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35 Jahre Audio-CD: Untote leben lÀnger

Detlef Borchers

Die CD ist tot. Nein! Doch! Nein! Der Streit der Musikfans geht weiter und wieder einmal kann ein Geburtstag gefeiert werden.

Heute vor 5 Jahren vergab die angesehene Ingenieursvereinigung IEEE einen ihrer Meilensteine an Philips' Gloeilampenfabrieken [1] fĂŒr die Demonstration der ersten Compact Disc (CD) vor nunmehr 35 Jahren am 8. MĂ€rz 1979. Konkurrent Sony ging leer aus: sein Entwurf einer CD wurde auf der AES-Tagung [2] in BrĂŒssel am 13. MĂ€rz 1979 vorgestellt. Beide Firmen taten sich zusammen, um die Audio-CD zu entwickeln.

Noch'n Geburtstag [3] fĂŒr eine Technologie, die lĂ€ngst im Sarg [4] liegt? Die vermodert und zerfĂ€llt [5] und damit Archivare zum Verzweifeln bringt? Die Audio-CD ist eigentlich Schnee von gestern in einer Zeit, in der die Musikindustrie erstmals mehr durch Downloads und Streaming-Angeboten [6] verdient. Doch wir leben in Deutschland, wo man der CD die Treue hĂ€lt [7], seitdem im Jahre 1982 die weltweit ersten Scheiben im Polygram-Werk in Hannover-Langenhagen "gepresst" wurden. Außerdem ist so ein Arbeitspferd [8] ein unverwĂŒstliches Tier fĂŒr den Alltagseinsatz als Daten-CD. Da wundert es nicht, dass die Zahl verkaufter Rohlinge nach Angaben der gfu [9] im ersten Quartal des Jahres 2013 zwar um knapp 5 Prozent zurĂŒckgegangen ist, aber mit 34 Millionen unverĂ€ndert den Markt dominiert. Von den die CD ablösenden USB-Sticks wurden gerade einmal 3 Millionen verkauft.

Mit der Compact Disc (CD) wollte Philips den Erfolg seiner Compact Cassette wiederholen. 11,5 cm sollte der Durchmesser betragen und damit exakt der Diagonalen einer Cassette entsprechen. Nach den ersten Machbarkeitsdemonstrationen vor 35 Jahren schlossen sich Sony und Philips zu einer Entwicklungsgemeinschaft zusammen und das Format wurde korrigiert: Sonys Entwicklungschef und VizeprĂ€sident Norio Ohga, der in Berlin am Konservatorium studiert hatte, gab einen kulturellen Maßstab vor, der die Mathematik aushebelte.

Beethovens Neunte Sinfonie [10] sollte auf eine CD passen. Bei der Suche im Polygram-Archiv fand man, dass Wilhelm FurtwĂ€ngler [11] mit 74 Minuten bei den Bayreuther Festspielen im Jahr 1951 [12] die bis dato lĂ€ngste Neunte Sinfonie vorgelegt hatte. "Es gibt nur ein Tempo und das ist das richtige", sagte FurtwĂ€ngler, was in diesem Fall dazu fĂŒhrte, dass die CD mit einem Durchmesser von 12 cm im berĂŒhmten Red Book [13] standardisiert wurde -- bei 11,5 cm hĂ€tten nur 66 Minuten auf eine CD gepasst. So seltsam dieser Aspekt heute erscheinen mag, so hatte er doch seine Logik. Es waren die Klassik-Liebhaber, dank derer sich die CD mit zunĂ€chst sĂŒndhaft teuren CD-Playern gegenĂŒber der Schallplatte durchsetzen konnte. (jo [14])


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Links in diesem Artikel:
[1] http://www.ieeeghn.org/wiki/index.php/Milestones:Compact_Disc_Audio_Player,_1979
[2] http://www.aes.org/e-lib/browse.cfm?elib=2912
[3] https://www.heise.de/news/Noch-n-Geburtstag-fuer-die-Audio-CD-65545.html
[4] https://www.heise.de/news/Zum-Geburtstag-einen-Sarg-25-Jahre-CD-164362.html
[5] https://www.heise.de/news/Deutsches-Musikarchiv-CD-Zerfall-bedroht-Kulturerbe-148962.html
[6] https://www.heise.de/news/Online-ueberholt-erstmals-CD-Musikkonzern-Universal-erfolgreich-im-Netz-2123651.html
[7] https://www.heise.de/news/Starke-CD-Deutscher-Musikmarkt-waechst-wieder-2136147.html
[8] https://www.heise.de/news/Starke-CD-Deutscher-Musikmarkt-waechst-wieder-2136147.html
[9] http://www.gfu.de/home/marktzahlen.xhtml
[10] http://web.archive.org/web/20080129201342/www.research.philips.com/newscenter/dossier/optrec/beethoven.html
[11] http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Furtw%C3%A4ngler
[12] http://www.youtube.com/watch?v=CqNp43GhF5o
[13] http://de.wikipedia.org/wiki/Rainbow_Books#Red_Book
[14] mailto:jo@ct.de