31C3: Kinderpornografie im Tor-Netzwerk stark nachgefragt
Das Anonymisierungsnetzwerk wirbt damit, Menschenrechtsaktivisten und von Zensur betroffenen Internetnutzern zu helfen. Eine Studie der UniversitÀt Portsmouth zeigt eine starke Nachfrage nach Bildern von Kindesmissbrauch.
Das Team um Gareth Owen hatte sich der möglichen Deanonymisierung von so genannten Hidden Services [1] und deren Nutzern gewidmet. Diese Dienste sind nur aus dem Tor-Netzwerk erreichbar und können daher den Standort ihrer Server verbergen. Die bekanntesten Dienste waren die DrogenmarktplĂ€tze "Silk Road" und "Silk Road 2", die inzwischen beide von den US-Behörden geschlossen wurden [2]. Um sich ein Bild von dem tatsĂ€chlichen Verkehr auf diesen Services zu machen hatte die Gruppe um Owen gleich 40 Tor-Relays aufgebaut, deren Kommunikation sie sechs Monate lang ĂŒberwachten, um daraus RĂŒckschlĂŒsse zu ziehen. Da alle Server gut genug angebunden waren, wurden sie nach nur einem Tag Mitglied des "Distributed Hash Table" â eine Art verteiltes DNS-System.
Suchanfragen abgeschöpft
Ăber die Beobachtung der Anfragen an ihre Server konnten die Forscher sich ein Bild machen, welche Hidden Services im Tor-Netzwerk gesucht wurden. Mit Hilfe dieser Daten katalogisierten sie das "Dark web", also nur die Dienste, die Webserver im Tor-Netz betreiben. Wenig ĂŒberraschend fĂŒhrten DrogenumschlagplĂ€tze mit ĂŒber 15 Prozent, gefolgt von MarktplĂ€tzen aller Art, Betrugs-Seiten und Bitcoin-Angeboten.
Zwei Prozente der Angebote ordneten die Forscher der Kategorie "Missbrauch" zu â also Kinderpornografie. Zwar hatten Owen und Kollegen wohlweislich darauf verzichtet, Grafiken der Webseiten zu laden. "Die Beschreibung lieĂ jedoch keine MissverstĂ€ndnisse aufkommen", erklĂ€rte der Forscher. AuffĂ€lliger waren die Ergebnisse, als die Forscher die beobachteten Anfragen der Anzahl der Nutzer zuordneten. Mehr als 80 Prozent der Suchanfragen, die von den 40 Relays erfasst wurden, drehten sich um Kinderpornografie-Angebote. "Wir waren geschockt", schilderte Owen in Hamburg seine Reaktion. Zwar sei eine Suchanfrage in dem Distributed Hash Table nicht automatisch mit einem Besucher gleichzusetzen und man habe auch nicht zwischen automatisierten und menschlichen Anfragen unterscheiden können. Doch die erhobenen Zahlen seien ein Indiz dafĂŒr, dass der Austausch von Kinderpornografie einer der hauptsĂ€chlichen Einsatzzwecke der Hidden Services ist.
Tor bezweifelt Aussagekraft
FĂŒr das Tor-Projekt kommt die Studie zu einem sehr ungĂŒnstigen Zeitpunkt. So hatte Tor-Sprecher Jacob Appelbaum auf der Hamburger Konferenz dafĂŒr geworben [3], dass AnonymitĂ€t fĂŒr alle Menschen wichtig sei und Tor-Nutzer ermuntert, sich selbst mit dem Projekt zu assoziieren. Im eigenen Blog [4] verweist das Tor-Projekt darauf, dass die von Owen ermittelten Zahlen nicht unbedingt eine hohe Nutzung von Missbrauchsangeboten zeigten. So fĂŒhre nur zwei Prozent des Traffics im Tor-Netzwerk zu Hidden Services. AuĂerdem wĂŒrden Dienste, die unzuverlĂ€ssig zu erreichen sind, unverhĂ€ltnismĂ€Ăig viele Suchanfragen auslösen. Zudem seien Anfragen durch Dienste wie Tor2Web [5] unterreprĂ€sentiert.
Risikonutzer ĂŒberreprĂ€sentiert
Eine weitere ErklĂ€rung, warum die Suche nach Kinderpornografie ĂŒbereprĂ€sentiert sein könne, lieferte Chef-Architekt Nick Mathewson: "Jedes System, das Sicherheit im Internet bietet, wird unvermeidbar Leute anziehen, denen wir lieber ĂŒberhaupt nicht helfen wollen." Da die Hidden Services bisher nur sehr schwer nutzbar seien, werde die Funktion hauptsĂ€chlich von Leuten genutzt, die auf alle FĂ€lle eine Entdeckung vermeiden mĂŒssten. Hier stehen Kinderpornografie-Konsumenten an oberster Stelle.
Zwar rĂ€umt Owen ein, dass seine Untersuchung die hohe Nutzung nicht schlussendlich nachweist, doch verweist er auf eine vorhergehende Studie von der UniversitĂ€t Luxemburg, die zu Ă€hnlichen Ergebnissen kam. In seinem Vortrag in Hamburg stellte er mehrere Ăberlegungen vor, wie Tor-Relay-Betreiber die Verbreitung von Kinderporno-Angeboten blockieren könnten. So sei es möglich, Tor Relays so im Netz zu positionieren, dass sie fĂŒr bestimmte "Hidden Services" zustĂ€ndig seien. Auch könne Tor zentral solche Angebote sperren. Dass die Tor-Betreiber auf solche Ăberlegungen eingehen, ist jedoch mehr als unwahrscheinlich. So berichtete Owen, dass das Projekt die Wartezeit, bis ein neues Relay Teil des Distributed Hash Table werden könne, kĂŒrzlich erheblich hochgesetzt habe. (it [6])
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https://www.heise.de/-2507444
Links in diesem Artikel:
[1] https://www.torproject.org/docs/hidden-services
[2] https://www.heise.de/news/Operation-Onymous-17-Verhaftungen-bei-Schlag-gegen-Darknet-Drogenplattformen-2444615.html
[3] https://www.heise.de/news/31C3-Die-grosse-Tor-Attacke-blieb-aus-2507359.html
[4] https://blog.torproject.org/blog/some-thoughts-hidden-services
[5] https://tor2web.org/
[6] mailto:it@ct.de
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