"ACTA ist auf einem Auge blind"
DemnĂ€chst dĂŒrften die Verhandlungen zum umstrittenen ACTA-Vertragswerk (Anti-Counterfeiting Trade Agreement) beendet werden. In einer ersten Bilanz kritisiert ACTA-Experte Professor Axel Metzger auf heise online das Abkommen als unausgewogen und schĂ€dlich.
Anfang Oktober hat die wohl letzte Verhandlungsrunde zum umstrittenen Anti-Counterfeiting Trade Agreement (ACTA) begonnen [1]. Zuvor hatten die UnterhÀndler in Tokio in fast in allen strittigen Punkten Einigungen erzielt und am 2. Oktober 2010 einen neuen Vertragsentwurf [2] (PDF-Datei) veröffentlicht. Letzte offene Punkte will man nun per E-Mail diskutieren.
UnabhĂ€ngig davon, wie der endgĂŒltige Text des geplanten internationalen Anti-Piraterie-Abkommens aussehe, habe ACTA politisch bereits erheblichen Schaden angerichtet, resĂŒmiert der hannoversche Juraprofessor Axel Metzger [3] in einer Analyse fĂŒr heise online. Auch sei nach wie vor unsicher, "ob das Abkommen am Ende von einer hinreichenden Zahl von Vertragsparteien ratifiziert wird, um tatsĂ€chlich geltendes Recht zu werden."
Metzger, der sich Jahre lang intensiv mit der Entstehung von ACTA beschĂ€ftigt hat, sieht durch das Abkommen die eigentlich zustĂ€ndigen, aber bei ACTA auĂen vor gebliebenen Institutionen WIPO und WTO beschĂ€digt: "ACTA wird die weiteren Verhandlungen ĂŒber den kĂŒnftigen Interessenausgleich beim geistigen Eigentum im Rahmen von WIPO und WTO erheblich erschweren", ist sich Metzger sicher.
Der ACTA-Experte wirft den Verhandlungspartnern vor, das Abkommen nicht ausbalanciert zu haben: "Rechtsschutz und Zugang sind gleichermaĂen legitime gesellschaftliche Interessen. ACTA ist hier auf einem Auge blind. Daran können auch die wenig konkreten Formulierungen zur BerĂŒcksichtigung von Nutzerinteressen in der PrĂ€ambel nichts Ă€ndern." Solange das internationale Recht des geistigen Eigentums die Interessen der Nutzer einseitig ausblende, werde es mit den Akzeptanzproblemen zu kĂ€mpfen haben, die man gegenwĂ€rtig beobachten könne.
Der komplette Gastbeitrag von Urheberrechts-Professor Metzger findet sich auf der c't-Homepage. Es handelt sich dabei um die aktualisierte Version eines Kommentars, der im Rahmen der Berichterstattung ĂŒber ACTA in Ausgabe 22/10 von c't erschien [4]. (hob [5])
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[1] https://www.heise.de/news/ACTA-Laender-noch-nicht-einig-1103135.html
[2] http://trade.ec.europa.eu/doclib/docs/2010/october/tradoc_146699.pdf
[3] http://www.iri.uni-hannover.de/lehrstuhl-prof-metzger.html
[4] http://www.heise.de/ct/inhalt/2010/22/88/
[5] mailto:hob@ct.de
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