Abhörskandal kostet News Corp. Millionen
Jetzt machen sich langsam die wirtschaftlichen Auswirkungen des Abhörskandals bei der britischen Sonntagszeitung "News of the World" bemerkbar. Die News Corp. von Rupert Murdoch musste Abermillionen in den Wind schreiben.
Der Abhörskandal in GroĂbritannien kostet den US-Medienkonzern News Corp. richtig Geld. Allein die SchlieĂung des Sonntagsblatts News of the World schlĂ€gt mit bis zu 91 Millionen Dollar zu Buche (66 Millionen Euro). Hinzu kommen hohe Kosten fĂŒr die letztlich auf politischen Druck hin abgeblasene KomplettĂŒbernahme der britischen Fernsehsendergruppe BSkyB.
Wegen der Belastungen musste der von Rupert Murdoch gefĂŒhrte Konzern in seinem ersten GeschĂ€ftsquartal (Juli bis September) laut Mitteilung [1] einen GewinnrĂŒckgang um 5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf unterm Strich 738 Millionen Dollar hinnehmen.
Mitarbeiter der britischen News of the World sollen mehrfach Telefone von Prominenten oder Verbrechensopfern abgehört haben [2]. Es sei in den vergangenen Monaten schon reichlich darĂŒber berichtet worden, stellte Murdochs rechte Hand Chase Carey in einer Telefonkonferenz fest. "Es gibt nichts, was ich darĂŒber hinaus sagen kann." Er versicherte nur, dass die News Corp. die Behörden bei der AufklĂ€rung der Vorkommnisse unterstĂŒtze. "Wir tun alles Nötige, um die Dinge geradezurĂŒcken."
Der Abhörskandal hat die Stellung der Familie Murdoch in der News Corp. geschwĂ€cht. Zwar regiert FirmengrĂŒnder Rupert Murdoch weiterhin uneingeschrĂ€nkt. Doch seine beiden Söhne stieĂen auf der jĂŒngst abgehaltenen Hauptversammlung auf starken Widerstand [3]. Der GroĂteil der freien AktionĂ€re stimmte bei der Wahl zum Verwaltungsrat â dem obersten Konzerngremium â gegen James und Lachlan Murdoch. Ihr Vater konnte sie jedoch mit seinen eigenen Stimmen durchboxen.
Rupert Murdoch vereint als FirmengrĂŒnder rund 40 Prozent der Stimmrechte auf sich. Zusammen mit den Anteilen des verbĂŒndeten saudischen Prinzen Al-Walid bin Talal hat er sogar 47 Prozent aller Stimmen auf seiner Seite. AktionĂ€re beschwerten sich, dass Murdoch diese Macht ausnutze und den Konzern wie ein Familienunternehmen fĂŒhre.
Bislang hatten die Anteilseigner angesichts der wirtschaftlichen Erfolge mit Kritik hinterm Berg gehalten. Auch im dritten Quartal lief das eigentliche GeschĂ€ft nicht schlecht: Der Umsatz stieg um 7 Prozent auf annĂ€hernd 8,0 Milliarden Dollar. Der Sprung war gröĂer, als Analysten erwartet hatten. Nachbörslich stieg die Aktie leicht.
Vor allem die konzerneigenen Fernsehsender verbuchten dank sprudelnder Werbegelder höhere Einnahmen. Flaggschiff ist der Nachrichtenkanal Fox News. Die News Corp. ist auch am Bezahlsender Sky Deutschland beteiligt, der sich bislang allerdings eher als ZuschussgeschÀft erwies. Die Filmsparte mit dem Studio "20th Century Fox" warf deutlich mehr Geld ab als vor einem Jahr, unter anderem wegen des Kinofilms Planet der Affen: Prevolution. (anw [4])
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-1370892
Links in diesem Artikel:
[1] http://www.newscorp.com/investor/download/NWS_Q1_2012.pdf
[2] https://www.heise.de/news/Bericht-Hackarazzi-spaehten-im-Auftrag-von-britischen-Boulevard-Blaettern-6137.html
[3] https://www.heise.de/news/Murdoch-Clan-bekommt-Denkzettel-von-Aktionaeren-1366294.html
[4] mailto:anw@heise.de
Copyright © 2011 Heise Medien