021 beläuft sich der Rückgang inzwischen sogar auf mehr als 99 Prozent. Im September traten alle sieben Vorstandsmitglieder, mit Ausnahme von CEO Anne Wojcicki, zurück und erklärten in einem Schreiben, dass sie mit der "strategischen Ausrichtung des Unternehmens" nicht einverstanden seien. Wojcicki plante, das Unternehmen von der Börse zu nehmen. Ein bislang letzter Versuch dafür war am 10. März gescheitert. Nun soll der Verkauf mit gerichtlicher Hilfe noch erreicht werden, jedoch ohne Wojcicki an der Spitze.
Nachdem sich die finanziellen Schwierigkeiten von 23andme also abgezeichnet haben, hat Kaliforniens Justizminister Rob Bonta noch am Freitag darauf hingewiesen, dass Menschen in seinem Bundesstaat das Recht haben, ihre Daten löschen zu lassen. Das gilt auch für Kunden und Kundinnen in Europa, 23andme fällt unter die Datenschutzgrundverordnung DSGVO. Auch die Zerstörung von genetischem Material in Besitz des Unternehmens kann angefordert werden. Bonta hatte sich angesichts der Verkaufspläne besorgt gezeigt. Die Befürchtung ist wohl, dass dieses Material im Zuge eines Verkaufs in fremde Hände fällt. Im Herbst war bekannt geworden, dass 23andme auch im Fall einer Datenlöschung nicht alles Material zerstört.
(mho)