Analyse: Google investiert langfristig
Trotz Rekordgewinns im ersten Quartal ist die Google-Aktie gefallen. Die groĂen Investoren hatten noch Bessereres erwartet. Und sie wollen lieber jetzt mehr, als spĂ€ter.
Googles Finanzzahlen fĂŒr das erste Quartal [1] zeigen ein stark wachsendes, profitables Unternehmen mit fast 50.000 Mitarbeitern. In den 90 Tagen ist ein Reingewinn von 3,452 Milliarden US-Dollar zusammengekommen. Ein Rekordwert fĂŒr den Datenkonzern. Umgesetzt hat er 15,42 Milliarden. Das ist etwas weniger als in der jĂŒngsten âKonsumsaisonâ, dem vierten Quartal 2013, aber 19 Prozent mehr, als vor einem Jahr. Diesmal ist es ânurâ der zweithöchste Quartalsumsatz der Firmengeschichte geworden.
Im nachbörslichen Handel nach Bekanntgabe der Zahlen gaben die Google-Aktien gut drei Prozent nach. Die Investoren am Börsenparkett hatten einen noch höheren Umsatzzuwachs, ein noch stĂ€rkeres Wachstum bei den Klicks auf Werbung und einen geringfĂŒgig besseren Durchschnittspreis fĂŒr diese Werbeklicks erwartet.
Gelddruckmaschine lÀuft absichtlich nicht im Turbomodus
TatsĂ€chlich hĂ€tte Google in dem Quartal mehr Profit machen können. Die Ăbernahmen von Nest Lab [2] und DeepMind [3] haben nicht bloĂ den Kaufpreis von 3,2 Milliarden US-Dollar beziehungsweise eine geschĂ€tzte halbe Milliarde gekostet. Dazu kamen noch erhebliche Nebenkosten fĂŒr AnwĂ€lte und juristisches Beiwerk. Auch die Investitionen in langfristige AnlagegĂŒter waren höher, als unbedingt erforderlich. Google investiert hier vor allem in Datencenter sowie Produktionsanlagen und kauft Immobilien.
(Bild:Â Google)
Im Unterschied zu so manchem AktionĂ€r denken die Google-Manager langfristig. In einer Telefonkonferenz mit Finanzanalysten am Mittwochabend betonten sie das mehrfach. âWir investieren weiterhin langfristig, und unsere Infrastruktur bleibt ein zentrales strategisches Gebiet fĂŒr unsâ, sagte Finanzchef Patrick Pichette.
Carlos Kirjner von der Finanzanalysefirma Sanford C. Bernstein wollte wissen, warum die Ausgaben fĂŒr langfristige AnlagegĂŒter in den letzten zwölf Monaten deutlich höher ausgefallen sind, als frĂŒher. Daraufhin verdeutliche Pichette seine Haltung am Beispiel der Datencenter. Es sei fĂŒr das Unternehmen ein wichtiger strategische Wert, aktuell nicht benötigte Datencenter im Standby zu haben. Das ermögliche Wachstum. âSollten wir einen deutlichen Anstieg der Nachfrage (...), nicht aber die KapazitĂ€ten haben, wĂ€re das ein echtes strategisches Problem fĂŒr uns.â Im Vergleich dazu seien die Kosten fĂŒr die zusĂ€tzliche Infrastruktur niedrig.
Budget fĂŒr Forschung und Entwicklung stark gestiegen
Robert Peck von SunTrust Robinson Humphrey erwĂ€hnte, dass seine Geldgeber hĂ€ufig nach Googles Kapitalrendite fragten. Pichette meinte dazu, dass Google sehr wohl auf die Effizienz des Kapitaleinsatzes achte. Bestimmte Segmente, etwa Google Fiber, seien wesensbedingt kapitalintensiver als andere, wie zum Beispiel YouTube. Entscheidend sei die Mischung aus entwickelten Produkten, neuen Angeboten und âviel mehr Forschung und Entwicklung und Innovationen.â
Im jĂŒngsten Quartal hat Google mehr als 2,1 Milliarden US-Dollar fĂŒr Forschung und Entwicklung ausgegeben. Das ist gut eine halbe Milliarde mehr, als vor einem Jahr. Zum Teil ist dieser Anstieg auf die Ăbernahmen von Nest Lab und DeepMind zurĂŒckzufĂŒhren. Unterm Strich floss jeder siebte umgesetzte US-Dollar in Forschung und Entwicklung. Auch das zeigt den langfristigen Aspekt des Mitteleinsatzes.
Zum Vergleich mag IBM dienen, das ebenfalls am Mittwochabend seine Quartalszahlen [4] veröffentlicht hat. IBM hat mit 22,5 Milliarden US-Dollar knapp die HÀlfte mehr umgesetzt, als Google. Davon flossen 1,5 Milliarden in Forschung und Entwicklung. Der Anteil am Umsatz war mit sieben Prozent also nur halb so hoch wie bei Google. (ds [5])
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[1] https://www.heise.de/news/Google-enttaeuscht-Anleger-mit-Quartalszahlen-2171991.html
[2] https://www.heise.de/news/Google-kauft-Heimvernetzer-Nest-fuer-3-2-Milliarden-Dollar-2084501.html
[3] https://www.heise.de/news/Google-kauft-Spezialisten-fuer-kuenstliche-Intelligenz-2097713.html
[4] https://www.heise.de/news/Gewinneinbruch-bei-IBM-2171994.html
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