Anders, aber machbar: Feuerwehren bereiten sich auf E-Auto-BrÀnde vor
Was tun wenn's brennt? Mehr Elektroautos auf den StraĂen heizen die Debatte um die Gefahren von brennenden Autobatterien an. Was sagt der Feuerwehrverband dazu?
Die Feuerwehr bereitet sich auf Gefahren durch BrĂ€nde von E-Auto-Batterien vor â rĂ€t aber zu Gelassenheit. "Wir haben es hier mit einer neuen Herausforderung zu tun, auf die die EinsatzkrĂ€fte vorbereitet werden mĂŒssen", sagte der VizeprĂ€sident des Deutschen Feuerwehrverbandes, Karl-Heinz Knorr, der Deutschen Presse-Agentur. "E-Autos brennen aber weder heftiger noch hĂ€ufiger als Benziner oder Diesel, nur anders."
Brandrisiko bei E-Autos vergleichsweise gering
Eine Empfehlung des Verbandes (PDF-Datei) [1] in Zusammenarbeit mit Ingenieuren und Fachleuten kommt entsprechend zu dem Schluss, die herkömmlichen und bekannten Vorgehensweisen seien zur BrandbekÀmpfung von Lithium-Ionen-Akkus "grundsÀtzlich geeignet". Bei guten Fertigungsstandards und sachgerechter Handhabung seien die Akkus zudem als ausreichend sicher einzustufen.
Auch der ADAC hĂ€lt das Risiko eines Brandes auch bei E-Autos fĂŒr vergleichsweise gering. Die Fahrzeuge seien â wie auch Crashtests zeigen â bei einem Unfall genauso sicher wie herkömmliche Modelle. So schalte sich das Hochvoltsystem automatisch ab, wenn der Airbag ausgelöst wird.
Mehr brennbare Stoffe in modernen Autos verbaut
Knorr findet es jedoch wichtig, dass Feuerwehren sich bereits vor dem dennoch möglichen Einsatzfall mit der neuen Technologie befassen, um Unsicherheiten vorzubeugen. "Wenn ein E-Auto-Akku brennt, dann ist durchaus mit enormer Brandleistung zu rechnen â die ist bei einem Akku aber nicht geringer als bei einem aufgerissenen Tank", sagte Knorr.
Er erklĂ€rt es so: "Die Energie, die freigesetzt wird, ist ja unabhĂ€ngig von der Technologie darauf ausgelegt, das Auto ĂŒber eine lĂ€ngere Strecke in Bewegung zu setzen." Dass Autos, wenn sie in Brand geraten, heutzutage gröĂere Hitze und Flammen entwickelten als noch vor Jahrzehnten, liege an der deutlichen Zunahme verbauter brennbarer Stoffe in den Karossen: mehr DĂ€mmung, breitere Reifen. Andere Polster nĂ€hren heute viel gröĂere Feuer als frĂŒher.
Anders als bei einem brennendem Treibstoff, dem die EinsatzkrÀfte meist durch Löschschaum den notwendigen Sauerstoff entziehen, ist Wasser das Löschmittel der Wahl bei Akkus. "Es reicht nicht, die sichtbaren Flammen zu ersticken", sagte Knorr.
Bei brennendem Akku mehr Wasser nötig
Die eigentliche Energie werde im Innern des Akkus freigesetzt, wo sich der Brand wie bei einem Dominoeffekt von Teilzelle zu Teilzelle fortsetze, "thermal runaway" nennt das der Experte. "Da hilft nur kĂŒhlen, kĂŒhlen, kĂŒhlen. Sie mĂŒssen dem Akku mehr Energie entziehen als er freisetzt, sonst kann er sich wieder entzĂŒnden." Damit das gelinge, sei in der Regel mehr Wasser nötig als gewöhnlich. "Wenn der Brand in einem Gebiet ohne Hydranten ist, etwa auf der Autobahn, könnte man gleich ein zweites Tanklöschfahrzeug mitschicken", empfahl Knorr. Auch reicht laut Fachempfehlung des Feuerwehrverbandes die regulĂ€re SchutzausrĂŒstung.
Der Gefahr, dass beim Einsatz von Wasser in elektrischen Anlagen Spannung auf die EinsatzkrĂ€fte ĂŒberspringt, begegnet die Feuerwehr ĂŒbrigens seit eh und je mit ihrem speziellen Wasserstrahl: "Der besteht aus einzelnen Tröpfchen, so dass der Strom bei Wahrung von gewissen SicherheitsabstĂ€nden nicht zurĂŒckflieĂen kann", erklĂ€rt Knorr. Selbst bei einer Hochspannungsleitung können die Feuerwehrleute so aus zehn Metern Entfernung mit Wasser löschen.
Gefahr der erneuten EntzĂŒndung
Ein weiteres Problem der brennenden Akkus liegt darin, dass sich auch gelöschte Speicher bis zu 24 Stunden lang wieder entzĂŒnden können [2]. "Man kann nicht in die Akkus hineinblicken", sagte Knorr. Es könne daher sinnvoll sein, die Batterie in ein Wasserbad zu legen, um auf Nummer sicher zu gehen. So geschehen zum Beispiel kĂŒrzlich im Kreis DĂŒren: Mit einem Kran hatte die Feuerwehr das gesamte E-Auto in einen mit Wasser gefĂŒllten Container gesetzt.
Wie bei einigen anderen Feuerwehren im Land wolle man solche Container kĂŒnftig standardmĂ€Ăig vorhalten, sagte ein Sprecher der dortigen Kreisfeuerwehr. Erst im Juni hatte die Dortmunder Feuerwehr ein gelöschtes Elektroauto sicherheitshalber in ein improvisiertes Wasserbad gesetzt (und dies auf Twitter dokumentiert).
Der Feuerwehrverband hĂ€lt solche Einsatztechniken aber zunĂ€chst nicht fĂŒr zwingend: Die fachgerechte Lagerung liege in der Regel in der Verantwortung der Entsorger, die das Auto bergen und abschleppen, sagte Knorr.
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(tiw [4])
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[1] http://agbf.de/downloads-fachausschuss-vorbeugender-brand-und-gefahrenschutz/category/28-fa-vbg-oeffentlich-empfehlungen.html?download=291%3A2018-05-fachempfehlung-risikoeinschaetzung-lithium-ionen-speichermedien
[2] https://www.heise.de/news/Weitere-Tesla-Batterie-fing-Stunden-nach-Unfall-Feuer-4093291.html
[3] https://www.heise.de/news/Gefahrgut-ausgebrannter-Tesla-Wochenlanges-warten-auf-Tesla-Experten-4593248.html
[4] mailto:tiw@heise.de
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