8 Milliarden tÀgliche Videoviews bei Facebook: Vorwurf aufgebauschter Zahlen
(Bild: In a Nutshell)
YouTuber klagen darĂŒber, dass ihre Videos geklaut und bei Facebook veröffentlicht werden, es aber keinen automatischen Mechanismus zum Sperren der Inhalte gebe; auĂerdem schummele Facebook bei der ZĂ€hlung der Videowiedergaben.
Bei der Vorstellung der Quartalszahlen verkĂŒndete Facebook stolz, dass eine Milliarde DAUs das soziale Netzwerk [1] nutzen und dabei inzwischen tĂ€glich bis zu 8 Milliarden Videos anschauen. Doch wie kommen diese enormen Zahlen zustande?
Aufgebauschte Zahlen
Einerseits drĂ€ngt Facebook YouTube-Videos durch diverse MaĂnahmen aus seinem Netzwerk: Sie werden in der Timeline lĂ€ngst nicht mehr so prominent dargestellt. Bei Facebook hochgeladene Videos nehmen hingegen die komplette Breite der Timeline ein und starten beim DarĂŒberscrollen automatisch (wenn auch stumm), sofern man die Autoplay-Funktion nicht deaktiviert. So kommen schnell beeindruckende Videoabrufzahlen zustande, obwohl die meisten Videos nur kurz beim Durchscrollen der Timeline angespielt, aber nicht wirklich angeschaut werden.
Das Beispiel des BB-8-Videos von c't [2] verdeutlicht das: Es haben nur 23.787 Nutzer das Video lĂ€nger als 30 Sekunden angeschaut, die restlichen 38.695 (also rund 60 %) der 62.482 aber nur "mindestens 3 Sekunden". Ein GroĂteil ist also lediglich auf die Autoplays zurĂŒckzufĂŒhren.
Trotzdem verwendet Facebook diese (höchstmögliche) Zahl als Angabe fĂŒr die Videoabrufe. Bei anderen Videos ist der Unterschied noch eklatanter. Verallgemeinert man dies, werden vermutlich nur rund 30 Prozent der Facebook-Videos tatsĂ€chlich angeschaut und die 8 Milliarden schmelzen auf knapp 2,5 Milliarden Views/Tag zusammen.
Geklaute Inhalte?
Selbst 2,5 Milliarden Views/Tag wĂ€ren eine Menge. Doch wenn man die Analyse der Macher des YouTube-Kanals In a Nutshell [3] stimmt, sind die meisten Videos nicht etwa von den Nutzern hochgeladene Pleiten-, Pech- und Pannenvideos, sondern gestohlene Inhalte. So wĂŒrden etwa die Inhalte von In a Nutshell von anderen Facebook-Nutzern als ihre eigenen ausgegeben und erzielen mitunter deutlich mehr Views.
Anders als bei YouTube, das solche Videos ĂŒber den Content-ID-Mechanismus erkennen kann, sei man bei Facebook bisher auf Hinweise der Community angewiesen, weil man nicht gezielt nach den geklauten Inhalten suchen könne. Melde man dann UrheberrechtsansprĂŒche an, dauere es mitunter bis zu einer Woche, bis das betroffene Video von Facebook gesperrt werde. Bis dahin hat es allerdings bereits 99 Prozent der möglichen Views eingespielt, so In a Nutshell. Eine Stichprobe habe ergeben, dass von den 1000 meistgesehenen Facebook-Videos 275 nicht geklaute Inhalte gewesen seien.
Da Facebook dies in Kauf nehme, bezichtigen die Macher des YouTube-Kanals Mark Zuckerberg, sein "Video-Imperium auf gestohlenen Videos aufgebaut" zu haben. Eine Stellungnahme von Facebook zu den VorwĂŒrfen steht zur Stunde noch aus.
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Update: Das Wort "nicht" im vorletzten Absatz eingefĂŒgt. Die Analyse von Ogilvy und Tubular Labs hatte ergeben, dass von 1000 der erfolgreichten Videos bei Facebook 725 illegitime Re-Uploads von Inhalten anderer waren, also nur 275 nicht geklaut.
Update 13.11.2015: Inzwischen hat sich Facebook geĂ€uĂert und die VorwĂŒrfe zurĂŒckgewiesen [5]. (vza [6])
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[1] https://www.heise.de/news/Eine-Milliarde-DAUs-fuellen-Facebooks-Kasse-2878089.html
[2] https://www.facebook.com/ctmagazin/videos/702252253209177/?permPage=1
[3] https://www.youtube.com/channel/UCsXVk37bltHxD1rDPwtNM8Q
[4] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[5] https://www.heise.de/news/Facebook-Videoabrufe-sind-keineswegs-geschoent-2921472.html
[6] mailto:vza@heise.de
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