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Abgas-Skandal bei VW: Audi gibt nun doch verbotene Software zu

Abgas

(Bild: dpa / Markus FĂŒhrer)

Auch die VW-Tochter Audi gesteht ein, bereits seit 2009 eine Software eingebaut zu haben, die nach US-Gesetz unzulÀssig ist. Immerhin: In Europa gibt es erste Fortschritte bei der KrisenbewÀltigung.

Aus den VorwĂŒrfen der US-Behörden wird Gewissheit: Auch in grĂ¶ĂŸeren Dieselautos von VW und den Konzerntöchtern Audi und Porsche hat eine verbotene Software fĂŒr niedrigere Abgaswerte gesorgt. Audi rĂ€umte am Montagabend die Installation eines Programms in V6 TDI 3,0-Liter-Motoren ein [1], das in den USA als illegale Software gilt. Zumindest in Europa konnte VW zuletzt aber auch mal mit positiven Nachrichten aufwarten.

Zwar bestreitet Audi weiter eine vorsĂ€tzliche TĂ€uschung. Ein Sprecher sagte, es handele sich bei dem strittigen Programm nicht um eine Manipulations-Software: "Dann mĂŒsste das System auf dem PrĂŒfstand anders agieren als auf der Straße – das ist aber nicht der Fall. Das Fahrzeug erkennt nicht, wenn es auf dem PrĂŒfstand steht." FĂŒr die US-Regulierer zĂ€hlt aber, dass die Software in den USA illegal ist und der Hersteller sie ĂŒber Jahre nicht vorschriftsgemĂ€ĂŸ angemeldet hat.

Der Abgas-Skandal bei VW

Audi hat nach eigenen Angaben mit den Umweltbehörden weitere Zusammenarbeit vereinbart und volle Kooperation versprochen. Der Verkaufsstopp fĂŒr die betroffenen Modelle sei bis auf weiteres verlĂ€ngert worden. Das Unternehmen werde das Programm nun ĂŒberarbeiten, detailliert dokumentieren und in den USA erneut zur Genehmigung vorlegen. Das Unternehmen schĂ€tzt den finanziellen Aufwand auf "einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag".

Audis ErklÀrung Àndere nichts am Vorgehen der Behörden, sagte ein CARB-Sprecher. Erst am Freitag hatten sie mit zusÀtzlichen Strafen gedroht. Zuvor war bekannt geworden, dass die Software nicht nur in Volkswagen, Audi- und Porsche-Modellen der Baujahre 2014 bis 2016 installiert, sondern bereits seit 2009 verwendet wurde. Dadurch stieg die Zahl der betroffenen Wagen von 10.000 auf 85.000 [7] an. Dazu kommen in den USA mehr als 480.000 VW- und Audi-Autos mit 2,0-Liter-Diesel, bei denen der Konzern im September Manipulationen zugegeben hatte.

Bislang hatte VW in den USA nur zugegeben, bei 2,0-Liter-Motoren gezielt getrickst zu haben. Als der Abgas-Skandal im September ins Rollen kam, hatte der spĂ€ter zurĂŒckgetretene VW-Chef Martin Winterkorn schnell ein umfassendes SchuldgestĂ€ndnis im Namen des Konzerns abgegeben. Die Anfang November von den US-Umweltbehörden EPA und CARB erhobenen VorwĂŒrfe gegen den grĂ¶ĂŸeren, von der Tochter Audi entwickelten Motor waren bislang aber stets abgestritten worden.

Der Konzern bemĂŒhte sich, den Fall vom bereits gebeichteten Skandal abzugrenzen und als vermeintliches MissverstĂ€ndnis mit den US-Aufsehern um eine eigentlich legitime Software darzustellen. Nun teilte Audi aber mit, den US-Behörden seit 2009 in Zulassungsverfahren insgesamt drei Programme nicht offengelegt zu haben. Eines davon werde nach geltender US-Gesetzgebung als "Defeat Device" betrachtet. So bezeichnen EPA und CARB verbotene Programme zur Manipulation von Abgas-Messwerten.

Defeat Devices – Abschalteinrichtungen –können feststellen, ob sich ein Auto im Emissionstest befindet. Nur dann wird die Abgasreinigung voll aktiviert. Im Normalbetrieb ist die Luftverpestung deutlich höher als auf dem PrĂŒfstand. Der Einbau solcher Software verstĂ¶ĂŸt gegen US-Klimaschutzgesetze und kann mit drastischen Strafen geahndet werden. VW drohen immense Bußgelder, teure Rechtsstreits und hohe RĂŒckrufkosten.

Unterdessen kommt VW wenigstens in Europa bei der BewĂ€ltigung des Skandals voran. FĂŒr mehr als 90 Prozent der betroffenen Konzernfahrzeuge in Europa seien inzwischen Lösungen bestĂ€tigt, sagte Vorstandschef Matthias MĂŒller am Montag in Wolfsburg vor rund 1000 FĂŒhrungskrĂ€ften. Dabei sei der Aufwand fĂŒr die NachrĂŒstung "technisch, handwerklich und finanziell ĂŒberschaubar". Der dpa lagen AuszĂŒge der Rede MĂŒllers vor.

Bei Autos mit 1,6 Liter-Motoren sind demnach laut MĂŒller keine "grundlegenden Eingriffe" am Motor notwendig – wie VW zunĂ€chst angenommen habe. FĂŒr die Autos seien neben einem Software-Update zwar auch Hardware-Eingriffe erforderlich. Dabei gehe es aber um "relativ einfache VerĂ€nderungen" am Luftgitter beziehungsweise an der Luftfilterkassette, sagte MĂŒller in der Rede.

Bei der Abgas-Software geht es um Stickoxid-Werte. Mitte September hatte Volkswagen eingerĂ€umt, weltweit 11 Millionen Dieselfahrzeuge mit diesen verbotenen Programmen ausgestattet zu haben. Außerdem aber hatte VW bei 800.000 Autos falsche Angaben zum CO2-Ausstoß gemacht. Konzernchef MĂŒller kĂŒndigte an, Mitte Dezember einen Zwischenbericht zum Skandal vorlegen zu wollen. (anw [8])


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[1] https://www.audi-mediacenter.com/de/pressemitteilungen/stellungnahme-zu-gespraechen-von-audi-mit-us-umweltbehoerden-epa-und-carb-5191
[2] https://www.heise.de/news/Abgas-Skandal-Was-ueberschrittene-Grenzwerte-anderer-Hersteller-bedeuten-2845319.html
[3] https://www.heise.de/news/Im-Nebel-des-Abgasskandals-Bestandsaufnahme-und-technischer-Hintergrund-zur-VW-Affaere-2832528.html
[4] https://www.heise.de/news/Kompromiss-mit-US-Behoerden-VW-nimmt-weitere-Huerde-im-Abgas-Skandal-3578523.html
[5] https://www.heise.de/news/Abgas-Skandal-VW-im-Visier-der-US-Justiz-2823082.html
[6] https://www.heise.de/news/US-Umweltbehoerde-VW-mogelt-per-Software-2822045.html
[7] https://www.heise.de/news/Neue-Hiobsbotschaft-fuer-VW-in-den-USA-Noch-mehr-Autos-im-Visier-3010429.html
[8] mailto:anw@heise.de